Die ukrainische Hauptstadt Kiew ist am Mittwochmorgen von einer Serie schwerer Explosionen erschüttert worden. Wie Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP berichteten, erfolgte die erste heftige Detonation noch vor dem Ertönen der Luftschutzsirenen. Bürgermeister Vitali Klitschko bestätigte in Onlinemedien, dass der Feind die Hauptstadt mit ballistischen Raketen angreife, und rief die Bevölkerung auf, in Schutzräumen zu bleiben. Durch die russischen Angriffe gerieten Klitschko zufolge mehrere Lagerhallen sowie ein weiteres Nichtwohngebäude in Brand. Die neue Angriffswelle ereignete sich nur einen Tag, nachdem bei Attacken der russischen Truppen in der Ukraine nach Behördenangaben mindestens 30 Menschen getötet worden waren.

Die Ukraine steht unter massivem Druck, ihre Luftabwehr zu verstärken. Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte am Dienstag unmittelbar vor dem Nato-Gipfel in Ankara mehr Entschlossenheit bei der Versorgung seines Landes mit Flugabwehrfähigkeiten. Die oberste Priorität der Ukraine sei derzeit, mehr Luftabwehrraketen zu bekommen, sagte Selenskyj auf dem Nato-Rüstungsforum in der türkischen Hauptstadt. Alles andere sei man in der Lage, selbst zu leisten, betonte er. Er appellierte an die Nato-Alliierten: Bitte sorgen Sie dafür, dass mehr Entschlossenheit und mehr Entscheidungen für die Luftverteidigung zu den wichtigsten Ergebnissen dieses Gipfels gehören.

Selenskyj rief die Bündnispartner zudem zu schnelleren Vorbereitungen auf eine Kriegsführung mit und gegen Drohnen auf. Auf dem Rüstungsforum warb er für eine Initiative zur gemeinsamen Produktion unbemannter Systeme. Drohnen und die Technologie der Kampfführung auf Entfernung bedeuteten einen revolutionären Wandel in der Kriegstechnik, sagte er. Ukrainische Rüstungsunternehmen zählten dabei nun zu den stärksten in Europa und hätten sich im modernen Krieg bewährt. Am Rande des Nato-Gipfels schloss die Ukraine drei weitere Drohnen-Abkommen mit Dänemark, Estland und den Niederlanden ab, womit die Zahl dieser Vereinbarungen auf neun stieg. Selenskyj erklärte, sein Land gebe dabei die im Krieg gegen Russland gewonnene Expertise weiter.

Parallel zu den diplomatischen Bemühungen setzt die ukrainische Armee ihre militärischen Operationen fort. Die Zeitung Kyiv Post berichtete unter Berufung auf Kiews Militär, dass die ukrainische Armee im Schwarzen Meer acht Schiffe der russischen Schattenflotte mit Drohnen attackiert und am Anlegen auf der Halbinsel Krim gehindert habe. Der Drohnenkommandant Robert Brovdi erklärte, die russische Schattenflotte verlasse die Bühne, und fügte hinzu, der Kampf um die Treibstoffversorgung der Krim im Asowschen Meer gehe weiter. Die Armee des russischen Staatschefs Wladimir Putin hatte die Krim 2014 völkerrechtswidrig besetzt. Nach ukrainischen Drohnen-Angriffen auf die Energieinfrastruktur auf Russland und der Krim werden Sprit-Engpässe gemeldet, an Tankstellen soll es teils zu Handgreiflichkeiten kommen.

Bundeskanzler Friedrich Merz äußerte vor seinem Abflug zum Nato-Gipfel in Ankara die Hoffnung, dass von dem Treffen ein wichtiges Signal für die von Russland angegriffene Ukraine ausgehe. Ankara könnte einen Einschnitt in diesem Krieg markieren, sagte der CDU-Chef in Berlin. Dem Kreml dürfte langsam klar sein, dass sich Russland in diesem Krieg nicht durchsetzen werde und seine Kriegsziele nicht erreichen werde, fügte Merz hinzu. Er bezog sich darauf, dass es in Ankara auf deutsche Initiative eine Vereinbarung der europäischen Bündnismitglieder geben solle, die Ukraine mit weiteren Mitteln auszustatten. Zudem wolle man versuchen, die Einigkeit auszubauen, die kürzlich beim G7-Gipfel in Évian am Genfersee gelungen sei. Dort hätten die Mitglieder der Gruppe wirtschaftsstarker Demokratien gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump sehr eindeutig gefordert, dass Moskau diesen Krieg beenden müsse.

Unterdessen wurden an der serbisch-ukrainischen Grenze zwei russische Wegwerfagenten mit dem Reiseziel Deutschland festgenommen. In ihrem Gepäck soll sich Sprengstoff befunden haben. Als Anschlagsziel gilt ein Rüstungsunternehmen, den Namen der Firma oder ein möglicher Ort des geplanten Anschlags teilten die Behörden nicht mit. Die Ereignisse der letzten Tage verdeutlichen die anhaltende Intensität des Konflikts, der sowohl die ukrainische Zivilbevölkerung als auch die internationale Sicherheitsarchitektur betrifft.

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Sportredakteur

Florian Lorenz berichtet für Guldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.