Saudi-Arabien hat ein neues Militärbündnis angekündigt, das die Schifffahrt im Roten Meer und die strategisch wichtige Meerenge Bab al-Mandab schützen soll. Der Allianz gehören nach Angaben des saudischen Verteidigungsministeriums 14 Länder an, darunter die Golfstaaten Kuwait, Katar und Bahrain sowie Pakistan, die Türkei, Ägypten und Jordanien. Das Bündnis sei rein defensiv und ziele nicht darauf ab, einen Staat oder eine internationale Organisation anzugreifen.
Die Ankündigung erfolgte nach Angriffen der Huthi-Miliz auf saudische Schiffe in der vergangenen Woche. Die vom Iran unterstützte Miliz hatte bereits ab 2023 Handelsschiffe im Roten Meer attackiert. Als Reaktion darauf wurden bereits die EU-geführte Mission Aspides und der US-geführte Einsatz Prosperity Guardian ins Leben gerufen. Das neue Bündnis soll durch gemeinsame Militäreinsätze, Planungen und Geheimdienstaustausch die Sicherheit zur See gewährleisten.
Wegen der faktischen Blockade der Straße von Hormus exportiert Saudi-Arabien einen Teil seines Öls über eine Pipeline ans Rote Meer. Durch die neuen Angriffe der Huthi wird auch dieser Exportweg unsicherer. Die Miliz hatte vergangene Woche eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien angekündigt und griff saudische Öltanker und Anlagen an. Saudi-Arabien reagierte mit Luftangriffen auf von den Huthis kontrollierte Gebiete im Jemen.
Die Huthi-Miliz wies derweil die Verantwortung für einen Drohnenangriff im Hafen der ägyptischen Stadt Damietta zurück. Dort waren zwei Flüssiggastanker in Brand geraten. Die ägyptische Regierung hatte einen Drohnenangriff als Ursache genannt. Die Huthis erklärten, sie zielten ausschließlich auf das saudische Regime. Bei den beschädigten Schiffen handelt es sich um ein Gasspeicherschiff einer US-Firma und einen griechischen LNG-Tanker. Der Angriff war der erste in Ägypten seit Beginn des Iran-Krieges Ende Februar.
Der anhaltende Konflikt in der Region, der bereits seit fünf Monaten andauert, belastet die Wirtschaft Saudi-Arabiens schwer. Das Bruttoinlandsprodukt des weltgrößten Ölexporteurs fiel im zweiten Quartal um 4,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Grund war ein Einbruch des Ölgeschäfts um 24,7 Prozent, während die anderen Wirtschaftsbereiche um 0,9 Prozent wuchsen. Die Staatsausgaben stiegen leicht um 0,6 Prozent. Die Straße von Hormus ist praktisch gesperrt, und die Huthi-Angriffe im Roten Meer stören den Ölexport erheblich. Eine Entspannung ist nicht in Sicht. Laut einer Reuters-Umfrage unter Ökonomen dürften die meisten Golfstaaten in diesem Jahr wirtschaftlich stärker schrumpfen als noch vor drei Monaten erwartet. Erst 2027 wird mit einer Erholung gerechnet.
Die USA haben ihre Angriffe auf den Iran wieder aufgenommen. Das US-Zentralkommando meldete Angriffe auf Dutzende Ziele der iranischen Revolutionsgarden, darunter militärische Kommandozentralen, Raketen- und Drohnenanlagen sowie Küstenüberwachungs- und Verteidigungsanlagen. Die Angriffe zielten darauf ab, die Bedrohungen für die amerikanischen Streitkräfte, die Handelsschifffahrt und die Nachbarländer am Persischen Golf zu verringern.
Der Iran soll zudem innerhalb weniger Wochen eine Lieferung von bis zu 400 in China hergestellten schultergestützten Luftabwehrraketenwerfern erhalten. Der Kauf im Wert von 60 bis 70 Millionen US-Dollar ist eine der größten bekannten Maßnahmen Teherans zur Stärkung seiner Kurzstrecken-Luftabwehr seit Ausbruch des Krieges mit den USA und Israel.



