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Migrantische Gewerbetreibende in Magdeburg schließen ihre Läden aus Protest

Rund 150 Geschäfte in Magdeburg bleiben am Mittwoch für mehrere Stunden geschlossen. Die Inhaber mit Migrationsgeschichte protestieren damit gegen Rassismus und Ausgrenzung – und richten sich vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gezielt gegen die AfD.

Migrantische Gewerbetreibende in Magdeburg schließen ihre Läden aus Protest
Sachsen-Anhalt - Migranten in Magdeburg schließen ihre Geschäfte, um gegen Rassismus zu protestieren

In Magdeburg haben am Mittwoch zahlreiche Geschäfte mit migrantischen Inhabern für mehrere Stunden geschlossen. Mit der Aktion, die als „Migra-Streik“ bezeichnet wird, wollen die Gewerbetreibenden ein Zeichen gegen Rassismus und Ausgrenzung setzen. Nach Angaben der Organisatoren beteiligten sich rund 150 Läden, darunter Gastronomiebetriebe, Barbershops, Kioske und andere Geschäfte, insbesondere rund um den Hasselbachplatz. Auch einige deutsch geführte Läden kündigten an, sich dem Protest anzuschließen.

Die Aktion findet anderthalb Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt statt und richtet sich nach Angaben der Beteiligten ausdrücklich gegen die hohen Umfragewerte der AfD. Derzeit führt die vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestufte Partei in Umfragen mit deutlichem Abstand vor der regierenden CDU. Die Organisatoren appellieren an die Wähler, sich das Programm der AfD genau anzusehen. „Lasst euch nicht spalten in Ausländer und Deutsche, die Gesellschaft muss zusammenbleiben“, hieß es von den Veranstaltern.

Der Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt unterstützt die Protestaktion. Dessen Mitarbeiter Saeeid Saeeid betonte: „Uns ist wichtig: Niemand muss durch Arbeit oder wirtschaftliche Leistung beweisen, dass er oder sie zu dieser Gesellschaft gehört. Menschenwürde und gesellschaftliche Zugehörigkeit gelten für alle.“ Er sprach von einem „außergewöhnlichen Zusammenhalt innerhalb der migrantischen Community“. Die Gewerbetreibenden motivierten sich gegenseitig, schlössen sich zusammen und erhöben friedlich ihre Stimme gegen Rassismus und Ausgrenzung.

Die Mitorganisatorin, die als Sozialarbeiterin tätig ist, machte deutlich, dass es bei dem Protest nicht nur um die wirtschaftliche Bedeutung migrantischer Betriebe gehe. Man wolle darauf aufmerksam machen, was fehlte, wenn es diese Geschäfte nicht gäbe. Migranten hielten zudem die Pflege aufrecht, seien im medizinischen Bereich tätig, brächten Pakete und arbeiteten auf dem Bau und in der Industrie. „Wir wollen aber nicht nur als Arbeitskräfte gesehen werden, sondern als Menschen mit allen ihren Bedürfnissen“, sagte sie.

In den Schaufenstern der beteiligten Läden wiesen Plakate auf den „Migra-Streik“ hin. Zusätzlich war am Mittag eine Kundgebung vor dem Landtag in Magdeburg geplant. Die Aktion versteht sich als Weckruf an die Gesellschaft und als Appell für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. Die AfD hat angekündigt, die nächste Landesregierung stellen zu wollen.

Helena Beckmann

Autor

Kulturkorrespondentin

Helena Beckmann berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.