Nach der tödlichen Attacke auf Teilnehmer des Christopher Street Day (CSD) in Berlin hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Tat scharf verurteilt und als „Angriff auf unsere offene Gesellschaft“ bezeichnet. Ein 21-jähriger Tatverdächtiger mit mutmaßlich islamistischem Hintergrund wird seit Samstagabend mit einem Großaufgebot der Polizei gesucht. Bei der Todesfahrt im Berliner Tiergarten kam nach Angaben der Ermittler mindestens ein Mensch ums Leben, 16 weitere wurden verletzt, drei von ihnen lebensgefährlich.
Das weiße Tatfahrzeug, ein Kleinbus oder Minivan, war am Samstag gegen 22 Uhr in die Menschenmenge auf dem Gelände des CSD im Tiergarten gerast. Nach Polizeiangaben fuhr das Fahrzeug in den Ahornsteig und erfasste mehrere Feiernde, bevor es gegen einen Baum prallte. Danach flohen eine oder mehrere Personen aus dem Fahrzeug. Die Polizei warnt dringend davor, den Tatverdächtigen Abdul B. anzusprechen – er sei „möglicherweise bewaffnet und gefährlich“. Der 1,90 Meter große Mann mit schwarzen Haaren und schlanker Statur sei den Behörden als Angehöriger des islamistischen Milieus in Berlin bekannt.
Die Veranstalter brachen den CSD unmittelbar nach dem Vorfall ab und riefen die Besucher auf, nach Hause zu gehen. „Bitte geht nach Hause“, hieß es auf dem Instagram-Kanal der Organisatoren. Die Berliner Polizei sperrte das Gebiet weiträumig ab und setzte bei der Fahndung Hubschrauber mit Wärmebildkameras sowie mehrere hundert teils schwer bewaffnete Einsatzkräfte ein. Die Generalstaatsanwaltschaft geht wegen des „Verdachts eines Anschlags“ von einer islamistischen Tat aus. Neben dem einen Toten wurden acht Menschen schwer und fünf leicht verletzt, drei schweben in Lebensgefahr.
Das politische Echo auf die Bluttat war bundesweit groß. Bundespräsident Steinmeier zeigte sich tief erschüttert. Die Attacke auf friedlich feiernde Menschen sei ein Angriff auf die Werte der offenen Gesellschaft. Ähnlich äußerten sich Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU), der die Tat als „Angriff auf unsere freie und weltoffene Gesellschaft“ brandmarkte. Er schrieb im Onlinedienst X: „Nach einem friedlichen und bunten CSD wurde die Versammlung für ein tolerantes und friedliches Berlin auf brutalste Art attackiert.“ Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nannte die Tat „abscheulich“ und sprach von einem „Angriff auf unsere Gesellschaft“. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) sicherte den Berliner Behörden umfassende Unterstützung des Bundes zu und erklärte: „Diese feige, abscheuliche Attacke auf friedlich feiernde Menschen erschüttert mich zutiefst.“
Die Hintergründe der Tat sind noch unklar. Die Ermittler versuchen derzeit, das genaue Motiv des Tatverdächtigen zu rekonstruieren. Zudem prüfen sie, ob es weitere Beteiligte gibt. Ein Polizeisprecher sagte am späten Samstagabend, man habe noch keinerlei Hinweise auf konkrete Motivationshintergründe oder den genauen Ablauf der Tat. Die Fahndung nach Abdul B. läuft auf Hochdruck. Die Polizei bittet die Bevölkerung um Mithilfe und veröffentlichte ein Foto des Gesuchten. Zeugen, die Hinweise zu seinem Aufenthaltsort oder zu dem Tatfahrzeug geben können, werden gebeten, sich zu melden.
Der CSD in Berlin hatte ursprünglich am Samstag Hunderttausende Menschen aus aller Welt zu einer friedlichen Demonstration für Toleranz und Gleichberechtigung zusammengeführt. Die tödliche Attacke überschattet nun das traditionelle Pride-Wochenende. In der queeren Community herrscht Entsetzen und Trauer. Viele Regenbogenflaggen in der Stadt hängen auf halbmast. Der Vorfall erinnert an ähnliche islamistische Anschläge auf öffentliche Veranstaltungen in den vergangenen Jahren. Die Sicherheitsbehörden haben ihre Maßnahmen für künftige Großveranstaltungen angekündigt. Die Aufklärung des Falls hat für die Ermittler höchste Priorität.



