Mittwoch, 2. September 2026 Nachrichten im Zusammenhang Über die Zeitung
Güldendorf Suche

Wirtschaft

Ökonomen erwarten monatelang hohe Ölpreise nach neuen Angriffen in der Straße von Hormus

Die USA und der Iran haben sich erneut in der Straße von Hormus angegriffen. Volkswirt Holger Schmieding rechnet damit, dass die Ölpreise noch Wochen oder Monate hoch bleiben – mit Folgen für die Inflation.

Ökonomen erwarten monatelang hohe Ölpreise nach neuen Angriffen in der Straße von Hormus
Schulze und Siegmund im Duell – das sind die Streitpunkte

Die erneuten gegenseitigen Angriffe der USA und des Iran in der Straße von Hormus treiben die Ölpreise weiter nach oben. Volkswirt Holger Schmieding sieht angesichts der Eskalation keine schnelle Entspannung: „Wir müssen uns darauf einstellen, dass es noch für Wochen, vielleicht sogar Monate so weitergeht“, sagte der Ökonom mit Blick auf die Lage am Ölmarkt.

Die Straße von Hormus gilt als eine der wichtigsten Handelsrouten für Rohöl weltweit. Ein erheblicher Teil der globalen Ölexporte wird durch die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman transportiert. Jede militärische Auseinandersetzung in dieser Region hat daher unmittelbare Auswirkungen auf die Energiepreise und damit auf die Weltwirtschaft.

Schmieding, der als Chefvolkswirt einer großen Bankengruppe regelmäßig die Konjunkturentwicklung analysiert, verwies vor allem auf die Belastungen für die Inflationsaussichten. Steigende Ölpreise verteuern nicht nur Kraftstoffe und Heizenergie, sondern wirken sich über höhere Transport- und Produktionskosten auch auf viele andere Güter und Dienstleistungen aus. Für Verbraucher bedeutet das einen weiteren Anstieg der Lebenshaltungskosten, für Unternehmen zusätzlichen Kostendruck.

Die jüngste Eskalation ist Teil einer Serie von Auseinandersetzungen, bei denen beide Seiten immer wieder versuchen, die Kontrolle über die strategisch bedeutsame Wasserstraße zu erlangen oder zu behaupten. Bereits in den vergangenen Wochen hatten Angriffe auf Handelsschiffe und militärische Einrichtungen in der Region die Märkte verunsichert. Die erneuten Attacken verstärken nun die Sorge vor einer längeren Phase erhöhter Volatilität.

Für die Geldpolitik der Notenbanken sind die Entwicklungen am Ölmarkt von großer Bedeutung. Eine anhaltend hohe Inflation erschwert es den Währungshütern, ihre Geldpolitik zu lockern. Höhere Energiepreise könnten die zuletzt beobachtete Abschwächung des Preisauftriebs wieder umkehren und die Zentralbanken vor neue Herausforderungen stellen. Volkswirte beobachten daher genau, ob sich die Lage in der Region weiter zuspitzt oder ob es doch zu einer diplomatischen Deeskalation kommt.

Die Bundesregierung und die Europäische Union verfolgen die Entwicklungen mit Sorge. Deutschland ist als Industrieland in hohem Maße von Energieimporten abhängig. Zwar wurden die Bezugsquellen in den vergangenen Jahren diversifiziert, die Straße von Hormus bleibt jedoch ein kritischer Engpass für die weltweite Versorgung. Sollte die Route dauerhaft blockiert oder stark beeinträchtigt werden, müssten alternative Lieferwege gefunden werden, was die Kosten weiter erhöhen würde.

An den Finanzmärkten reagierten die Akteure umgehend auf die Nachrichten aus der Region. Die Ölpreise legten deutlich zu, und auch die Kurse an den Börsen zeigten sich angesichts der Unsicherheit belastet. Analysten rechnen damit, dass die Schwankungen anhalten werden, solange keine klare Lösung des Konflikts in Sicht ist. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob sich die Lage beruhigt oder ob weitere Angriffe die Preise noch stärker in die Höhe treiben.

Helena Beckmann

Autor

Kulturkorrespondentin

Helena Beckmann berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.