DIW hebt Konjunkturprognose für Deutschland deutlich an
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung erwartet ein stärkeres Wachstum als bislang angenommen. Als Gründe nennt das Institut robuste Exporte und einen milderen Energiepreisschock.
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat seine Wachstumsprognosen für die deutsche Wirtschaft deutlich nach oben korrigiert. Als zentrale Gründe für die optimistischere Einschätzung nennt das Berliner Institut starke Exporte sowie einen insgesamt kleineren Energiepreisschock als ursprünglich befürchtet. Die Konjunktur erweise sich damit als widerstandsfähiger als von vielen Beobachtern erwartet.
Die revidierte Prognose signalisiert eine spürbare Entspannung der wirtschaftlichen Lage in Deutschland. Nachdem zahlreiche Institute und Ökonomen in den vergangenen Monaten wiederholt ihre Erwartungen für das laufende Jahr gesenkt hatten, kehrt das DIW nun den Trend um. Die Anpassung betrifft sowohl die kurzfristige Entwicklung als auch den Ausblick für die kommenden Monate, wobei das Institut die neuen Berechnungen auf eine verbesserte Auftragslage in der Industrie und eine stabilere Nachfrage aus dem Ausland stützt.
Besonders die Exportwirtschaft trägt nach Einschätzung der Forscher zur positiven Entwicklung bei. Deutsche Waren und Dienstleistungen seien international weiterhin gefragt, was die Produktion in den Unternehmen stütze und zugleich die Beschäftigungslage festige. Hinzu komme, dass sich die Energiepreise auf einem niedrigeren Niveau eingependelt hätten, als noch zu Jahresbeginn vielfach angenommen worden war. Dies entlaste insbesondere energieintensive Branchen wie die Chemieindustrie oder die Metallverarbeitung und verbessere deren Kalkulationsgrundlagen.
Die Korrektur der Prognose fällt nach Angaben des Instituts deutlich aus. Zwar bleibt das Wachstumstempo im historischen Vergleich moderat, doch die Abwärtsrisiken, die die Konjunktur zuletzt belastet hatten, haben sich offenbar abgeschwächt. Das DIW warnt zugleich davor, die verbesserten Aussichten als Entwarnung zu deuten. Strukturelle Herausforderungen wie der Fachkräftemangel, bürokratische Hürden und die Transformation der Wirtschaft hin zu mehr Klimaneutralität blieben bestehen und könnten das Potenzialwachstum langfristig begrenzen.
Die neue Prognose reiht sich ein in eine Serie von Konjunkturdaten, die zuletzt ein gemischtes Bild gezeigt hatten. Während einige Frühindikatoren auf eine Belebung hindeuteten, hatten andere Messgrößen weiterhin auf eine verhaltene Dynamik verwiesen. Das DIW sieht die deutsche Wirtschaft nun jedoch auf einem stabileren Pfad, als dies noch vor wenigen Monaten absehbar war. Die nächsten Monatsberichte des Instituts werden zeigen, ob sich der positive Trend verfestigt oder ob erneute Belastungsfaktoren, etwa geopolitische Spannungen oder Handelskonflikte, die Erholung ausbremsen.
