Der US-Fahrdienst- und Lieferkonzern Uber greift im Markt für Essenslieferungen massiv an und übernimmt den deutschen Wettbewerber Delivery Hero. Wie beide Unternehmen am Donnerstag bestätigten, haben sich die Konzerne auf einen Kaufpreis von knapp 13 Milliarden Euro geeinigt. Das Angebot von Uber richtet sich an die Aktionäre des Berliner Unternehmens und umfasst ein Transaktionsvolumen von mehreren Milliarden Euro. Die Übernahme markiert einen der größten Deals in der deutschen Start-up- und Technologiegeschichte und dürfte die globale Wettbewerbslandschaft für Essenslieferdienste grundlegend verändern.

Delivery Hero, das 2011 in Berlin gegründet wurde, ist heute in mehr als 70 Ländern aktiv und betreibt Marken wie Foodpanda, Glovo und PedidosYa. Das Unternehmen ist im MDax notiert, dem Index der mittelgroßen deutschen Börsenwerte. Trotz seiner globalen Präsenz ist Delivery Hero im deutschen Heimatmarkt selbst kaum präsent. Der Fokus des Konzerns lag stets auf internationalen Märkten, insbesondere in Asien, Lateinamerika und dem Nahen Osten. Diese globale Reichweite war offenbar einer der Hauptgründe für das Interesse von Uber, das sein eigenes Liefergeschäft Uber Eats weiter ausbauen will.

Für Uber ist die Übernahme ein strategischer Schritt, um im hart umkämpften Markt der Essenslieferungen eine führende Position zu erlangen. Der US-Konzern hat in den vergangenen Jahren massiv in sein Liefergeschäft investiert und ist bereits in zahlreichen Ländern mit Uber Eats vertreten. Durch die Integration von Delivery Hero könnte Uber seine Marktposition in Regionen stärken, in denen es bisher schwach aufgestellt ist. Analysten sehen in dem Deal eine logische Konsequenz der Konsolidierungswelle, die die Branche seit Jahren erfasst. Immer mehr kleinere Anbieter werden von großen Playern wie Uber, Just Eat Takeaway oder DoorDash übernommen.

Die genauen Details der Übernahme müssen noch von den zuständigen Kartellbehörden geprüft werden. Aufsichtsbehörden in mehreren Ländern könnten den Deal unter die Lupe nehmen, da er erhebliche Auswirkungen auf den Wettbewerb haben dürfte. Experten rechnen jedoch damit, dass die Übernahme genehmigt wird, da Uber und Delivery Hero in vielen Märkten nicht direkt konkurrieren. In einigen Regionen überschneiden sich die Geschäfte jedoch, was zu Auflagen führen könnte. Die Unternehmen zeigten sich zuversichtlich, dass der Deal bis zum Jahresende abgeschlossen werden kann.

Für die Beschäftigten von Delivery Hero bedeutet die Übernahme zunächst einmal Unsicherheit. Der Berliner Hauptsitz des Unternehmens soll nach Angaben von Unternehmenskreisen vorerst erhalten bleiben. Ob es zu Stellenstreichungen oder Umstrukturierungen kommt, ist noch unklar. Uber hat sich bislang nicht konkret zu den Plänen für die Belegschaft geäußert. In der Vergangenheit führten Übernahmen im Lieferdienst-Sektor jedoch häufig zu Synergien und damit einhergehenden Personalanpassungen. Betriebsräte und Gewerkschaften kündigten an, die Entwicklung genau zu verfolgen und die Interessen der Mitarbeiter zu wahren.

Delivery Hero hatte in den vergangenen Jahren mit schwierigen Marktbedingungen zu kämpfen. Nach dem Ende des Corona-Booms, der die Nachfrage nach Essenslieferungen zeitweise in die Höhe schnellen ließ, normalisierte sich das Geschäft wieder. Steigende Inflation und verändertes Konsumverhalten setzten das Unternehmen unter Druck. Die Aktie von Delivery Hero verlor seit ihren Höchstständen im Jahr 2021 deutlich an Wert. Die Übernahme durch Uber bietet den Aktionären nun die Möglichkeit, zu einem attraktiven Preis auszusteigen. Der gebotene Kaufpreis liegt deutlich über dem aktuellen Börsenkurs.

Die Übernahme ist auch ein Signal für den deutschen Technologiestandort. Delivery Hero galt lange als eines der vielversprechendsten deutschen Start-ups und als Vorzeigeunternehmen der Berliner Gründerszene. Dass das Unternehmen nun von einem US-Konzern übernommen wird, zeigt die Herausforderungen für deutsche Tech-Firmen, langfristig eigenständig zu bleiben. Viele erfolgreiche deutsche Start-ups wurden in den vergangenen Jahren von ausländischen Konzernen gekauft, darunter Auto1, Flixbus oder die Immobilienplattform Scout24. Die Politik hat wiederholt Maßnahmen angekündigt, um die Eigenständigkeit deutscher Technologieunternehmen zu stärken, konkrete Erfolge blieben jedoch bislang aus.

Mit der Übernahme von Delivery Hero baut Uber seine Position als einer der weltweit führenden Anbieter von Essenslieferungen weiter aus. Der Konzern aus San Francisco ist bereits in über 70 Ländern aktiv und erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von mehr als 30 Milliarden US-Dollar. Das Liefergeschäft trägt inzwischen einen erheblichen Teil zum Gesamtumsatz bei. Die Integration von Delivery Hero dürfte Ubers Marktanteil in wichtigen Wachstumsregionen wie Asien und Lateinamerika deutlich erhöhen. Branchenbeobachter erwarten, dass der Deal die Konsolidierung in der Branche weiter beschleunigen wird. Kleinere Anbieter könnten nun verstärkt nach Partnern oder Käufern suchen, um im Wettbewerb mit den großen Playern bestehen zu können.