Merz und Rehlinger loben Umbau der Saar-Stahlindustrie zu grünem Stahl
Bundeskanzler Merz und Ministerpräsidentin Rehlinger besuchen die Dillinger Hütte und würdigen den Umbau der saarländischen Stahlindustrie hin zu klimafreundlicher Produktion. Das 4,6-Milliarden-Euro-Projekt soll die CO2-Emissionen deutlich senken, steht aber vor Herausforderungen bei Kosten und Wasserstoffverfügbarkeit.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat den Umbau der Stahlindustrie im Saarland hin zur Produktion von klimafreundlichem «grünem Stahl» als ermutigendes Signal für den Industriestandort Deutschland gewürdigt. Bei einem Besuch der Dillinger Hütte sagte Merz, die Transformation mache «Mut für Deutschland». Wenn Deutschland Industrieland bleiben wolle, brauche es eine eigene Stahlerzeugung. «Wir können diese Grundstoffindustrien klimafreundlich modernisieren und wir können sie so auch wettbewerbsfähig halten», so der Kanzler.
Die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) bezeichnete den Umbau der Saar-Stahlindustrie als «Musterbeispiel von Transformation». Das Saarland spiele dabei eine Führungsrolle. Im Mittelpunkt steht der Wechsel von Kohle zu Wasserstoff: Statt Koks und Kohle soll Wasserstoff zum Einsatz kommen, der aus erneuerbaren Energien gewonnen wird. In sogenannten Direktreduktionsanlagen ersetzt Wasserstoff die klassischen Hochöfen, um dem Eisenerz Sauerstoff zu entziehen. Wenn dabei kein klimaschädliches Kohlendioxid anfällt, gilt der Stahl als «grün».
Die Transformation an der Saar kostet rund 4,6 Milliarden Euro. Bund und Land fördern das Vorhaben mit 2,6 Milliarden Euro, den Rest tragen die Unternehmen selbst. Nach Angaben der Stahl-Holding-Saar (SHS) liegt das Projekt «aktuell im Zeitplan». Auf den Baufeldern in Völklingen und Dillingen sei viel in Bewegung: «Erste Bauwerke sind fertiggestellt und der Hochbau hat begonnen.» Die Inbetriebnahme ist für 2028/29 geplant. Die neuen Anlagen sollen die CO2-Emissionen bis Anfang der 2030er Jahre um bis zu 55 Prozent senken – das entspricht 4,8 Millionen Tonnen pro Jahr. 2045 soll CO2-Neutralität erreicht werden. Zunächst wird Erdgas genutzt, später Wasserstoff.
SHS-Vorsitzender Stefan Rauber sprach vom größten Dekarbonisierungsprojekt in Europa. «Es beginnt das Zeitalter der CO2-reduzierten Stahlerzeugung», sagte er. Allerdings ist Wasserstoff derzeit deutlich teurer als fossile Alternativen. Experten erwarten, dass die Kosten sinken, aber auch 2030 dürfte grüner Wasserstoff mindestens doppelt so teuer sein wie grauer Wasserstoff aus Erdgas. Grüner Stahl ist daher deutlich teurer als konventionell hergestellter Stahl. Selbst mit staatlicher Förderung wird die Wirtschaftlichkeit einer CO2-reduzierten Stahlproduktion von Experten infrage gestellt. Zudem ist grüner Wasserstoff derzeit nicht ausreichend vorhanden.
Im Saarland hat im August der Bau einer Wasserstoffpipeline zwischen Dillingen und Leidingen an der französischen Grenze begonnen. Der Standort soll an das grenzüberschreitende Wasserstoffnetz «mosaHYc» angebunden werden. Ab 2029 wird die Dillinger Hütte dann mit jährlich 6.000 Tonnen Wasserstoff beliefert. Zudem werde Dillingen 2032/2033 an das deutsche Wasserstoff-Kernnetz angeschlossen, teilt die SHS mit.
Eine weitere Hürde für die deutsche Stahlbranche sind Importe von billigem Stahl aus dem außereuropäischen Ausland, der häufig unter weniger strengen Umweltauflagen produziert wird. Die EU-Kommission hat zum Schutz der heimischen Stahlindustrie mit Wirkung vom 1. Juli eine Verordnung erlassen, um den europäischen Stahlmarkt vor Billigstahl-Importen zu schützen. Damit sollen diese Importe begrenzt und teilweise verteuert werden. Rauber forderte international wettbewerbsfähige Energiepreise und Arbeitskosten. Dringend benötigt würden auch «grüne Leitmärkte»: Diese sollen mit öffentlichen Aufträgen die Nachfrage nach CO2-reduziertem Stahl fördern, etwa beim Bau im Schienennetz.
Merz lobte zudem, dass sich die Stahl-Holding-Saar an dem deutschen Startup «Y-SIC» beteiligt hat. Das Unternehmen hat ein patentiertes Verfahren für die Produktion von hochreinem Siliziumkarbid entwickelt, das vor allem von der Halbleiterindustrie benötigt wird. Schon im nächsten Jahr soll dieser Stoff in Dillingen produziert werden. Dies sei «ein weiterer Beleg für eine Erkenntnis, die uns allen Mut machen sollte: Die Transformation unserer Wirtschaft findet heute statt, während viele noch überlegen oder gar zweifeln, ob sie überhaupt gelingen kann», sagte Merz.
6
