Die Europäische Union verschärft die Aufnahmebedingungen für ukrainische Männer im wehrfähigen Alter. Wie ein Sprecher des EU-Rates mitteilte, profitieren künftig nur noch jene von vereinfachten Regeln, die ihren Wehrdienst in der Ukraine bereits absolviert haben oder von der Mobilisierung freigestellt sind. Wer hingegen in der Ukraine einem Ausreiseverbot unterliegt, soll es in der EU deutlich schwerer haben, Schutz zu bekommen.
Hintergrund der Entscheidung ist der große Bedarf der Ukraine an Soldaten. Präsident Wolodymyr Selenskyj zufolge mobilisiert das Land monatlich bis zu 34.000 Mann. Dennoch kann die Armee ihre Verluste kaum ausgleichen, da die Zahl der Fahnenflüchtigen hoch ist. Nach früheren Angaben des ehemaligen Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow wird in der Ukraine nach mehr als zwei Millionen Wehrpflichtigen gefahndet. Die EU-Kommission folgte mit der Verschärfung vor allem einer Bitte aus Kiew. Das Thema sei ausführlich mit der ukrainischen Seite besprochen worden, erklärte EU-Migrationskommissar Magnus Brunner.
Die neuen Regelungen betreffen vor allem Männer, die seit dem russischen Angriffskrieg vor der Einberufung ins Ausland geflohen sind. Bislang konnten sie in Deutschland und anderen EU-Staaten von erleichterten Aufnahmeregeln profitieren. Das soll sich nun ändern. Die Maßnahme zielt darauf ab, die ukrainischen Streitkräfte zu stärken und die Verteidigungsfähigkeit des Landes zu erhöhen. Gleichzeitig hat sie jedoch wirtschaftliche Folgen: Die Ukraine leidet unter einem akuten Arbeitskräftemangel, da viele Männer entweder an der Front kämpfen oder ins Ausland geflohen sind. Die verringerte Erwerbsbevölkerung belastet die Wirtschaft und die öffentlichen Finanzen zusätzlich.
Unterdessen setzt Russland seine Angriffe auf die Ukraine fort. Bei einem nächtlichen Angriff auf die Stadt Krywyj Rih kam eine Großfamilie ums Leben. Laut Insidern wurde dabei wahrscheinlich eine nordkoreanische Rakete eingesetzt – das erste Mal seit fast einem Jahr, dass eine solche Waffe in diesem Krieg abgefeuert wurde. Der Angriff forderte sechs Tote, darunter zwei Kinder im Alter von fünf und zwölf Jahren. Die Ukraine wiederum griff am Boden russische Ziele an. In der westrussischen Stadt Pensa geriet ein Lager des Onlinehändlers Wildberries durch einen Drohnenangriff in Brand. Eine Person wurde verletzt, rund 200 Menschen konnten in Sicherheit gebracht werden. Es war bereits der zweite Angriff auf einen Wildberries-Standort innerhalb kurzer Zeit.
Ein weiteres Zeichen für die angespannte Sicherheitslage lieferte ein Vorfall im Osten Polens. Dort wurde nach Angaben von Ministerpräsident Donald Tusk offenbar eine russische Rakete vom Typ Ch-101 gefunden. Das Flugobjekt war während russischer Angriffe auf die Ukraine vom polnischen Radar erfasst worden und später in einem Feld nahe dem Dorf Tarnawa-Kolonia niedergegangen. Ein Krater mit einem Durchmesser von etwa zehn Metern sowie Trümmerteile wurden entdeckt. Polnische Kampfjets waren zur Identifizierung aufgestiegen. Die Ermittlungen dauern an.
Die Nato wiederum verstärkt ihre Präsenz an der Ostflanke. Im Rahmen der Mission stationierte die Türkei fünf Kampfjets in Estland. Russland verkauft unterdessen große Mengen Gold, um seine kriegsbedingten Finanzlücken zu schließen. Weltweit haben Zentralbanken im zweiten Quartal mehr Gold gekauft – vor allem Russland versuchte, Teile seiner Reserven abzustoßen. Die Kriegskassen in Moskau sind nach fast drei Jahren Krieg zunehmend leer.



