Der englische Fußball trauert um eine seiner größten Legenden: Kevin Keegan ist im Alter von 75 Jahren gestorben. Wie seine Familie in einer Erklärung mitteilte, erlag der frühere Nationalspieler und -trainer seiner Krebserkrankung. Keegan, der 1978 und 1979 den Ballon d'Or gewann, war Anfang des Jahres mit der Diagnose Krebs im vierten Stadium an die Öffentlichkeit getreten. In seinen letzten Augenblicken sei er von seiner Frau Jean und seinen beiden Töchtern umgeben gewesen, hieß es in der Mitteilung.
Die Familie bedankte sich bei Kevins medizinischem Team für die Unterstützung und bat um Respekt und Privatsphäre in dieser schweren Zeit. Keegan hinterlässt neben seiner Frau und den Töchtern auch Enkelkinder. Die Nachricht von seinem Tod löste im englischen und deutschen Fußball große Bestürzung aus.
Keegan begann seine Spielerkarriere beim FC Liverpool, für den er von 1971 bis 1977 auflief. Mit den Reds gewann er drei englische Meisterschaften, zweimal den UEFA-Cup, den FA Cup und 1977 den Europapokal der Landesmeister. In 323 Partien erzielte er 100 Tore für den Verein von der Anfield Road. Sein Wechsel zum Hamburger SV im Jahr 1977 war damals eine kleine Sensation für die Bundesliga und bewies, dass Keegan auch fernab der Insel erfolgreich sein konnte.
Für den HSV trug Keegan von 1977 bis 1980 das Trikot und gewann 1979 die deutsche Meisterschaft. Zudem stand er mit dem Club im Finale des Landesmeisterpokals. In dieser Zeit wurde er zweimal in Folge mit dem Ballon d'Or als Europas Fußballer des Jahres ausgezeichnet. Nach seiner Zeit in Hamburg spielte er noch für Southampton und Newcastle United, wo er in 85 Spielen 49 Tore erzielte.
1992 kehrte Keegan als Trainer zu Newcastle United zurück, das damals am Abgrund stand. Er hielt den Verein in der zweiten Liga, führte ihn eine Saison später in die Premier League und spielte in der Saison 1995/96 plötzlich um den Titel mit. Newcastle lag zwischenzeitlich zwölf Punkte vor Manchester United, wurde am Ende aber mit vier Punkten Rückstand Zweiter. Später trainierte er Fulham und übernahm von 1999 bis 2000 das Amt des englischen Nationaltrainers. Sein Rücktritt erfolgte wenige Minuten nach einer 0:1-Niederlage gegen Deutschland im letzten Spiel im alten Wembley-Stadion.
Die Reaktionen auf Keegans Tod ließen nicht lange auf sich warten. Newcastle United erklärte, man habe eine der prägendsten und meistgeliebten Figuren der Vereinsgeschichte verloren. Keegan sei mehr als ein Fußballer und Trainer gewesen, er sei über Generationen hinweg «das schlagende Herz» des Klubs gewesen. Seine Bindung an den Nordosten Englands, verwurzelt in der Herkunft seines Vaters Joe, sei echt und unerschütterlich gewesen. Der Klub schloss mit den Worten: «Rest in Peace, King Kev».
Der ehemalige englische Nationalstürmer Alan Shearer kondolierte mit den Worten: «Mein Held. Mein Trainer. Mein Freund. Ruhe in Frieden, Boss.» Auch der HSV würdigte seinen ehemaligen Star. Keegan bleibt in Hamburg unvergessen, wo er mit seiner Spielweise und seinen Erfolgen die Herzen der Fans eroberte. Der deutsche Fußball verliert mit ihm einen Ausnahmesportler, der die Bundesliga in den späten 1970er Jahren international bekannt machte.
Kevin Keegan war nicht nur ein herausragender Spieler, sondern auch eine Persönlichkeit, die den Fußball über Generationen hinweg prägte. Sein Tod im Alter von 75 Jahren hinterlässt eine große Lücke im englischen und deutschen Fußball. Die Fußballwelt gedenkt eines Mannes, der als Spieler und Trainer Maßstäbe setzte und dessen Vermächtnis fortbestehen wird.



