FBI macht Nordkorea für Milliardenraub bei Binance verantwortlich
Die US-Bundespolizei FBI hat die Hackergruppe TraderTraitor für einen Angriff auf die Kryptobörse Binance verantwortlich gemacht, bei dem Vermögenswerte im Wert von rund 6,3 Milliarden Dollar betroffen waren. Die Ermittler sehen eine Verbindung zu Nordkorea.
Der nach Erkenntnissen der US-Bundespolizei FBI bislang größte Diebstahl von Kryptowährungen wird Nordkorea zugeschrieben. Nordkoreanische Hacker hätten bei einem Angriff auf die weltgrößte Kryptobörse Binance mehr als sechs Milliarden Dollar erbeutet, teilte die Behörde am Samstagabend (Ortszeit) mit. Das FBI macht die Hackergruppe TraderTraitor für den Angriff verantwortlich.
Wie die Bundespolizei erklärte, beobachteten die Ermittler, wie die Täter die Beute vor allem in Ether (ETH), der Kryptowährung des Ethereum-Netzwerks, umtauschten. Anschließend dürften die Vermögenswerte über dezentrale Finanzdienste und Plattformen zum schnellen Tausch von Kryptowährungen weiter verschleiert werden. Um die Geldwäsche zu unterbinden, veröffentlichte das FBI eine Liste mit rund 500 Adressen im Ethereum-Netzwerk, die TraderTraitor nach den Erkenntnissen der Behörde dafür nutzt. Kryptobörsen und andere Dienstleister der Branche wurden aufgefordert, Transaktionen mit diesen Adressen oder mit daraus stammenden Vermögenswerten zu blockieren.
Binance hatte den Hackerangriff am Donnerstag bekanntgegeben. Nach Angaben der nach Handelsvolumen weltgrößten Kryptobörse waren Vermögenswerte im Wert von 6,3 Milliarden Dollar (5,6 Milliarden Euro) betroffen. Am Samstag erklärte das Unternehmen, mit eigenen Mitteln bereits Ersatz für 90 Prozent der gestohlenen Kryptowerte beschafft zu haben. «Unsere Zusage bleibt unverändert: Binance wird die finanziellen Folgen der bei diesem Vorfall gestohlenen Vermögenswerte vollständig übernehmen», hieß es im Onlinedienst X. Insgesamt seien mehr als 6,34 Milliarden Dollar zur Deckung der Verluste bereitgestellt worden. Für die verbleibenden zehn Prozent werde mehr Zeit benötigt, weil diese digitalen Vermögenswerte weniger leicht verfügbar seien.
Nach dem Angriff hatte Binance Auszahlungen zunächst ausgesetzt, die nach Unternehmensangaben voraussichtlich am Sonntag wieder möglich sein sollten. Zuvor hatte die Plattform erklärt, Partner hätten rund drei Milliarden Dollar an Kryptovermögen eingefroren, um den Diebstahl einzudämmen. Binance zählt nach eigenen Angaben 335 Millionen Nutzer und sprach von einem «komplexen Angriff» mit mehreren Einfallstoren. Nach früheren Unternehmensangaben könnte die Attacke über den Laptop eines IT-Mitarbeiters erfolgt sein. Hinweise auf den Diebstahl privater Schlüssel für Krypto-Konten lagen bislang nicht vor.
Bereits vor der Erklärung des FBI hatte die Analysefirma TRM Labs die Gruppe TraderTraitor verdächtigt. US-Präsident Donald Trump hatte am Freitag erklärt, Washington prüfe eine Beteiligung Nordkoreas. TraderTraitor wird dem Hackernetzwerk Lazarus zugerechnet, das mit nordkoreanischen Geheimdiensten in Verbindung gebracht wird. Lazarus wurde 2014 durch den mutmaßlichen Angriff auf das Filmstudio Sony Pictures bekannt. Der Gruppe wird außerdem der Diebstahl von 1,5 Milliarden Dollar bei der Kryptobörse Bybit im Februar 2025 zugeschrieben.
Nordkorea steht wegen seines Atom- und Raketenprogramms unter weitreichenden internationalen Sanktionen. Laut einem Bericht der US-Armee aus dem Jahr 2020 zählt die nordkoreanische Cyberkriegseinheit «Büro 121» rund 6000 Beschäftigte, die teilweise vom Ausland aus operieren. Nach Bekanntwerden des Binance-Angriffs gaben die Kurse nach: Bitcoin verlor fast fünf Prozent, Ether knapp sechs Prozent und die Binance-Währung BNB fast zehn Prozent.
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