Bei einem Autoangriff auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin ist eine Frau ums Leben gekommen, 16 Menschen wurden verletzt, mehrere von ihnen lebensbedrohlich. Der Vorfall ereignete sich am Rande der Veranstaltung im Tiergarten. Die Polizei fahndet landesweit nach einem 21-jährigen Tatverdächtigen namens Abdul B., der der islamistischen Szene zugeordnet wird. Er soll deutscher Staatsbürger mit libanesischen Wurzeln sein und war bereits polizeibekannt. Erst im Mai 2026 wurde er aus dem Jugendarrest entlassen.

In einer gemeinsamen Pressekonferenz äußerten sich Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU), der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner (CDU), und Polizeipräsidentin Barbara Slowik zu dem Angriff. Sie verurteilten die Tat scharf und versprachen eine lückenlose Aufklärung. Nach Angaben der Polizei wurde die Wohnung des Verdächtigen durchsucht, zudem ein Fahndungsfoto veröffentlicht. Die Hintergründe der Tat sind Gegenstand der laufenden Ermittlungen.

Die Tat löste umgehend eine politische Debatte aus, die mitten in den Wahlkampf für die Berliner Abgeordnetenhauswahl im September fällt. Zudem stehen in den kommenden Wochen Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern an, was dem Vorfall zusätzliche politische Brisanz verleiht. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sprach auf der Plattform X von einem «Angriff auf unsere Gesellschaft». Die Berliner AfD-Landesvorsitzende Kristin Brinker machte eine angeblich «katastrophale Migrationspolitik» der vergangenen Jahre verantwortlich und forderte einen härteren Kurs gegen gewaltbereite Islamisten. Der CDU-Innenpolitiker Günter Krings brachte strengere Strafen für islamistische Attentäter ins Gespräch und sprach sich für schärfere Regeln bei der Einbürgerung aus. Auch der CDU-Abgeordnete Alexander Throm drängte auf eine zügige Verabschiedung aller bereits in Arbeit befindlichen Sicherheitsgesetze.

Terrorismusexperte Felix Neumann von der Konrad-Adenauer-Stiftung wies darauf hin, dass Radikalisierung zunehmend über das Internet stattfinde. Soziale Netzwerke spielten eine entscheidende Rolle, da junge Menschen durch Algorithmen in ihrer Blase gefangen seien und immer wieder die gleichen Inhalte sähen. Ob es bei dem nun gesuchten Tatverdächtigen eine direkte Verbindung zu einer islamistischen Organisation gegeben habe, sei offen. Neumann betonte, dass auch ohne Kontakt zu bekannten Gruppen Anleitungen für Anschläge im Internet weit verbreitet seien. Für die Sicherheitsbehörden sei es dann schwer, solche individuellen Radikalisierungen und Planungen rechtzeitig zu erkennen. Hundertprozentige Sicherheit für das öffentliche Leben gebe es nicht.

Der Autoangriff weckt Erinnerungen an den Anschlag auf den Berliner Breitscheidplatz im Jahr 2016, bei dem ein Attentäter mit einem Lastwagen in einen Weihnachtsmarkt raste. Nach der damaligen Tat wurden die Befugnisse der Sicherheitsbehörden erweitert. Behörden betonen, dass seither immer wieder geplante Anschläge vereitelt werden konnten. Der aktuelle Vorfall zeigt jedoch erneut die Herausforderungen bei der Verhinderung von Anschlägen durch Einzeltäter, die sich im Internet radikalisieren.

Die Berliner Polizei rief die Bevölkerung zur Mithilfe bei der Suche nach Abdul B. auf. Hinweise auf seinen Aufenthaltsort werden dringend erbeten. Der CSD, der als größtes queeres Fest der Hauptstadt gilt, wurde nach dem Angriff abgebrochen.