Die Stimmung in der deutschen Autoindustrie kippt zunehmend. Nachdem Mercedes-Benz seinen Sparkurs verschärft hat, droht nun auch beim Volkswagen-Konzern eine Eskalation. Die IG Metall hat bereits einen «heißen Sommer» angekündigt und ruft zu Protesten auf. Hintergrund sind tiefgreifende Sparmaßnahmen, die bei den Beschäftigten auf wachsenden Widerstand stoßen. Die Gewerkschaft bereitet sich auf eine schwierige Tarifrunde im Herbst vor.

Ein zentraler Konfliktpunkt ist der geplante Stellenabbau. Volkswagen hat bereits den Abbau von 50.000 Arbeitsplätzen in Deutschland bis zum Jahr 2030 angekündigt. Davon entfallen 35.000 Stellen auf die Kernmarke VW, der Rest auf Töchter wie Audi und Porsche. Mehr als 37.000 Beschäftigte haben bereits entsprechende Aufhebungsverträge unterschrieben. Doch damit könnte es nicht getan sein: Laut einem Bericht des «Manager Magazins» plant Konzernchef Oliver Blume eine drastische Verschärfung. Weltweit könnten bis zu 100.000 Stellen wegfallen. Vier deutschen Werken – Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm – drohe die Schließung. Auch andere Hersteller sparen beim Personal. Mercedes hatte ein Abfindungsprogramm aufgelegt, um die Belegschaft zu verkleinern.

Ein zweiter Grund für den Unmut ist die Debatte um längere Arbeitszeiten bei gleichem Gehalt. Mitten in der Krise hat die Mercedes-Führung eine alte Grundsatzdebatte neu entfacht. Aufsichtsratschef Martin Brudermüller regte in einem Interview mit dem «Handelsblatt» die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche an – für dasselbe Gehalt. Wenige Tage später schrieb der Vorstand an die Beschäftigten, dass die Arbeitsstunde günstiger werden müsse. «Der direkteste und in unseren Augen fairste Weg: Wir sollten in allen Bereichen für das gleiche Geld mehr arbeiten», hieß es in dem Schreiben. In der deutschen Autoindustrie ist bei tarifgebundenen Unternehmen die 35-Stunden-Woche Standard – auch bei Mercedes. Gesetzlich verpflichtend ist sie jedoch nicht. Die IG Metall rief umgehend zum Protest auf. Am vergangenen Freitag protestierten nach Gewerkschaftsangaben mehr als 33.000 Mercedes-Beschäftigte bundesweit gegen den Sparkurs.

Ein dritter Faktor sind die sinkenden Vergütungen. Die Sparmaßnahmen schlagen immer öfter auch auf die Gehälter und Boni durch. Bei Mercedes wurde gerade erst eine tarifliche Sonderzahlung verschoben. Die traditionell üppigen Mitarbeiterboni bei den deutschen Autobauern fielen zuletzt deutlich niedriger aus – oder wurden wie bei Porsche komplett gestrichen. Beim Stuttgarter Zulieferer Mahle verzichteten erst in der vergangenen Woche knapp 4.000 Beschäftigte unter anderem auf Tariferhöhung und Weihnachtsgeld. Im Tausch erhalten sie einen Sonderkündigungsschutz bis Ende 2029.

Die Krise der deutschen Autoindustrie hat mehrere Ursachen. Das Geschäft in China, lange Zeit eine wichtige Gewinnquelle, läuft nicht mehr so gut. US-Zölle fressen die Margen auf. Und der Hochlauf der Elektromobilität verläuft langsamer als erwartet. Diese Faktoren setzen die Hersteller und Zulieferer unter massiven Druck. Die Unternehmen reagieren mit Kostensenkungen, die nun direkt bei den Beschäftigten ankommen.

Die IG Metall hat angekündigt, den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen. Vor der Tarifrunde im Herbst will die Gewerkschaft mit Warnstreiks und Protestaktionen ihre Forderungen untermauern. Die Stimmung in den Werken ist aufgeheizt. Viele Beschäftigte fürchten um ihre Arbeitsplätze und sehen ihre Einkommen schrumpfen. Die kommenden Monate dürften in der deutschen Autoindustrie daher von erheblichen Auseinandersetzungen geprägt sein.

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Sportredakteur

Florian Lorenz berichtet für Guldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.