Der südkoreanische Aktienmarkt hat am Dienstag einen weiteren schweren Rückschlag erlitten. Der Leitindex KOSPI stürzte um mehr als zehn Prozent ab, was einen automatischen Handelsstopp auslöste. Auslöser der Panik waren die jüngsten Quartalszahlen des Halbleiterkonzerns SK Hynix, die trotz eines Rekordumsatzes die hohen Erwartungen der Anleger nicht erfüllten.

SK Hynix, einer der weltweit führenden Hersteller von Speicherchips, hatte am Montag nach Börsenschluss seine Ergebnisse für das zweite Quartal vorgelegt. Zwar konnte das Unternehmen sowohl beim Umsatz als auch beim Betriebsgewinn neue Höchstwerte vermelden. Allerdings lagen die Zahlen unter den optimistischsten Prognosen der Analysten. Zudem machte das Management in einer Telefonkonferenz vage Aussagen zur künftigen Nachfrage, was bei vielen Investoren für Verunsicherung sorgte.

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Bereits am Montag waren Chipaktien in Asien unter Druck geraten, doch am Dienstag weitete sich der Ausverkauf dramatisch aus. Neben SK Hynix verloren auch andere Schwergewichte wie Samsung Electronics deutlich an Wert. Der KOSPI fiel zeitweise um 10,8 Prozent, den größten Tagesverlust seit der globalen Finanzkrise 2008. Die Börse in Seoul aktivierte daraufhin die Handelsunterbrechung, die bei einem Kurssturz von mehr als zehn Prozent greift.

Die Ursache für die extreme Reaktion liegt nach Ansicht von Marktexperten in der hohen Bewertung der Technologieaktien, insbesondere des Halbleitersektors. In den vergangenen Monaten waren die Kurse aufgrund des Booms der Künstlichen Intelligenz und der damit verbundenen Nachfrage nach Hochleistungschips stark gestiegen. Mit der Enttäuschung bei SK Hynix fürchteten viele Anleger nun, dass die Rally übertrieben gewesen sein könnte. Hinzu kam, dass gehebelte ETFs, die auf steigende Kurse setzen, die Verluste noch verstärkten. Solche Produkte müssen bei fallenden Kursen zwangsweise verkaufen, was den Abwärtsdruck erhöht.

Der Ausverkauf erfasste auch andere asiatische Börsen. Der japanische Nikkei-Index verlor mehr als drei Prozent, der taiwanische TAIEX gab um rund vier Prozent nach. Besonders stark betroffen waren auch in diesen Märkten die Chipwerte. Die Unsicherheit an den Finanzmärkten ist groß, zumal am Mittwoch die US-Notenbank ihre Zinsentscheidung bekannt geben wird. Eine unerwartet straffe Geldpolitik könnte die Stimmung weiter belasten.

Für den südkoreanischen Markt steht viel auf dem Spiel. Halbleiteraktien machen einen großen Teil des KOSPI aus und sind ein wichtiger Indikator für die gesamte Volkswirtschaft. Der Absturz von SK Hynix und der Handelsstopp sind ein deutliches Signal, dass die Anleger die Risiken im Technologiesektor neu bewerten. Beobachter rechnen mit einer erhöhten Volatilität in den kommenden Tagen, bis sich die Marktteilnehmer ein klareres Bild von der tatsächlichen Nachfrage nach KI-Chips und der weiteren Entwicklung machen können.