Ein Drohnenpilot hat vor der australischen Küste einzigartige Aufnahmen gemacht: Erstmals wurde die Geburt eines Buckelwals aus der Luft gefilmt. Die Bilder, die in dieser Woche veröffentlicht wurden, zeigen den Moment, in dem ein neugeborenes Kalb aus dem Körper seiner Mutter ins Meer gleitet. Das Ereignis gilt unter Meeresbiologen als Sensation, da die Fortpflanzung der großen Meeressäuger bislang kaum je direkt beobachtet werden konnte.

Die Aufnahmen entstanden vor der Küste von Westaustralien, einer Region, die für ihre reiche Meeresfauna bekannt ist. Der Drohnenpilot, der namentlich nicht genannt werden möchte, war laut Angaben des australischen Forschungsinstituts für Meereskunde eigentlich unterwegs, um die Wanderung der Buckelwale zu dokumentieren. Dabei stieß er auf eine weibliche Wal, die kurz vor der Geburt stand. Über mehrere Minuten hinweg gelangen ihm Bilder, die den gesamten Geburtsvorgang zeigen.

Buckelwale (Megaptera novaeangliae) unternehmen jedes Jahr eine der längsten Wanderungen im Tierreich. Sie ziehen von ihren Nahrungsgründen in den kalten Gewässern der Antarktis in die warmen Küstengewässer Australiens, um dort zu gebären. Die Geburt selbst findet meist unter Wasser statt und ist für Forscher nur schwer zu beobachten. Bislang stützten sich Wissenschaftler vor allem auf Berichte von Walbeobachtern und vereinzelte Unterwasseraufnahmen. Die neuen Drohnenbilder liefern nun erstmals eine klare Sicht von oben.

Meeresbiologen zeigen sich begeistert von der Aufnahme. Sie erhoffen sich davon neue Erkenntnisse über das Verhalten der Wale während der Geburt. Unter anderem könnten die Filme klären, ob das Kalb mit der Schwanz- oder der Kopfflosse zuerst geboren wird – eine Frage, die in der Fachwelt lange umstritten war. Auch über die Dauer der Geburt und das Verhalten der Mutter unmittelbar nach der Ankunft des Neugeborenen gebe es bislang kaum gesicherte Daten, erklärte ein Sprecher des australischen Whale-Research-Centers. Die Drohnentechnologie ermögliche es nun, solche Ereignisse aus sicherer Distanz zu dokumentieren, ohne die Tiere zu stören.

Die Bilder zeigen deutlich, wie das Kalb nach der Geburt sofort an die Wasseroberfläche schwimmt, um seinen ersten Atemzug zu nehmen. Die Mutter hilft ihrem Nachwuchs dabei mit leichten Stößen der Fluke. Innerhalb weniger Minuten beginnt das Kalb, sich selbstständig zu bewegen. Solche Verhaltensweisen seien zwar aus Erzählungen von Walfängern bekannt gewesen, aber nie zuvor gefilmt worden, betonen die Forscher.

Buckelwale sind für ihre akrobatischen Sprünge und ihren Gesang bekannt. Sie zählen zu den größten Tieren der Ozeane und erreichen eine Länge von bis zu 16 Metern und ein Gewicht von über 30 Tonnen. Ihre Bestände haben sich nach dem Ende des kommerziellen Walfangs in den 1980er-Jahren in vielen Regionen erholt, gelten aber nach wie vor als gefährdet. Vor der australischen Küste beobachten Wissenschaftler die Populationen besonders aufmerksam, da der Schiffsverkehr und die zunehmende Nutzung der Meere durch den Menschen die Tiere beeinträchtigen könnten.

Die Drohnenaufnahmen sind nicht nur für die Wissenschaft von Bedeutung, sondern auch für den Wal-Tourismus. Vor der Küste von Orten wie Hervey Bay oder Augusta bieten jährlich tausende Touristenfahrten die Möglichkeit, die Wale aus nächster Nähe zu sehen. Die neuen Bilder könnten das Interesse noch verstärken. Allerdings warnen Umweltschützer davor, die Tiere durch zu viele Boote zu belästigen.

Die Veröffentlichung der Aufnahmen löst auch in den sozialen Medien große Begeisterung aus. Der australische Sender ABC und mehrere internationale Nachrichtenportale berichteten bereits über die Weltpremiere. Forscher hoffen nun, dass die Drohnen-Technologie in Zukunft noch häufiger eingesetzt wird, um seltene Verhaltensweisen der Meeressäuger zu studieren. Die Buckelwal-Geburt ist dabei nur der Anfang – ähnliche Beobachtungen könnten auch bei anderen Walarten wie dem Blauwal oder dem Grauwal möglich sein.

Für die Wissenschaft steht fest: Das Video liefert nicht nur spektakuläre Bilder, sondern auch wertvolle Daten, die zum Schutz der Tiere beitragen können. Die Beobachtung aus der Luft sei eine schonende Methode, um mehr über die geheimnisvollen Paarungs- und Geburtsrituale der Wale zu erfahren. Die Arbeit des Drohnenpiloten wird dabei als Glücksfall beschrieben, denn solche Momente seien extrem selten und oft nur wenige Minuten zu beobachten.