UN-Generalsekretär António Guterres hat die anhaltenden US-Angriffe auf zivile Infrastruktur im Iran als «inakzeptabel» verurteilt. Über einen Sprecher ließ der oberste Diplomat der Vereinten Nationen mitteilen, dass die Bombardierung von Kraftwerken, Häfen und Brücken sowie weiterer ziviler Einrichtungen in der gesamten Region auf schärfste Besorgnis stoße. Die USA hatten zuvor eine neue Angriffswelle gegen den Iran gestartet und dabei nach iranischen Angaben erhebliche Schäden an der Infrastruktur verursacht.

Das US-Militär erklärte die jüngste Serie von Luftschlägen für beendet. Nach Angaben des zuständigen Regionalkommandos seien Dutzende «militärische Ziele» mit Präzisionsmunition getroffen worden, darunter Flugabwehrsysteme und Radaranlagen zur Küstenüberwachung. In einer späteren Mitteilung hieß es, US-Streitkräfte hätten am Donnerstag einen Turm zerstört, der Teil eines maritimen Überwachungsnetzwerks entlang der iranischen Küste am Golf von Oman gewesen sei. Die Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) hätten diesen Turm jahrzehntelang genutzt, um Handelsschiffe auf ihrer Durchfahrt durch die strategisch bedeutsame Straße von Hormus zu verfolgen und ins Visier zu nehmen.

Nach iranischen Angaben wurden bei den Angriffen Brücken, ein Flughafen und Infrastruktur der Seefahrt getroffen. Irans UN-Botschafter hatte die US-Angriffe auf zivile Infrastruktur bereits zuvor als Kriegsverbrechen eingestuft. Mit den Bombardierungen auf Brücken sollten offenbar Nachschubwege zu einem iranischen Marinestützpunkt an der Straße von Hormus unterbrochen werden, wie das «Wall Street Journal» unter Berufung auf einen US-Beamten berichtete. Die iranische Führung holte in Reaktion darauf erneut zu Vergeltungsschlägen gegen Ziele in den mit Washington verbündeten Golfstaaten Kuwait, Bahrain sowie Katar aus. Zudem sprach der Iran von Angriffen auf Ziele in Syrien, dem Irak und Jordanien.

Insgesamt sind nach iranischen Angaben im Juli bisher 38 Menschen im Zuge der US-Angriffe getötet worden. Die Zahlen des Gesundheitsministeriums dürften sich ausschließlich auf getötete Zivilisten beziehen und noch nicht die Opfer der jüngsten nächtlichen Angriffswelle beinhalten. Iranische Medien sprachen zunächst von insgesamt acht weiteren Toten. Die humanitäre Lage in der Region verschärft sich damit zusehends, während die internationale Gemeinschaft mit wachsender Sorge auf die Eskalation blickt.

Trotz der anhaltenden Militärschläge zeigte sich die US-Regierung überraschend offen für diplomatische Gespräche. Nach Darstellung von US-Regierungssprecherin Karoline Leavitt ist Teheran weiter an einem Abkommen mit Washington interessiert. «Der Iran steht nach wie vor in engem Austausch mit den Vereinigten Staaten von Amerika», sagte Leavitt am Donnerstag in Washington. Dass das US-Militär ungeachtet dessen seit Tagen Ziele im Iran angreift, begründete Leavitt mit dem Verhalten der iranischen Führung. US-Präsident Donald Trump werde nicht tatenlos zusehen, wie der Iran Schiffe in der Straße von Hormus angreife, erklärte die Sprecherin.

Inmitten der neuerlichen Angriffe hadert der Vermittlerstaat Pakistan zunehmend mit seiner Rolle in dem Konflikt. Führende Politiker seien frustriert über den Prozess, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Diplomatenkreisen im Land. Aktive Vermittlungsbemühungen seitens Pakistans ruhten derzeit, hieß es weiter. In einer Pressekonferenz am Donnerstag hatte ein Sprecher des pakistanischen Außenministeriums alle Konfliktbeteiligten zu Zurückhaltung aufgerufen. Den Vermittler Pakistan bringt insbesondere eine mögliche überregionale Eskalation des Konflikts in Bedrängnis.

Womöglich neu aufflammende Kämpfe zwischen dem Königreich Saudi-Arabien und der Huthi-Miliz im Jemen stellen nach Angaben pakistanischer Diplomatenkreise ein Problem für weitere Vermittlungen dar. Die Huthi-Miliz im Jemen gilt als einer der wichtigsten nicht staatlichen Verbündeten des Irans. Die Atommacht Pakistan wiederum unterhält seit dem vergangenen Jahr mit Saudi-Arabien ein Militärbündnis, das bei Angriffen auf eines der Länder zu Unterstützung des anderen Landes führen soll. Pakistanische Soldaten sind zudem in Saudi-Arabien stationiert.

Sollte es zu einer weiteren kriegerischen Eskalation im Iran kommen, könnte die Huthi-Miliz wieder mit Drohungen und Angriffen am Eingang zum Roten Meer den Schiffsverkehr durch den Suezkanal zum Erliegen bringen. Das hätte nicht nur fatale Folgen für den internationalen Handel. Saudi-Arabien konnte zuletzt die Blockaden in der Straße von Hormus umgehen, indem Öl über Pipelines und Häfen am Roten Meer umgesetzt wurde. Eine Schließung dieser Passage wäre schnell ein großes Problem für den weiteren Absatz. «Es wird nicht leicht sein, die Vermittlung fortzuführen, wenn der Konflikt sich auf Saudi-Arabien ausweitet», sagte ein pakistanischer Diplomat der Deutschen Presse-Agentur. Pakistan könne in dem Fall «gezwungen sein in den Konflikt einzusteigen».

Am Montag war es zwischen den Huthi und der international anerkannten Regierung im Jemen, die von Saudi-Arabien unterstützt wird, zu einer der schwersten Konfrontationen seit Jahren gekommen. Die Angriffe auf den Flughafen von Sanaa im Nordjemen und auf Ziele in Saudi-Arabien haben die ohnehin fragile Sicherheitslage in der Region weiter destabilisiert. Die internationale Gemeinschaft beobachtet die Entwicklungen mit großer Sorge, da eine Ausweitung des Konflikts auf weitere Staaten der Region nicht ausgeschlossen werden kann.