Der Film «Wochenendrebellen» kehrt zur besten Sendezeit ins Erste zurück und erzählt eine Geschichte, die weit über den Fußball hinausgeht. Regisseur Marc Rothemund, bekannt für Werke wie «Dieses bescheuerte Herz», inszeniert einen tragikomischen Stoff, der auf wahren Begebenheiten beruht. Im Mittelpunkt steht der kleine Jason, ein Junge mit Autismus, der in einer Welt voller Missverständnisse und Ablehnung lebt. Seine Eltern Mirco und Fatime lieben ihn über alles, doch der Alltag ist eine Herausforderung: Jason wird auf der Straße gehänselt, in der Schule ausgegrenzt und leidet unter schweren Wutausbrüchen, weil er die Menschen um sich herum nicht versteht und selbst nicht verstanden wird.

Die Handlung nimmt eine unerwartete Wendung, als Jason eines Tages verkündet: «Ich will meinen Lieblingsverein.» Er lehnt die typische Frage «Bist du FC-Bayern-Fan oder Dortmund-Fan?» ab und bezeichnet sich stattdessen als «Albert-Einstein-Fan». Sein Vater Mirco verspricht ihm, gemeinsam einige Spiele verschiedener Teams im Stadion zu besuchen. Als Gegenleistung soll Jason sich weniger provozieren lassen. Doch Jason, der als Autist eine besondere Logik verfolgt, besteht darauf, alle 56 deutschen Profi-Vereine in den drei Ligen live zu sehen, bevor er eine Entscheidung treffen kann. Was als kleine Idee beginnt, entwickelt sich zu einer aberwitzigen XXL-Tour durch die Stadien der Republik.

Der Film basiert auf dem Buch «Wir Wochenendrebellen» von Mirco und Jason von Juterczenka, die ihre eigene Geschichte aufgeschrieben haben. Das Drehbuch verfasste Richard Kropf, bekannt für die Serie «4 Blocks». Rothemund gelingt es, mit Charme, Witz und Feingefühl für das Thema Autismus zu sensibilisieren. Die Szenen im Stadion, in denen Jason die Trikots, die Farbe der Schuhe und die Maskottchen genau studiert, sind ebenso unterhaltsam wie lehrreich. Sie zeigen, wie Fußball als verbindende Kraft wirken kann, aber auch, wie wichtig es ist, Menschen mit Autismus in ihrer Andersartigkeit zu akzeptieren.

Ein besonderer Moment im Film ist die Szene im Schalke-Stadion, als alle Fans aufstehen und «Steht auf, wenn ihr Schalker seid!» grölen. Nur Jason bleibt sitzen und sagt trocken: «Ich stehe nicht auf, ich bin ja kein Schalker.» Diese Mischung aus Humor und Ernsthaftigkeit prägt den gesamten Film. Die Frage, ob Jason am Ende einen Verein findet, bleibt bis zum Schluss spannend. Als sein Vater fragt, was passiert, wenn ihm keiner der 56 Vereine gefällt, antwortet Jason: «Dann suchen wir in Europa weiter!»

Die ARD wiederholt «Wochenendrebellen» am Montag, den 13. Juli, um 20.15 Uhr. Der Film ist nicht nur für Fußballfans sehenswert, sondern für alle, die sich für Geschichten über Familie, Zusammenhalt und die Überwindung von Hindernissen interessieren. Er zeigt, dass es im Leben mehr gibt als die Frage nach Bayern oder Dortmund – und dass die Suche nach dem eigenen Weg manchmal die größte Abenteuerreise ist.

Autor

Kulturkorrespondentin

Helena Beckmann berichtet für Guldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.