Die Ölpreise haben am Montag nach einer weiteren Angriffswelle des US-Militärs am Persischen Golf deutlich zugelegt. Ein Barrel der Referenzsorte Brent zur Lieferung im September stieg im frühen Handel um 4,46 Prozent auf 79,40 Dollar. Es war bereits die vierte Angriffswelle der USA, seit die Feindseligkeiten in der Nacht zu Mittwoch wieder aufflammten. Die Angriffe richteten sich nach Medienberichten gegen Raketenstellungen, Luftabwehranlagen und Boote der iranischen Revolutionsgarden.
Das zuständige US-Regionalkommando Centcom teilte am frühen Morgen deutscher Zeit auf der Plattform X mit, die Angriffswelle sei vorbei und habe Dutzende Zielobjekte mit Präzisionsmunition getroffen. Die Straße von Hormus habe essenzielle Bedeutung für den weltweiten Handel und werde nicht vom Iran kontrolliert, betonte Centcom. Die US-Streitkräfte stünden bereit, um die Freiheit des zivilen Schiffsverkehrs zu verteidigen – auch gegen „die ungerechtfertigte Aggression des Irans, seine Schikane, Drohungen und willkürlichen Verlautbarungen“.
Der Iran hatte am Sonntag erklärt, die Meerenge werde „bis auf Weiteres“ für den Schiffsverkehr geschlossen. Die Durchfahrt sei untersagt. Zuvor hatte die Marine der Revolutionsgarden nach eigenen Angaben Warnschüsse auf ein Schiff abgegeben. Die iranischen Streitkräfte flogen zudem Drohnen- und Raketenangriffe auf Verbündete der USA im Nahen Osten, darunter Jordanien und Katar. Kuwait meldete, dass eine Offshore-Bohrplattform getroffen und beschädigt worden sei.
Die jüngsten Entwicklungen seien zwar eskalierend, blieben aber „deutlich unterhalb eines offenen Kriegszustands“, sagte Saul Kavonic, Senior-Energieanalyst bei MST Marquee, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Ölpreise dürften so lange weiter leicht steigen, wie die Angriffe andauern und die Passage durch die Straße von Hormus dadurch beeinträchtigt wird. In den ersten Wochen und Monaten des Konflikts war der Ölpreis bereits deutlich gestiegen; ein Barrel der Referenzsorte Brent hatte zeitweise etwas mehr als 126 Dollar gekostet.
UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich auf der Plattform X tief besorgt über die „erhebliche Eskalation“. Eine Rückkehr zu umfassenden Kampfhandlungen hätte katastrophale Folgen für die Sicherheit der Region und die Weltwirtschaft. Er rief den Iran und die USA nachdrücklich auf, die Verhandlungen unverzüglich wieder aufzunehmen und offene Fragen auf diplomatischem Wege zu lösen.
Auch der Iran meldete am Sonntagabend erneut Explosionen an seiner Südküste. Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim berichtete von Detonationen in der Hafenstadt Bandar Abbas sowie nahe der Insel Gheschm im Persischen Golf. Die staatliche Nachrichtenagentur Irna sprach von „feindlichen Angriffen“ auf Militäranlagen in Bandar Abbas. Die regierungsnahe Nachrichtenagentur Mehr meldete zudem ein Todesopfer auf der Insel Gheschm: Der Leiter der Telekommunikationsbehörde der Provinz Hormusgan kam bei einem Reparatureinsatz ums Leben, zwei weitere Mitarbeiter wurden verletzt.
Am Samstag hatten die USA nach eigenen Angaben bereits rund 140 iranische Militärziele entlang der Südküste bombardiert. Es war die dritte Angriffswelle binnen einer Woche. Der Iran reagierte nach eigenen Angaben mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Ziele in Jordanien, Kuwait, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten. US-Präsident Donald Trump widersprach unterdessen iranischen Angaben zur Straße von Hormus: „Sie ist offen“, sagte Trump in der NBC-Sendung „Meet the Press“. Auch Centcom erklärte, die strategisch wichtige Meerenge bleibe eine internationale Wasserstraße und werde nicht vom Iran kontrolliert.
Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt. Durch die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman wird ein erheblicher Teil des weltweiten Öltransports abgewickelt. Eine längerfristige Blockade oder auch nur eine Beeinträchtigung der Schifffahrt könnte die globalen Ölmärkte massiv destabilisieren und die Energiepreise weiter in die Höhe treiben. Analysten beobachten die Lage mit großer Sorge, auch wenn ein offener Krieg zwischen den USA und dem Iran bislang vermieden wird. Die Märkte reagieren empfindlich auf jede Eskalation, da die Region für die Energieversorgung der Weltwirtschaft von zentraler Bedeutung ist.



