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Galeria stellt vierten Insolvenzantrag innerhalb von sechs Jahren

Die Warenhauskette Galeria hat beim Amtsgericht Düsseldorf erneut die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Der Geschäftsbetrieb in den 83 Filialen soll zunächst weiterlaufen, doch die rund 12.000 Beschäftigten bangen um ihre Arbeitsplätze. Ob Insolvenzgeld gezahlt wird und welche Standorte schließen müssen, ist offen.

Galeria stellt vierten Insolvenzantrag innerhalb von sechs Jahren
Einzelhandel: Galeria stellt abermals Insolvenzantrag

Die Warenhauskette Galeria hat beim Amtsgericht Düsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Es ist der vierte Insolvenzantrag innerhalb von sechs Jahren. Der Geschäftsbetrieb in den 83 Filialen soll vorerst weiterlaufen, wie das Unternehmen mitteilte. Der Antrag schaffe den rechtlichen Rahmen, um die aktuelle Situation zu ordnen, das Unternehmen zu stabilisieren und die Voraussetzungen für eine nachhaltige Zukunft zu schaffen, hieß es in einer Mitteilung. Zu den Hintergründen machte Galeria zunächst keine weiteren Angaben.

Die rund 12.000 Beschäftigten müssen nun um ihre Arbeitsplätze bangen. Ob sie Insolvenzgeld erhalten und ob beziehungsweise welche Standorte schließen müssen, ist bislang unklar. Die bislang letzte Insolvenz liegt erst gut zweieinhalb Jahre zurück. Damals hatte das Unternehmen, noch unter dem Namen Galeria Karstadt Kaufhof, den letzten Antrag gestellt. Vorausgegangen war die Schieflage des damaligen Mutterkonzerns Signa. Im Zuge jenes Verfahrens mussten neun der damals 92 Warenhäuser schließen. Die Gläubiger verzichteten auf Milliardenforderungen, um der Kette den Weg aus der Krise zu ermöglichen.

Seit Sommer 2024 gehört Galeria der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz. Die Namen Kaufhof und Karstadt verschwanden aus dem Firmennamen, der Sitz wurde von Essen nach Düsseldorf verlegt. Knapp zwei Jahre später geriet die Kette erneut in die Negativschlagzeilen: Im April 2026 beklagten mehrere Vermieter ausbleibende Mietzahlungen. Die Geschäftsführung verwies auf Liquiditätsschwankungen und räumte ein, Vermieter um eine Stundung gebeten zu haben. Erst im Juni erhielt die Warenhauskette eine neue Kreditfinanzierung von bis zu 160 Millionen Euro. Das Geld dient unter anderem dazu, einen laufenden Kredit abzulösen und offene Mietzahlungen zu begleichen. Die Kreditlinie stellt die US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers bereit. Sie ist durch die Ware von Galeria abgesichert und an einen auf drei Jahre angelegten Sanierungsplan geknüpft, der weitere Schließungen vorsieht.

Im Juli kündigte Galeria an, 33 Warenhäuser auf den Prüfstand zu stellen und mit Vermietern über Mietkonditionen zu verhandeln. Ohne tragfähige Lösungen sei die Fortführung der jeweiligen Filiale gefährdet, hieß es. Alle Warenhäuser müssten nachhaltig profitabel wirtschaften. Eine Entscheidung über die Zukunft der Filialen stand zuletzt noch aus. Der erneute Insolvenzantrag dürfte diese Entscheidung nun beschleunigen.

Die wirtschaftliche Lage des Unternehmens hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert. Nach Angaben des Handelsforschungsinstituts EHI erzielte Galeria Karstadt Kaufhof 2019 mit 174 Filialen einen Nettoumsatz von 4,5 Milliarden Euro. Sechs Jahre später setzte Galeria mit weniger als der Hälfte der Standorte nur noch 2 Milliarden Euro um. Die Bedeutung von Kauf- und Warenhäusern im Einzelhandel ist stark gesunken. Ihre Marktanteile sanken laut EHI seit 2020 von 4,2 Prozent auf zuletzt 1,2 Prozent. In diesen Zahlen sind neben Galeria unter anderem die Handelsketten Müller und Woolworth enthalten. Zwar gibt es noch kleinere Anbieter wie Breuninger, die KaDeWe-Gruppe und das Kaufhaus Stolz. Ein Aus für Galeria würde jedoch zugleich das Ende der Ära klassischer Warenhäuser markieren.

Der Einzelhandel in Deutschland steht wegen der schwachen Konsumstimmung und des wachsenden Onlinehandels unter Druck. Nach Angaben des Kreditversicherers Allianz Trade hat die Zahl der Insolvenzen im Einzelhandel ein Zehnjahreshoch erreicht. Zwischen Juni 2025 und Mai 2026 meldeten demnach gut 2.600 Einzelhändler Insolvenz an. Zuletzt kamen weitere prominente Fälle hinzu: Die Non-Food-Discounter Kodi und Mäc Geiz schließen zahlreiche Filialen, die Deko-Kette Depot stellt ihren Geschäftsbetrieb ein, und die Baumarktkette Hellweg wird abgewickelt, wobei etliche Filialen von anderen Händlern weiterbetrieben werden. In den vergangenen Jahren haben bundesweit zehntausende Geschäfte für immer geschlossen, nicht nur infolge von Insolvenzen. Laut einer Prognose des Handelsverbands Deutschland dürfte die Zahl der Geschäfte in diesem Jahr auf unter 300.000 sinken. Ende 2015 waren es noch etwa 372.000.

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Greta Kaufmann

Autor

Gesellschaftsreporterin

Greta Kaufmann berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.