Jürgen Klopp hat seine Bereitschaft für den Posten des Bundestrainers signalisiert. In einem Interview mit MagentaTV aus New York erklärte der 59-Jährige, er sei „mehr als aufgetankt“ und stehe für die Aufgabe bereit. Der ehemalige Liverpool-Coach, der sich derzeit als WM-Experte betätigt, machte deutlich, dass er sich eine Rückkehr an die Seitenlinie vorstellen könne. Allerdings sind noch keine Detailverhandlungen mit der DFB-Spitze um Präsident Bernd Neuendorf und Vize Hans-Joachim Watzke geführt worden.

Das Duo plant, zeitnah zu Klopp in die USA zu reisen, um die Gespräche voranzutreiben. Am Sonntagabend gab es jedoch noch keine neuen Entwicklungen. „Nein, nichts zu berichten. Sobald es etwas gibt, erfahrt ihr es zuerst“, sagte Klopp auf Nachfrage von Moderator Johannes B. Kerner. Der Vertrag des 59-Jährigen als Head of Global Soccer beim Getränke-Konzern Red Bull ist noch nicht aufgelöst, was eine der zentralen Hürden darstellt.

Die Personalie Klopp ist nach dem erneuten WM-Flop der deutschen Nationalmannschaft und der Trennung von Julian Nagelsmann zum beherrschenden Thema geworden. Der DFB hatte sich in der Trennungsmitteilung zu Nagelsmann bereits klar für Klopp positioniert, was viele Beobachter überraschte. Dieser Schachzug ermöglichte es Klopp, aus der Ferne die Rahmenbedingungen für eine mögliche Zusammenarbeit abzustecken. Er sprach dabei offen über die komplizierte Situation mit Red Bull und die Notwendigkeit, den Konzern „sauber aus der Nummer rauskommen“ zu lassen.

Die finanziellen Aspekte des Klopp-Pakets sind komplex. Der DFB muss trotz der ab 2027 fließenden Nike-Millionen darauf achten, dass die Kosten nicht zu hoch werden. Klopp selbst ebnete den Weg für Gespräche, indem er in Richtung von Red-Bull-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff äußerte, dass bereits Dinge „angetextet“ worden seien. Mintzlaff, der einst Julian Nagelsmann für über 25 Millionen Euro von RB Leipzig zum FC Bayern wechseln ließ, steht nun vor einer anderen Herausforderung. Er war Teil der DFB-Task-Force, die nach dem WM-Vorrunden-Aus 2022 in Katar gegründet worden war, um die Nationalmannschaft wieder aufzubauen.

Klopp hat sich mit seinen Beratern für den Neuanfang positioniert. Es geht nicht nur um einen Vertrag bis zur EM 2028, sondern möglicherweise gleich bis zur WM 2030. Auch die personelle Zusammensetzung seines Trainerteams ist ein Thema. Klopp könnte seine bewährten Co-Trainer aus Liverpooler Zeiten, Peter Krawietz und Pepijn Lijnders, mitbringen. Zudem stellt sich die Frage nach der Zukunft von Rudi Völler als DFB-Sportdirektor. Der 66-Jährige will im direkten Gespräch mit Klopp ausloten, ob es eine Basis für eine Zusammenarbeit gibt. Andernfalls würde Völler Konsequenzen ziehen.

Klopp warnte davor, ihn in eine Messias-Rolle zu drängen. „Es werden intensive Gespräche sein müssen, weil natürlich die Probleme, die wir aktuell haben, nicht an der Personalie Julian Nagelsmann hängen“, sagte er. Er sprach von einem „Kopfkino“, das bei Fans, Medien und im Verband einsetzen könnte. Der deutsche Fußball stehe an einem Wendepunkt, und es müssten Dinge grundlegend verändert werden. Klopp betonte, dass er nach zwei Jahren Pause neue Energie getankt habe und die WM-Spiele in den USA als „Fortbildung“ betrachte. „Blöder werde ich nach dieser Weltmeisterschaft sicher nicht sein. Ich werde einiges dazugelernt haben“, erklärte er.

Dass Klopp noch einen persönlichen Werbevertrag mit Adidas hat, während der DFB ab 2027 mit Nike zusammenarbeitet, wird intern nicht als Problem gesehen. Die Verhandlungen werden in den kommenden Tagen und Wochen intensiv geführt werden müssen, doch die Richtung scheint klar: Klopp ist der Wunschkandidat des DFB, und er selbst hat sein Interesse deutlich signalisiert. Die Frage ist nun, wie schnell die Hürden aus dem Weg geräumt werden können.

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Redakteur vom Dienst

Henrik Falkenberg berichtet für Guldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.