Die militärischen Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran haben eine neue Eskalationsstufe erreicht. In der siebten Nacht in Folge bombardierten US-Streitkräfte nach eigenen Angaben iranische Überwachungsanlagen, unterirdische Waffenlager und andere militärische Infrastruktur. Teheran reagierte umgehend mit Vergeltungsschlägen, die diesmal auch Ziele in Bahrain und Kuwait trafen. Die beiden Golfstaaten, die US-Militärstützpunkte beherbergen, gerieten damit erneut unter Beschuss. Zudem gab es Berichte über Explosionen in Saudi-Arabien und Jordanien.
Die iranischen Revolutionsgarden meldeten den Abschuss einer US-Drohne nahe der Stadt Buschehr und behaupteten, zwei Öltanker im Süden der Straße von Hormus stünden in Brand. Das US-Militärkommando Centcom wies diese Darstellung umgehend zurück und erklärte auf der Plattform X, die Behauptungen der Garden seien falsch. Unabhängig davon zeigen Daten des Anbieters Kpler, dass der Schiffsverkehr in der strategisch wichtigen Meerenge fast zum Erliegen gekommen ist. Am Donnerstag passierten lediglich acht Schiffe die Straße von Hormus – der niedrigste Wert seit drei Wochen.
Der Iran hatte zuvor angekündigt, die Straße von Hormus im Rahmen eines vor einem Monat unterzeichneten Rahmenabkommens wieder für die internationale Schifffahrt öffnen zu wollen. Teheran vertritt jedoch die Ansicht, dass ihm die Vereinbarung das Recht einräume, den Verkehr durch die Meerenge zu kontrollieren. Die iranische Führung fordert, dass Schiffe eine nördliche Route entlang der iranischen Küste nutzen. Mit erneuten Angriffen auf Schiffe will Teheran verhindern, dass die USA den Schiffsverkehr entlang der Küste Omans durch die Meerenge geleiten.
Die USA haben nach Informationen des „Wall Street Journal“ ihre Angriffe auf eine größere Bandbreite von Zielen im Iran ausgeweitet und verlegen Kampfflugzeuge aus Europa in den Nahen Osten. Das US-Nachrichtenportal „Axios“ berichtete unter Berufung auf US-amerikanische und israelische Regierungsbeamte, dass Washington Dutzende weitere Tankflugzeuge nach Israel entsende, um eine mögliche Ausweitung der Militäreinsätze vorzubereiten. Ziel der US-Strategie sei es, durch Angriffe auf Brücken und andere Ziele im Landesinneren den Druck im gesamten Iran zu erhöhen und ein Ende der iranischen Angriffe auf die Schifffahrt zu erzwingen.
Der Iran reagiert darauf mit umfassenderen Gegenangriffen. Der iranische Staatssender Irib meldete Detonationen in der Umgebung von Sirik nahe der Straße von Hormus sowie der Küstenstadt Bandar Abbas. Laut der Nachrichtenagentur Fars gab es zudem in der Provinz Hormusgan im Süden erneute Angriffe auf Brücken. Der regierungstreue Sender Press TV berichtete, dass dort mindestens drei Zivilisten getötet und acht weitere verletzt wurden. Irans Außenamtssprecher Ismail Baghai schrieb auf X, das iranische Volk sei jetzt noch entschlossener, seine Feinde die „verbrecherische Aggression bitter bereuen zu lassen“.
Experten zeigen sich zunehmend besorgt über die Dynamik des Konflikts. „Diese Eskalation verschärft sich rapide und gerät außer Kontrolle“, sagte Saeid Golkar, Experte für iranische Sicherheitsfragen an der University of Tennessee, dem „Wall Street Journal“. Es bestehe die Gefahr, „dass wir in einen totalen Krieg zurückfallen, auch wenn keine der beiden Seiten dies will“. Die Sorge vor einer Ausweitung des Konflikts wächst auch in der Region. Die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz im Jemen warnte Saudi-Arabien vor einer „Belagerung“. Man sei bereit, das Prinzip „Belagerung gegen Belagerung, Flughafen gegen Flughafen und Hafen gegen Hafen“ anzuwenden, zitierte die jemenitische Nachrichtenagentur Saba den Verteidigungsminister der Miliz, Mohammed al-Atafi.
Die Huthi-Miliz gilt als einer der wichtigsten nichtstaatlichen Verbündeten des Irans. Sollte es zu einer weiteren Eskalation kommen, könnte die Miliz erneut mit Drohungen und Angriffen am Eingang zum Roten Meer den Schiffsverkehr durch den Suezkanal zum Erliegen bringen. Dies hätte nicht nur schwerwiegende Folgen für den internationalen Handel, sondern könnte auch die ohnehin fragile regionale Sicherheitslage weiter destabilisieren. Pakistan warnte bereits vor einer überregionalen Eskalation, die weit über den Persischen Golf hinausreichen könnte.



