In Südeuropa wüten weiterhin verheerende Waldbrände. Besonders betroffen sind Frankreich, Spanien und Italien. Die Brände zwingen Zehntausende Menschen zur Flucht, in einigen Regionen mussten Rettungskräfte Evakuierungen über den Seeweg durchführen. Die Lage bleibt angespannt, während die Feuerwehr gegen die Flammen kämpft.

In Italien an der Adriaküste in der südlichen Region Apulien brach ein Waldbrand aus, der Hunderte Touristen und Strandbesucher in Gefahr brachte. Die örtliche Küstenwache teilte mit, dass am Sonntag mehr als 400 Menschen mit Schiffen von der Küste bei der Stadt Peschici evakuiert werden mussten. Die Behörden bezeichneten den Seeweg als dieeinzig machbare Evakuierungsroute. An dem Einsatz waren sechs Schiffe der Küstenwache, drei Boote der italienischen Finanzpolizei und etwa zehn private Boote beteiligt. Ein Sprecher der Küstenwache erklärte, dass voraussichtlich noch rund 300 weitere Menschen in Sicherheit gebracht werden müssten. Die Einsätze dauerten an. Auf Bildern waren Feuerwehrleute und ein Löschflugzeug zu sehen, die gegen die Flammen kämpften. Unmittelbare Gefahr für Wohnhäuser in der Stadt bestand jedoch nicht. Der Bürgermeister von Peschici wurde von örtlichen Medien mit den Worten zitiert, die Lage seiunter Kontrolle.

Noch dramatischer ist die Situation in Frankreich. Im Verwaltungsbezirk Gironde rund um die Stadt Bordeaux wütet der größte Waldbrand der Region seit Jahrzehnten. Seit Mittwoch vergangener Woche brachten Rettungskräfte rund 220.000 Menschen in Sicherheit – darunter viele ausländische Touristen. Das Feuer zerstörte bisher rund 42.000 Hektar Wald und Buschland. Die Flammen breiten sich weiter aus, begünstigt durch Trockenheit und starken Wind. Tausende Feuerwehrleute sind im Einsatz, unterstützt von Löschflugzeugen aus mehreren europäischen Ländern.

Auch in Spanien kämpfen die Behörden gegen zahlreiche Waldbrände. Besonders heftig betroffen sind die Umgebung der Hauptstadt Madrid sowie die angrenzenden Provinzen Ávila und Toledo. Die Chefin des spanischen Katastrophenschutzes, Virginia Barcones, gab gegenüber dem Sender TVE an, dass das Feuer ein Gebiet von etwa 280 Kilometern Umfang erfasst habe, was einer Fläche von 77.000 Hektar entspreche. Nach Angaben des spanischen Innenministeriums seien rund 120.000 Menschen von Evakuierungen oder Ausgangsbeschränkungen betroffen. Die Behörden warnen vor weiterer Ausbreitung, da die Temperaturen unverändert hoch bleiben.

Die Ursache der verheerenden Brände ist eine Kombination aus extremer Hitzewelle und anhaltender Trockenheit. Der menschengemachte Klimawandel trägt nach Einschätzung von Experten dazu bei, dass solche Hitze- und Trockenphasen wahrscheinlicher werden. Die Vegetation trocknet aus und Waldbrände können sich leichter entzünden und ausbreiten. Der Feuerökologe Alexander Held vom Deutschlandfunk betonte, dass über 90 Prozent aller Brände menschengemacht seien, etwa durch Fahrlässigkeit oder Brandstiftung.

Die Evakuierungen und Löscharbeiten werden in den kommenden Tagen fortgesetzt. In Italien ist die akute Gefahr nach Einschätzung der Behörden vorerst gebannt. In Frankreich und Spanien dagegen bleibt die Lage kritisch. Die Rettungskräfte arbeiten unter Hochdruck daran, die Brände unter Kontrolle zu bringen und weitere Evakuierungen durchzuführen. Die betroffenen Touristen und Einwohner harren in Notunterkünften aus oder versuchen, in sicherere Regionen zu gelangen. Die Waldbrände in Südeuropa sind die schwersten seit Jahren und werfen einmal mehr die Frage nach den Folgen des Klimawandels auf.