Der britische Energiekonzern Shell hat im zweiten Quartal 2026 einen deutlichen Gewinnsprung verzeichnet. Das um Sonderposten bereinigte Ergebnis stieg im Vergleich zum Vorquartal um 42 Prozent auf 9,8 Milliarden US-Dollar (rund 8,6 Milliarden Euro), wie das Unternehmen am Donnerstag in London mitteilte. Damit übertraf Shell die Erwartungen vieler Analysten, die im Schnitt mit einem niedrigeren Gewinn gerechnet hatten.

Haupttreiber des Gewinnanstiegs waren die infolge des Iran-Kriegs stark gestiegenen Öl- und Gaspreise. Trotz Produktionsausfällen im Nahen Osten konnte Shell von den hohen Energiepreisen profitieren. Besonders das Gasgeschäft, die Förderung sowie die Chemiesparte trugen maßgeblich zum Zuwachs bei. Die anhaltende geopolitische Spannung in der Region treibt die Rohstoffpreise weiter in die Höhe und beschert den Ölmultis satte Gewinne.

Angesichts der positiven Entwicklung kündigte Shell ein weiteres Aktienrückkaufprogramm über mindestens drei Milliarden US-Dollar an. Damit setzt der Konzern seine Politik fort, einen Teil der Überschüsse direkt an die Aktionäre zurückzugeben. Shell hatte bereits in den Vorquartalen umfangreiche Rückkäufe durchgeführt. Die Ankündigung wurde an den Finanzmärkten positiv aufgenommen.

Die Bereinigung um Sonderposten ermöglicht einen genaueren Blick auf das operative Geschäft. Im zweiten Quartal fielen unter anderem Abschreibungen und einmalige Belastungen an, die den ausgewiesenen Nettogewinn drückten. Das bereinigte Ergebnis zeigt jedoch die starke operative Performance des Konzerns. Analysten hatten im Schnitt mit einem Gewinn von etwa 8,5 Milliarden Dollar gerechnet, was Shell übertraf.

Shell-Chef Wael Sawan zeigte sich zufrieden mit den Quartalszahlen. In einer Mitteilung betonte er, dass der Konzern trotz des herausfordernden geopolitischen Umfelds solide Ergebnisse erzielt habe. Man bleibe fokussiert auf die strategischen Prioritäten, zu denen neben der Öl- und Gasförderung auch Investitionen in erneuerbare Energien gehören. Allerdings steht Shell aufgrund der hohen Gewinne in Zeiten hoher Energiepreise auch in der Kritik von Verbraucherschützern und Politikern, die höhere Belastungen für Haushalte beklagen.

Die Entwicklung bei Shell ist Teil eines branchenweiten Trends. Auch andere große Ölkonzerne wie BP oder TotalEnergies haben zuletzt von den gestiegenen Rohstoffpreisen profitiert. Experten gehen davon aus, dass die hohen Energiepreise noch mindestens bis zum Jahresende anhalten könnten, sofern sich die geopolitische Lage im Nahen Osten nicht entspannt. Shell selbst rechnet für das dritte Quartal mit weiterhin starken Margen im Gas- und Ölgeschäft, warnt aber vor möglichen Produktionsausfällen aufgrund von Wartungsarbeiten.

Die Anleger reagierten positiv auf die Nachrichten. Die Shell-Aktie legte im frühen Handel in London um rund zwei Prozent zu. Der Aktienrückkauf und die starken Zahlen stärkten das Vertrauen in die Dividendenpolitik des Konzerns.