Die USA haben in der vergangenen Nacht erneut militärische Ziele im Iran bombardiert und gleichzeitig neue Sanktionen verhängt. Die Vergeltung folgte auf einen iranischen Angriff auf eine US-Militärbasis in Jordanien am Mittwoch, bei dem alle Raketen abgefangen worden waren. US-Präsident Donald Trump hatte umgehend mit einer harten Antwort gedroht. Der erneute Schlagabtausch lässt die Hoffnung auf eine diplomatische Lösung des Konflikts weiter schwinden.
Nach Angaben des US-Regionalkommandos Centcom wurden bei den Luftangriffen militärische Kommandozentralen, Raketen- und Drohnenanlagen sowie Küstenüberwachungs- und Verteidigungsanlagen getroffen. Iranische Medien berichteten von Explosionen im Süden des Landes, unter anderem auf der Insel Gheschm in der strategisch wichtigen Straße von Hormus sowie in der Provinz Buschehr. Das US-Militär erklärte, die Angriffe zielten darauf ab, die Bedrohungen für die amerikanischen Streitkräfte, die Handelsschifffahrt und die Nachbarländer am Persischen Golf zu verringern. Es handele sich um eine «entschlossene Antwort» auf die iranischen Angriffe vom Vortag.
Der Iran hatte am Mittwoch einen «Überraschungsangriff» auf US-Truppen im Nahen Osten gestartet, der nach Darstellung des US-Militärs jedoch vollständig abgewehrt werden konnte. Die Revolutionsgarden erklärten, der Angriff habe einer US-Basis in Jordanien gegolten. Dieser Vorfall beendete eine kurze Phase relativer Ruhe, nachdem es seit dem 25. Juli erstmals wieder keine nächtlichen US-Luftschläge gegen Ziele im Iran gegeben hatte. Der Iran hatte daraufhin ebenfalls seine Angriffe vorübergehend ausgesetzt. Mit dem erneuten Schlagabtausch haben sich die Fronten nun wieder verhärtet.
Präsident Trump äußerte sich nach dem iranischen Angriff wütend. US-Medien zitierten ihn mit den Worten: «Wir werden sie hart treffen. Sie werden ordentlich Prügel kriegen.» Hinter den Kulissen herrscht im Weißen Haus offenbar Uneinigkeit über die weitere Strategie. Laut NBC News zeigte sich Trump verärgert über die verfahrene Lage und habe nicht damit gerechnet, dass es so schwierig sein würde, die Iraner zu einer Einigung zu bewegen. Seine Sicherheitsberater könnten sich nicht auf eine Linie verständigen, hieß es unter Berufung auf US-Beamte.
Das «Wall Street Journal» berichtete, der Centcom-Kommandeur Brad Cooper habe einen Plan für zehn- bis vierzehntägige intensive Luftangriffe ausgearbeitet, um die iranischen Raketenkapazitäten nachhaltig zu schwächen. Allerdings gibt es Warnungen, dass den USA die Munition für die Luftabwehr ausgehen könnte. Trump steht vor der Wahl, entweder Coopers Option zu folgen oder einen begrenzten Schlag zu führen, in der Hoffnung, den diplomatischen Weg weiterverfolgen zu können. Ob es bei dem nun erfolgten Angriff bleibt, ist ungewiss.
Parallel zu den Militärschlägen weiteten die USA ihre Sanktionen gegen den Iran aus. Das Finanzministerium verhängte Strafmaßnahmen gegen zwei Unternehmen, die an einem von den Revolutionsgarden unterstützten Erpressungssystem in der Straße von Hormus beteiligt sein sollen. Handelsschiffe würden demnach gezwungen, eine obligatorische «Versicherung» zu zahlen, um die für den globalen Ölhandel zentrale Meerenge passieren zu dürfen. Finanzminister Scott Bessent erklärte: «Die Vereinigten Staaten werden nicht zulassen, dass der Iran den globalen Handel als Geisel nimmt oder die internationale Schifffahrt nutzt, um den Terrorismus, die Aggression und die Unterdrückung durch die IRGC zu finanzieren.»
Die Straße von Hormus ist seit Monaten ein zentraler Streitpunkt zwischen Washington und Teheran. Der Iran beansprucht die Kontrolle über die Meerenge, während die USA auf die Wiederherstellung der freien Schifffahrt dringen, wie sie vor Beginn des US-israelischen Krieges gegen den Iran am 28. Februar bestand. Mitte Juni hatten beide Seiten ein Rahmenabkommen vereinbart, das den Weg zur Beendigung des Krieges ebnen sollte. Seit April galt zudem eine Waffenruhe, die Trump jedoch für beendet erklärte. Auch Teheran fühlt sich nicht mehr an die vorläufige Absichtserklärung gebunden.
Experten sehen in dem jüngsten iranischen Angriff eine gezielte Eskalation. Die Revolutionsgarden hätten nach dem Tod des obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei Ende Februar eine dominantere Rolle in der Führung eingenommen, schrieb das «Wall Street Journal». Der Iran-Experte Hamidreza Azizi sagte der Zeitung, die Garden sähen sich selbst im Vorteil und sendeten mit dem Angriff ein Signal «für eine Art dosierte Eskalation». Der Machtpoker zwischen Washington und Teheran geht damit in eine neue, ungewisse Runde.



