Viele Menschen starten mit dem Vorsatz ins neue Jahr, Gewicht zu verlieren, und greifen dabei zu einer Körperfettwaage, um ihre Fortschritte zu dokumentieren. Ein aktueller Vergleich von fünf Modellen im Preisbereich von rund 40 bis 400 Euro zeigt jedoch, dass die Geräte bei der Messung des Körperfettanteils oft deutlich danebenliegen. Statt direkt Fett zu messen, bestimmen die Waagen über die Bioimpedanzanalyse den Wasseranteil im Körper und berechnen daraus die Körperzusammensetzung. Das führt zu Abweichungen, die im Test bis zu drei Prozentpunkte betrugen.
Die Renpho-Körperfettwaage schnitt im Vergleich am besten ab und wurde zum Testsieger gekürt. Sie lag beim Körperfettanteil zwar noch um drei Prozent neben dem Referenzwert, überzeugte aber durch eine akkurate Messung des Grundumsatzes. Zudem ist sie mit einem Preis von etwa 40 Euro die günstigste Empfehlung im Testfeld. Einziger Wermutstropfen: Die dazugehörige App erklärt die gemessenen Werte nicht ausreichend, was die Interpretation für Laien erschwert. Dennoch reichte die Kombination aus Preis und Leistung für den ersten Platz.
Den zweiten Platz belegte die Runstar Smart Scale, die mit rund 30 Euro noch günstiger ist als der Testsieger. Sie zeigte bei der Fettmessung zwar größere Abweichungen, ermittelte aber den Wassergehalt des Körpers erstaunlich genau. Die App ist übersichtlich gestaltet und erläutert die Werte verständlich. Allerdings gibt die Waage den Grundumsatz deutlich zu hoch an, weshalb Abnehmwillige diesen Wert nicht als verlässliche Orientierung nutzen sollten. Trotz dieses Mangels bietet das Modell ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.
Überraschend fiel das Abschneiden der teureren Modelle mit Handgriff aus, die eigentlich präziser messen sollten. Die Geräte von Beurer und Withings, die zwischen 125 und knapp 400 Euro kosten, lieferten bei der reinen Fettmessung keine besseren Ergebnisse als die günstigen Konkurrenten. Ihr Vorteil liegt in der segmentalen Analyse, die Daten für Arme, Beine und Rumpf getrennt ausgibt. Für ambitionierte Sportler, die muskuläre Dysbalancen erkennen wollen, kann das nützlich sein. Für das reine Abnehmen bringt diese Funktion jedoch keinen zusätzlichen Nutzen.
Die Beurer BF 990 landete auf dem dritten Platz. Sie misst den Gesamtwassergehalt akkurat und bietet in den Grundfunktionen alles, was auch das teurere Withings-Modell kann. Mit einem Preis von rund 125 Euro ist sie eine vernünftige Alternative für alle, die auf Segmentdaten Wert legen, aber nicht tief in die Tasche greifen wollen. Die Withings Body Scan hingegen kostet fast 400 Euro und verlangt zusätzlich ein Abonnement für erweiterte Funktionen. Sie richtet sich vor allem an zahlungskräftige Nutzer, die auch ein Statussymbol sehen wollen.
Die Omron BF511 kommt ohne App-Anbindung aus und bietet nur vier Benutzerprofile. Für 125 Euro ist sie vor allem für Menschen geeignet, die kein Smartphone besitzen oder bewusst auf digitale Vernetzung verzichten möchten. Im Vergleich zu den anderen Modellen fällt sie jedoch ab, da die fehlende App die langfristige Dokumentation der Werte erschwert. Für den Einstieg in die Gewichtskontrolle ist sie daher nur bedingt zu empfehlen.
Grundsätzlich gilt: Körperfettwaagen sind keine medizinischen Präzisionsgeräte. Eine Bioimpedanzanalyse im Liegen, wie sie in der Medizin eingesetzt wird, liefert genauere Ergebnisse, weil sich das Körperwasser dabei gleichmäßiger verteilt. Im Stehen sackt das Wasser durch die Schwerkraft in die Beine, was die Messwerte verfälscht. Dennoch können die Waagen über Wochen und Monate hinweg eine verlässliche Tendenz zeigen, ob sich der Körperfettanteil in die gewünschte Richtung bewegt. Diese Funktion erfüllten alle getesteten Modelle, wenn auch mit unterschiedlicher Genauigkeit.
Experten raten davon ab, zu Beginn einer Abnehmreise ausschließlich auf eine Körperfettwaage zu vertrauen. In den ersten Wochen verlieren Menschen häufig Wasser und Muskelmasse, aber nur wenig Fett. Die schwankenden Ergebnisse können dann zu Verwirrung und Frustration führen. Wer verlässliche Daten über seine Körperzusammensetzung erhalten möchte, sollte zu Beginn eine medizinische Bioimpedanzanalyse oder einen DEXA-Scan in Erwägung ziehen, der allerdings deutlich teurer ist. Für die langfristige Motivation und grobe Orientierung sind die getesteten Waagen jedoch ein nützliches Werkzeug.



