Der US-Senator Lindsey Graham ist tot. Der Republikaner aus South Carolina starb nach Angaben seines Büros am Samstagabend (Ortszeit) an einer kurzen und plötzlichen Erkrankung. Er wurde 71 Jahre alt. Weitere Angaben zur Todesursache machte sein Büro nicht. Der Tod kam überraschend, wie sein voller Terminkalender zeigt: Erst am Freitag war Graham in Kiew gewesen, am Donnerstag hatte er seinen 71. Geburtstag gefeiert. Für den Sonntag war ein Interview im US-Fernsehen geplant.
Graham gehörte dem Senat seit 2003 an und zählte zu den bekanntesten außenpolitischen Stimmen seiner Partei. Zuletzt leitete er den Haushaltsausschuss der Kammer. Bei den Zwischenwahlen im November wollte er für eine fünfte Amtszeit antreten. Der frühere US-Präsident Donald Trump, der Graham zunächst scharf kritisiert und später zu einem seiner engsten Verbündeten gemacht hatte, sicherte ihm dafür seine volle Unterstützung zu. Trump würdigte Graham nach dessen Tod als langjährigen Verbündeten.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zeigte sich tief betroffen. Er würdigte Grahams Einsatz für die Ukraine. «Er hat die Ukraine seit Beginn der groß angelegten russischen Invasion zehnmal besucht und stand unserem Volk zur Seite, als dies am dringendsten nötig war», schrieb Selenskyj auf Facebook. «Amerika und die Welt haben einen entschlossenen Anführer verloren.» Graham hatte Kiew erst am Freitag besucht, wo Selenskyj ihm zum Geburtstag gratulierte. Auf die Frage, wie es ihm gehe, antwortete Graham damals: «Gut. Älter. Älter. Aber nicht klüger.» Es war einer seiner letzten öffentlichen Auftritte.
Graham wurde am 9. Juli 1955 in der Kleinstadt Central in South Carolina geboren. Seine Eltern führten dort eine Gaststätte mit Bar und Billardhalle. Als erstes Mitglied seiner Familie besuchte er ein College und schloss an der University of South Carolina 1977 ein Studium der Psychologie sowie 1981 ein Jurastudium ab. Nach dem Studium trat Graham als Militärjurist in die US-Luftwaffe ein. Von 1984 bis 1988 war er auf der Rhein-Main Air Base bei Frankfurt stationiert, wo er als Ankläger für die US-Streitkräfte in Europa arbeitete. Insgesamt diente er 33 Jahre in Uniform, zuletzt in der Reserve, und schied 2015 im Rang eines Colonels aus.
Seine politische Laufbahn begann 1992 im Abgeordnetenhaus von South Carolina. 1994 zog Graham ins US-Repräsentantenhaus ein. 2002 gewann er den Senatssitz des zurücktretenden Strom Thurmond und rückte 2003 in die Kammer nach. Er wurde 2008, 2014 und 2020 wiedergewählt. 2015 bewarb sich Graham um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner, zog seine Bewerbung aber wegen geringer Umfragewerte zurück. Zunächst ein scharfer Kritiker Donald Trumps, wurde er nach dessen Amtsantritt zu einem seiner engsten Verbündeten im Senat.
Von 2019 bis 2021 leitete Graham den Justizausschuss und war maßgeblich an der Bestätigung der konservativen Verfassungsrichter Brett Kavanaugh und Amy Coney Barrett beteiligt. In der Außenpolitik trat er als scharfer Gegner des Iran, als enger Partner Israels und als Unterstützer der Ukraine auf. Sein plötzlicher Tod hinterlässt eine Lücke in der republikanischen Senatsfraktion und in der US-Außenpolitik. Die genauen Umstände seiner Erkrankung wurden nicht bekannt gegeben.



