Der schwäbische Batteriehersteller Varta hat beim zuständigen Amtsgericht einen Insolvenzantrag gestellt. Das Unternehmen, das jahrzehntelang für Batterien «Made in Germany» stand, bestätigte den Schritt am Donnerstag. Der Antrag betrifft das Mutterunternehmen, während die Tochtergesellschaften zunächst nicht in das Verfahren einbezogen sind.
Varta beschäftigt rund 3.260 Mitarbeiter, vor allem in den Werken in Ellwangen und im bayerischen Nördlingen. Das Unternehmen hatte in den vergangenen Jahren mit sinkenden Umsätzen und steigenden Verlusten zu kämpfen. Besonders das Geschäft mit Lithium-Ionen-Batterien für Elektroautos und Powerbanks geriet unter Druck, da die Nachfrage hinter den Erwartungen zurückblieb und asiatische Konkurrenten den Markt mit günstigeren Produkten überschwemmten.
Die Insolvenz ist das vorläufige Ende einer langen Talfahrt. Noch vor wenigen Jahren galt Varta als Hoffnungsträger der deutschen Batterieindustrie. Das Unternehmen profitierte vom Boom tragbarer Elektronik und dem Aufstieg der E-Mobilität. Doch die hohen Investitionen in neue Produktionskapazitäten zahlten sich nicht aus. Hinzu kamen Lieferkettenprobleme und gestiegene Rohstoffpreise, die die Margen drückten.
Bereits im vergangenen Jahr hatte Varta ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung durchgeführt. Damals gelang es dem Konzern, sich von Schulden in Höhe von rund 485 Millionen Euro zu befreien und neue Investoren an Bord zu holen. Doch die Erholung blieb aus. Die Nachfrage nach den Kernprodukten – Knopfzellen für Hörgeräte und Lithium-Ionen-Zellen – sank weiter, während die Kosten für Energie und Materialien stiegen.
Die Geschäftsführung nannte als Gründe für den erneuten Insolvenzantrag die anhaltend schwierige Marktlage und die fehlende Möglichkeit, eine nachhaltige Finanzierungsstruktur zu sichern. «Trotz intensiver Bemühungen und der Unterstützung unserer Partner war es uns nicht möglich, die wirtschaftliche Stabilität des Unternehmens dauerhaft wiederherzustellen», erklärte der Vorstand. Man wolle nun in einem geordneten Verfahren eine Lösung für das Unternehmen und seine Mitarbeiter finden.
Die Nachricht schlug in der Wirtschaftswelt hohe Wellen. Varta war über Jahrzehnte ein Synonym für deutsche Batteriequalität. Gegründet 1887 in Hagen, entwickelte sich das Unternehmen zu einem der weltweit führenden Hersteller von Batterien und Akkus. In den 1990er Jahren wurde die Marke durch die Übernahme durch den US-Konzern Energizer international bekannt, bevor sie 2007 durch einen Management-Buy-out wieder in deutsche Hände zurückkehrte.
Der Insolvenzantrag hat auch politische Bedeutung. Die Bundesregierung hatte in den vergangenen Jahren mehrfach betont, die heimische Batterieproduktion stärken zu wollen, um unabhängiger von asiatischen Lieferanten zu werden. Varta galt dabei als ein zentraler Pfeiler dieser Strategie. Mit dem jetzigen Schritt rückt dieses Ziel in weite Ferne.
Die Gläubiger des Unternehmens müssen nun mit erheblichen Forderungsausfällen rechnen. Auch die Aktionäre, deren Aktien in den vergangenen Monaten massiv an Wert verloren haben, dürften leer ausgehen. Der Handel mit Varta-Aktien wurde am Donnerstag vorübergehend ausgesetzt.
Ob das Unternehmen in seiner jetzigen Form fortgeführt werden kann, ist ungewiss. Interessenten aus der Industrie und Finanzinvestoren haben bereits Interesse signalisiert, doch die Verhandlungen stehen noch am Anfang. Die Belegschaft blickt mit Sorge auf die kommenden Wochen. Betriebsrat und Gewerkschaft IG Metall kündigten an, sich für den Erhalt der Arbeitsplätze einzusetzen.
Varta ist nicht der erste deutsche Traditionskonzern, der in der Krise der Batterieindustrie untergeht. Bereits in den vergangenen Jahren mussten mehrere Hersteller von Energiespeichern Insolvenz anmelden oder wurden von ausländischen Wettbewerbern übernommen. Die Zukunft der deutschen Batterieproduktion bleibt damit ungewiss.



