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Ifo: Chemiebranche erholt sich – aber Erholung bleibt fragil

Das Ifo-Geschäftsklima für die deutsche Chemieindustrie ist im September zum zweiten Mal in Folge gestiegen und liegt nun bei +5,5 Punkten. Die Erholung wird von Exporten und Staatsausgaben getragen, doch hohe Kosten und Standortnachteile belasten die Branche weiter.

Ifo: Chemiebranche erholt sich – aber Erholung bleibt fragil
Konjunktur: Ifo: Geschäftsklima in Chemiebranche hellt sich deutlich auf

Die Stimmung in der deutschen Chemieindustrie hellt sich weiter auf. Das Ifo-Geschäftsklima für die Branche stieg im September zum zweiten Mal in Folge und verbesserte sich deutlich auf +5,5 Punkte, nach -2,6 Punkten im August. Das teilte das Münchner Ifo-Institut mit. Die Unternehmen in der drittgrößten deutschen Industriebranche nach dem Auto- und Maschinenbau schätzten ihre Geschäftslage mit +8,8 Punkten erneut positiv ein. Auch die Geschäftserwartungen hellten sich spürbar auf: von -15,0 auf +2,3 Punkte.

„Kunden im In- und Ausland stocken ihre Lager weiter auf und nehmen dafür höhere Preise in Kauf“, sagte Ifo-Branchenexpertin Anna Wolf. Getragen wird die Erholung laut Ifo von den Exporten und Aufträgen aus dem verarbeitenden Gewerbe. Auch die höheren Staatsausgaben für Verteidigung und Infrastruktur stützen über die Vorleistungskäufe die Chemie.

Doch das Ifo warnt vor einer fragilen Erholung. Der Auftragsbestand werde weiter als sehr niedrig eingeschätzt, und angesichts hoher Kosten bleibe die Ertragslage angespannt. „Die Erholung ist fragil, da die verbesserte preisliche Wettbewerbsfähigkeit auf temporären Faktoren, darunter Produktionsausfällen und Lieferkettenstörungen in der Golfregion, beruht“, sagte Wolf. „Die Standortnachteile bleiben, der Stellenabbau geht weiter.“

Die Chemieindustrie hat in den vergangenen Monaten vom Iran-Krieg profitiert. Mit dem Konflikt kam es zu Lieferausfällen aus dem Nahen Osten und dem besonders betroffenen Asien. So verlagerte sich die Nachfrage nach Chemie-Produkten zu deutschen und europäischen Herstellern, die teils die Preise erhöhen konnten. Konzerne wie BASF und Evonik hoben ihre Gewinnprognosen an. Der Branchenverband VCI sieht aber noch keine nachhaltige Erholung.

Die Chemiebranche ist ein wichtiger Indikator für die deutsche Wirtschaft insgesamt. Sie liefert Vorprodukte für viele andere Industriezweige, von der Automobilindustrie bis zum Baugewerbe. Eine nachhaltige Erholung der Chemie würde daher auch auf eine breitere konjunkturelle Belebung hindeuten. Allerdings bleiben die strukturellen Herausforderungen bestehen: hohe Energiekosten, Fachkräftemangel und der internationale Wettbewerbsdruck setzen die Branche weiter unter Druck.

Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass die deutsche Chemieindustrie von kurzfristigen Faktoren profitiert, aber noch keinen stabilen Aufschwung erreicht hat. Ob sich der positive Trend fortsetzt, hängt maßgeblich von der weiteren Entwicklung der globalen Lieferketten und der Nachfrage aus dem Ausland ab. Das Ifo-Institut betont, dass die verbesserte Wettbewerbsfähigkeit nicht von Dauer sein muss, solange die Standortbedingungen in Deutschland nicht nachhaltig verbessert werden.

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Helena Beckmann

Autor

Kulturkorrespondentin

Helena Beckmann berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.