Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hält an ihrem geldpolitischen Kurs fest und lässt den Leitzins ein weiteres Mal unverändert. Der zuständige Offenmarktausschuss stimmte mit neun zu drei Stimmen für eine erneute Zinspause. Damit bleibt die Spanne, in der sich der Leitzins bewegt, zum fünften Mal in Folge in diesem Jahr bei 3,5 bis 3,75 Prozent. Die drei abweichenden Mitglieder des Gremiums sprachen sich hingegen für eine Anhebung um 25 Basispunkte aus.
Dass die Entscheidung nicht einstimmig fiel, ist zwar im historischen Vergleich nicht ungewöhnlich, verdeutlicht aber die unterschiedliche Gewichtung der anhaltend hohen Teuerungsrate. Die Inflation in den Vereinigten Staaten lag im Juni bei 3,5 Prozent und damit weiterhin deutlich über dem von der Fed angestrebten Ziel von zwei Prozent. Zugleich war die Beschäftigungsentwicklung zuletzt merklich hinter den Erwartungen der Volkswirte zurückgeblieben.
Vor dem Hintergrund des anhaltenden Konflikts mit dem Iran hatten Ökonomen eine Zinssenkung praktisch ausgeschlossen. Höchstens eine Zinserhöhung erschien – wenn auch unwahrscheinlich – denkbar, um den Inflationsdruck zu bekämpfen. Die Fed verfolgt mit ihrem restriktiven Kurs das Ziel, die Teuerungsrate nachhaltig in den Griff zu bekommen.
Der neue Fed-Chef Warsh, der erst vor wenigen Wochen sein Amt angetreten hatte, zeigte sich angesichts der vergleichsweise hohen Inflation kämpferisch. «Die Mitglieder unseres Ausschusses tolerieren keine anhaltend hohe Inflation», sagte er Mitte Juli. Warsh gilt als sogenannter Inflation Hawk, der eine eher straffere Geldpolitik befürwortet. Um den Ursachen der anhaltenden Preissteigerungen auf den Grund zu gehen, kündigte er zudem die Einrichtung einer Sondereinheit an.
Die Fed steht vor der Herausforderung, die Inflation zu dämpfen, ohne die wirtschaftliche Erholung zu gefährden. Die jüngsten Daten zur Beschäftigung fielen schwächer aus als erwartet, was auf eine nachlassende Dynamik am Arbeitsmarkt hindeuten könnte. Gleichzeitig bleibt der Preisdruck in einigen Sektoren wie Dienstleistungen und Wohnen hoch. Die Notenbanker sind sich der Risiken bewusst, die von einer zu restriktiven Geldpolitik ausgehen können, falls die Konjunktur an Fahrt verliert.
Die Entscheidung des Offenmarktausschusses wurde von den Finanzmärkten weitgehend erwartet. Anleger und Analysten richten ihr Augenmerk nun auf die weiteren Signale der Fed für die zweite Jahreshälfte. In den kommenden Monaten dürften die Inflationsdaten und die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt maßgeblich darüber entscheiden, ob die Notenbank ihren Leitzins doch noch anhebt oder eine erste Lockerung in Betracht zieht. Zunächst bleibt die Geldpolitik jedoch auf Stabilitätskurs, während die Amerikaner weiter unter den gestiegenen Lebenshaltungskosten leiden.



