Jeder zweite Erwachsene scheitert beim bargeldlosen Bezahlen
Eine YouGov-Umfrage im Auftrag des Genoverbands zeigt: 56 Prozent der Erwachsenen in Deutschland konnten 2025 mindestens einmal nicht wie gewünscht bargeldlos zahlen. Bundesfinanzminister Klingbeil plant eine Akzeptanzpflicht für Karten und Smartphone-Zahlungen.
Mehr als jeder zweite Erwachsene in Deutschland hat in diesem Jahr mindestens einmal nicht wie gewünscht bargeldlos bezahlen können. Das geht aus einer repräsentativen YouGov-Umfrage im Auftrag des Genoverbands hervor, für die im August 1.534 Erwachsene befragt wurden. Der Anteil liegt bei 56 Prozent und damit deutlich höher als 2021, als er 45 Prozent betrug. Die meisten Betroffenen berichten von zwei bis fünf Fällen im laufenden Jahr.
Die Ergebnisse treffen auf eine politische Debatte über die Zukunft des Bezahlens. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) will Geschäfte und Restaurants verpflichten, künftig zusätzlich zum Bargeld auch digitale Zahlungen mit Karte oder Handy zu akzeptieren. Die Eckpunkte für eine solche Regelung befinden sich in der Abstimmung. Ziel des Finanzministeriums ist, dass ein Gesetzentwurf noch in diesem Jahr im Kabinett beschlossen und dann 2027 umgesetzt wird.
Für den Staat hat digitales Bezahlen Vorteile: Weil solche Zahlungen immer dokumentiert werden, werden Steuerhinterziehung und Geldwäsche erschwert. Unter den Vorständen der Volksbanken im Verbandsgebiet des Genoverbandes, das alle Bundesländer außer Bayern und Baden-Württemberg umfasst, findet eine Akzeptanzpflicht von Kartenzahlungen und digitalen Zahlungen mehrheitliche Zustimmung. Gut drei Viertel (77 Prozent) von 196 befragten Vorständen befürworten dies. Zugleich sind fast die Hälfte (49 Prozent) dafür, dass Bargeld bis zu einer bestimmten Höchstgrenze verpflichtend angenommen werden muss.
Der Vorstandsvorsitzende des Genoverbands, Michael Hoeck, argumentiert: «Das Smartphone und die Karte werden zunehmend zum Dreh- und Angelpunkt für Bankgeschäfte und Zahlungsverkehr – gleichzeitig bleibt es den Menschen aber auch wichtig, die Option einer Barzahlung zu haben.» Ziel der Volks- und Raiffeisenbanken sei es, ihren Kundinnen und Kunden Wahlfreiheit zu bieten.
Die Umfrage zeigt auch, wie Verbraucherinnen und Verbraucher die Zukunft des Bargelds einschätzen. Vier von zehn Befragten gehen davon aus, dass ihre persönliche Bargeldnutzung in den kommenden Jahren abnehmen wird – 20 Prozent deutlich, 21 Prozent zumindest etwas. Dass sie häufiger mit Schein und Münze zahlen werden, erwarten nur 6 Prozent. Passend dazu sagen 49 Prozent der Umfrageteilnehmer, unter Jüngeren mit noch größerem Anteil, sie würden gerne häufiger mit Karte oder Smartphone bezahlen, wenn es mehr Möglichkeiten dafür gäbe, sie zugleich an der Ladenkasse Bargeld abheben könnten oder sie einen besseren Überblick hätten, wo bargeldloses Bezahlen möglich ist.
Die Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist deutlich: Obwohl die Mehrheit der Verbraucher digitales Bezahlen nutzen möchte, scheitert sie immer wieder an fehlender Akzeptanz oder unzureichender Infrastruktur. Die geplante gesetzliche Regelung soll diese Lücke schließen und den bargeldlosen Zahlungsverkehr flächendeckend ermöglichen. Ob der Zeitplan bis 2027 eingehalten werden kann, hängt von der Abstimmung innerhalb der Bundesregierung und den weiteren Beratungen im Kabinett ab.
7
