Ein tödlicher Anschlag hat den Christopher Street Day (CSD) in Berlin überschattet. Ein Transporter fuhr am Rande der Veranstaltung in eine Menschenmenge und tötete eine Frau. 16 weitere Menschen wurden verletzt, mehrere von ihnen lebensbedrohlich. Die Berliner Polizei fahndet öffentlich nach dem Tatverdächtigen Abdul B., einem 21-jährigen Mann, der der islamistischen Szene zugeordnet wird.

Nach Angaben der Ermittler handelt es sich bei dem Gesuchten um einen bereits polizeibekannten Islamisten. Die Behörden veröffentlichten ein Foto des Verdächtigen und riefen die Bevölkerung zur Mithilfe auf. Abdul B. soll den Transporter gesteuert haben, der in die Menschenmenge raste. Die genauen Hintergründe der Tat sind noch Gegenstand der Ermittlungen, doch die Polizei geht von einem Anschlagsverdacht aus.

Der Christopher Street Day, der als eine der größten LGBTQ-Veranstaltungen Europas gilt, wurde nach dem Vorfall sofort abgebrochen. Die Veranstalter zeigten sich tief erschüttert. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden aufgefordert, den Bereich zu räumen. Rettungskräfte waren mit einem Großaufgebot im Einsatz, um die Verletzten zu versorgen. Die Polizei sperrte das gesamte Areal weiträumig ab.

Bundeskanzler Friedrich Merz äußerte sich am Abend in einer Stellungnahme. Er bezeichnete die Tat als «Angriff auf unsere Gesellschaft» und sprach den Opfern und Angehörigen sein Mitgefühl aus. «Wir werden nicht zulassen, dass Hass und Gewalt unsere Freiheit bedrohen», sagte Merz. Er kündigte an, dass die Sicherheitsbehörden mit Hochdruck an der Aufklärung arbeiten. Die Bundesregierung stehe im engen Austausch mit den Berliner Behörden.

Die Hintergründe des Anschlags sind noch nicht vollständig geklärt. Nach Informationen aus Sicherheitskreisen war der Tatverdächtige den Behörden bereits vor der Tat wegen islamistischer Aktivitäten bekannt. Es wird geprüft, ob es Verbindungen zu extremistischen Netzwerken gibt. Die Polizei durchsucht derzeit mehrere Objekte im Umfeld des Verdächtigen. Die Fahndung läuft auf Hochtouren, auch mit Unterstützung von Spezialeinheiten.

Der Anschlag auf den CSD hat bundesweit Betroffenheit ausgelöst. Zahlreiche Politiker und Organisationen verurteilten die Tat scharf. Vertreter der LGBTQ-Gemeinschaft riefen zu Zusammenhalt auf. In Berlin versammelten sich am Abend hunderte Menschen zu spontanen Mahnwachen, um ihrer Trauer und Wut Ausdruck zu verleihen. Die Polizei sicherte diese Versammlungen.

Die Ermittlungen konzentrieren sich nun auf die Frage, ob der Anschlag gezielt gegen die LGBTQ-Veranstaltung gerichtet war. Der CSD gilt traditionell als Symbol für Toleranz und Vielfalt. Ein solcher Angriff könnte nach Einschätzung von Sicherheitsexperten eine neue Qualität des islamistischen Terrors in Deutschland darstellen. Die Berliner Innenverwaltung kündigte eine Überprüfung der Sicherheitskonzepte für Großveranstaltungen an.

Die Opfer des Anschlags werden weiterhin in Krankenhäusern behandelt. Zu ihrem Zustand machten die Kliniken bislang keine detaillierten Angaben. Die getötete Frau war nach ersten Informationen Teilnehmerin des CSD-Umzugs. Ihr Name wurde von der Polizei noch nicht veröffentlicht, die Hinterbliebenen werden von psychologischen Notfallteams betreut.