Kürbissaison in Baden-Württemberg beginnt ungewöhnlich früh
Die Kürbisernte in Baden-Württemberg startet in diesem Jahr deutlich früher als üblich. Der heiße Sommer hat Spuren hinterlassen: Sonnenbrand und geringere Erträge. Verbraucher können sich dennoch auf gute Qualität und eine große Sortenvielfalt freuen.
Die Kürbissaison in Baden-Württemberg hat begonnen, und sie kommt in diesem Jahr außergewöhnlich früh. Kürbisbauer Dennis Ruf hat die ersten Hokkaido bereits vor Tagen geerntet, die Haupternte steht unmittelbar bevor. Normalerweise beginnt die Ernte bei ihm erst Mitte September. Der heiße und trockene Sommer hat die Entwicklung der Pflanzen beschleunigt, aber auch sichtbare Spuren hinterlassen.
Das Jahr begann für die Kürbisse zunächst mit zu viel Wasser. „Das Frühjahr war fast schon zu nass“, berichtet der 35-Jährige. Auf manchen Flächen verfaulten Körner im Boden. Danach erholte sich die Entwicklung, bevor die große Trockenheit einsetzte. Die Kürbisse hätten diese „noch einigermaßen gut weggesteckt“, so Ruf. Ganz ohne Folgen blieb die Hitze jedoch nicht: Einige Hokkaido-Kürbisse bekamen Sonnenbrand und entwickelten helle Flecken. Werden betroffene Früchte nicht rechtzeitig aussortiert und eingelagert, können sie von innen faulen.
Auch bei der Menge macht sich die Trockenheit bemerkbar. Normalerweise trägt ein Hokkaido etwa vier bis fünf Früchte pro Pflanze, in diesem Jahr sind es teilweise nur zwei. Bei Zierkürbissen beobachtet Ruf ebenfalls geringere Mengen: Eine Pflanze bilde normalerweise etwa zehn bis 20 kleine Kürbisse, in diesem Jahr seien es teilweise nur acht. Die Ausgaben für die Landwirte stiegen von Jahr zu Jahr, während die Preise für Kürbisse weitgehend gleich blieben.
Für Verbraucher gibt es dennoch Grund zur Freude. Die Kürbisse seien geschmacklich gut, betont Ruf: „Es fehlt kein Aroma.“ Die Pflanzen werden Anfang Mai gesät und brauchen normalerweise etwa 90 bis 110 Tage bis zur Ernte. Je wärmer es ist, desto schneller entwickeln sie sich. Dass die Ernte immer früher beginnt, beobachtet Ruf seit Jahren. Das passe zur Nachfrage: Kunden wollten Speisekürbisse zunehmend früher kaufen.
Die Auswahl dürfte auch in diesem Jahr groß sein. Neben dem klassischen Hokkaido gibt es zunehmend Sorten wie Butternut, Spaghettikürbis oder kleine Ofen- und Mikrowellenkürbisse. Die Nachfrage nach Speisekürbissen steigt, sagt Ruf. Das belegen auch Zahlen der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) in Bonn: Der Pro-Kopf-Verbrauch von Speisekürbissen stieg allein in den letzten fünf Jahren um rund 20 Prozent. Demnach isst jeder Mensch in Deutschland rechnerisch mehr als ein Kilogramm Kürbis im Jahr – vor rund zehn Jahren waren es noch 750 Gramm. Die Zahl ist allerdings nur ein Durchschnittswert, der die gesamte Inlandsproduktion und Importe ins Verhältnis zur Einwohnerzahl setzt.
Die Anbaufläche von Speisekürbissen hat sich in Deutschland auf zuletzt rund 5.300 Hektar vergrößert, also 53 Quadratkilometer – ungefähr so groß wie die Fläche von Konstanz. Die Produktion konzentriert sich laut Deutschem Bauernverband auf Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Drei Viertel der deutschen Kürbisse wachsen in diesen vier Bundesländern.
Der Kürbis hat längst auch in Gastronomie und Kaffeekultur Karriere gemacht. Für viele beginnt der Herbst inzwischen nicht mehr mit buntem Laub, sondern mit dem ersten Pumpkin Spice Latte. Das Getränk aus Kaffee, Kürbissirup und einer Gewürzmischung aus Zimt, Ingwer und Nelken wurde zunächst in Nordamerika zum Kultgetränk und ist inzwischen auch in Deutschland fester Bestandteil der Herbstsaison. Auch in süßen Produkten wie Smoothies, Schokolade oder Bonbons findet sich Pumpkin Spice als Geschmacksrichtung. Botanisch zählen Kürbisse übrigens zu den Früchten, weil sie aus der Blüte entstehen und Samen tragen.
Jenseits von Küche und Landwirtschaft ist der Kürbis in Baden-Württemberg ein Herbstklassiker. Im Ludwigsburger Blühenden Barock hat die traditionelle Kürbisausstellung begonnen. Bis zum 1. November werden dort Tausende Kürbisse zu Figuren und Skulpturen arrangiert. Das diesjährige Motto lautet „Let's Play“: Zu sehen sind Motive aus Brett- und Kartenspielen ebenso wie aus digitalen Games, darunter Schach und Minecraft. Spätestens zu Halloween bekommt der Kürbis dann noch einmal einen großen Auftritt. Vor allem Schnitzkürbisse werden für Laternen und Dekorationen verwendet. „Auch bei den Schnitzkürbissen macht sich die Trockenheit bemerkbar“, sagt Ruf. Sie würden in diesem Jahr nicht die gewohnte Größe erreichen.
