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Darmstadt vergisst über zwei Jahrzehnte eine alte Germania-Statue

Mehr als 20 Jahre stand eine fast mannsgroße Germania-Statue in einer Darmstädter Werkstatt, nachdem die Stadt den Auftrag für eine Bronzekopie vergeben hatte. Nun einigte man sich auf die Zahlung der Lagerkosten, die Statue soll 2027 einen neuen Standort erhalten.

Darmstadt vergisst über zwei Jahrzehnte eine alte Germania-Statue
Kulturgut: Darmstadt vergisst über zwei Jahrzehnte eine alte Statue

Eine fast mannsgroße Germania-Statue ist in Darmstadt über zwei Jahrzehnte in Vergessenheit geraten. Die Stadt hatte 2003 den Auftrag für eine Bronzekopie erteilt, die auch angefertigt und im Stadtteil Eberstadt aufgestellt wurde. Doch das Original, das 1899 in Erinnerung an die Opfer des Deutsch-Französischen Krieges aufgestellt worden war, blieb seither in einer Werkstatt zurück. Nun hat die Stadt die Kehrtwende vollzogen und übernimmt die Lagerkosten.

Andreas Heimbrock von der Werkstatt SteinSign sagte der Deutschen Presse-Agentur, nach der Fertigstellung der Kopie sei die Kommunikation abgebrochen. „Dann kam nichts mehr, Kommunikation abgebrochen und ich hatte auch keinen Ansprechpartner.“ Die Statue mit wallendem Haar, Lorbeerkranz und der Hand am Schwert stand seither in der Werkstatt. Erst eine neue Denkmalpflegerin, die mit der Nachforschung über den Verbleib des Originals betraut war, entdeckte die Figur wieder. „Wenn die Denkmalpflegerin dem nicht nachgestiegen wäre, dann wäre die Figur nach wie vor verschollen“, sagte Heimbrock.

Bei einem Termin vor etwa einem Jahr sei auch eine Rechnung für die Lagerung angesprochen worden. Acht Euro pro Quadratmeter und Monat sollten für die Aufbewahrung gezahlt werden. Die Stadt habe zunächst abgewunken mit der Begründung „wir haben kein Geld“. Per E-Mail habe die Stadt zudem gedroht, den Fall gerichtlich klären zu lassen, falls die Figur nicht herausgegeben werde. Für den 68 Jahre alten Bildhauer und Steinmetz war das ein Ärgernis: „So will ich nicht mit mir umgegangen wissen.“

Jetzt kommt die Wende. Oberbürgermeister und Kulturdezernent Hanno Benz (SPD) habe mit Heimbrocks Kollegin Ruth Andres telefoniert und die Übernahme der Kosten zugesagt. Die Summe beläuft sich auf 2.627,52 Euro für 276 Monate Lagerzeit. „Wir danken Ruth Andres und Andreas Heimbrock, dass sie die Statue all die Jahre so sorgfältig behütet haben. Manchmal dauern die Dinge etwas länger“, teilte Benz mit. Die Statue soll nun 2027 einen neuen Standort im Eberstädter Rathaus erhalten.

Der Fall erinnert an ein ähnliches Ereignis in Frankfurt, wo vor einigen Wochen ein verloren geglaubtes Gemälde von Ursula Schultze-Bluhm wiederentdeckt wurde. Das Bild mit dem Namen „Schloss und Reich des Lira“ war Mitte der 60er-Jahre vom damaligen Kulturdezernenten erworben worden. Bei der Vorbereitung einer Ausstellung in Bern stellte das Kulturamt fest, dass das Werk nicht auffindbar war. Recherchen in städtischen Akten verwiesen schließlich auf die Albert-Schweitzer-Schule am Frankfurter Berg, wohin das Gemälde 1970 „ganz regulär“ ausgeliehen worden war. Kurator Martin Waldmeier sprach damals von einer „sehr schönen, überraschenden und erfreulichen Zusammenarbeit“ zur Wiederentdeckung des Bildes.

Florian Lorenz

Autor

Sportredakteur

Florian Lorenz berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.