Der republikanische Senator Lindsey Graham ist tot. Damit verliert US-Präsident Donald Trump einen seiner engsten Verbündeten im Kongress. Graham, der den Bundesstaat South Carolina seit 2003 im Senat vertrat, war über Jahre hinweg eine der einflussreichsten Stimmen in der Außenpolitik der Vereinigten Staaten und galt als entschiedener Befürworter militärischer Härte, insbesondere gegenüber dem Iran.
Trump würdigte den Verstorbenen auf seiner Plattform Truth Social als «einen der großartigsten Menschen und Senatoren», die er je gekannt habe. Graham sei stets im Einsatz und ein wahrer amerikanischer Patriot gewesen. «Lindsey wird uns sehr fehlen», schrieb der Präsident und fügte hinzu, er sei «so traurig».
Die Beziehung zwischen Trump und Graham war politisch ungewöhnlich und begann mit offener Feindschaft. Im Vorwahlkampf 2015, als Graham selbst für die Präsidentschaft kandidierte, bezeichnete er Trump als rassistisch hetzenden, fremdenfeindlichen religiösen Eiferer und nannte ihn einen Spinner. Er erklärte ihn für unwählbar und warnte, eine Nominierung Trumps werde die Republikaner vernichtend verlieren lassen – und zwar verdient.
Nach Trumps Wahlsieg 2016 änderte Graham seinen Kurs jedoch grundlegend. Er suchte die Nähe zum Präsidenten, um nach eigener Darstellung Einfluss auf dessen Entscheidungen nehmen zu können. Der Senator spielte regelmäßig Golf mit Trump, reiste mit ihm und war häufiger Gast in Mar-a-Lago und im Weißen Haus. Auf die Frage, wie er trotz politischer Differenzen mit Trump klarkomme, antwortete Graham einmal: einigermaßen unterhaltsam sein, Golf spielen – und anerkennen, dass Trump ein guter Präsident sei. Das Verbindende brachte er auf eine ironische Formel: «Wissen Sie, was wir gemeinsam haben? Ich mag ihn – und er mag sich.»
Der Schulterschluss mit Trump zahlte sich für Graham politisch aus. Der Senator war beim konservativen Lager lange unbeliebt, weil er zu Kompromissen mit den Demokraten neigte. Als loyaler Verbündeter des Präsidenten gewann er den Rückhalt der Basis zurück und sicherte sich Trumps Unterstützung bei eigenen Wahlen. In Trumps erster Amtszeit wirkte Graham bei einem der größten Erfolge des Präsidenten mit: der Ernennung von drei konservativen Richtern für das Oberste Gericht, die die Mehrheit weit nach rechts verschoben und die USA bis heute prägen. 2018 verteidigte Graham Brett Kavanaugh vehement gegen Missbrauchsvorwürfe, und als Vorsitzender des Justizausschusses trieb er zwei Jahre später die Bestätigung Amy Coney Barretts im Eiltempo voran.
In der Außenpolitik trat Graham über Jahrzehnte als Verfechter militärischer Härte auf – an der Seite seines Freundes John McCain und oft gegen Trumps frühere Linie eines Rückzugs aus fremden Konflikten. Er unterstützte Israel bedingungslos und galt als einer der schärfsten Gegner des Iran. Als der Internationale Strafgerichtshof 2024 Haftbefehl gegen den israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu erließ, drohte Graham EU-Ländern mit wirtschaftlichen Konsequenzen, sollten sie bei einer Festnahme helfen.
In einem Interview mit dem «Wall Street Journal» prahlte Graham, wie er Trump zu einem Militärschlag gegen den Iran gedrängt habe – mit Erfolg. Er habe das Thema erstmals bei einer Runde Golf nach der Wahl 2024 angesprochen. Nun sei Trumps Moment, Geschichte zu schreiben, habe er ihm gesagt. Um seine Linie zu stützen, reiste Graham mehrfach nach Israel und beriet Ministerpräsident Netanjahu, wie dieser Trump zum Eingreifen bewegen könne. Nach einem ersten Militärschlag 2025 zogen die USA Anfang 2026 in einen Krieg mit dem Iran, der trotz einer Waffenruhe nicht beendet ist.
Für seine Rolle stand Graham auch in der eigenen Partei in der Kritik – manche warfen ihm vor, Trump ohne Plan für die Zeit danach in einen Nahostkonflikt getrieben zu haben. Ein hochrangiger Mitarbeiter des Weißen Hauses nannte ihn wegen seiner Hartnäckigkeit einen «nervigen verrückten Onkel». Zugleich war Graham ein entschiedener Unterstützer der Ukraine. Kurz nach dem russischen Angriff 2022 rief er Russen dazu auf, Präsident Wladimir Putin zu beseitigen; Moskau erließ daraufhin einen Haftbefehl gegen ihn. Bei Trump warb er für neue Sanktionen gegen Russland und appellierte an dessen Geschäftssinn: Die Ukraine sitze auf Rohstoffen im Wert von 10 bis 12 Billionen Dollar, die man nicht Putin und China überlassen dürfe. Sein Werben für eine stärkere Intervention blieb bei Trump jedoch unerhört.
Reibungslos war das Verhältnis zwischen den beiden nie. Graham musste Trumps wiederholte Angriffe auf seinen früheren Mentor McCain hinnehmen, der Trump scharf kritisiert hatte. Nach dem Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021 wandte er sich kurzzeitig ab und erklärte, für ihn sei Schluss – kehrte aber bald wieder an Trumps Seite zurück. Die Bewunderung floss vor allem in eine Richtung: Graham lobte Trump fast durchweg überschwänglich – 2026 schlug er sogar vor, den Nobelpreis nach ihm zu benennen. Trump ließ Graham seine Macht spüren und wechselte öffentlich zwischen Lob und Spott. Vor Anhängern in Mar-a-Lago spottete er: «Er ist ein Progressiver – aber er ist unser Progressiver.»



