Der frühere US-Fußballnationalspieler und Politikwissenschaftler Jules Boykoff hat die Einmischung von Präsident Donald Trump in den Wettbewerb der Fußball-Weltmeisterschaft scharf kritisiert. Trump hatte bei Fifa-Präsident Gianni Infantino angerufen, um eine Aufhebung der Roten Karte für US-Stürmer Folarin Balogun zu erreichen. Boykoff bezeichnete Infantino in diesem Zusammenhang als «Erfüllungsgehilfen» Trumps und warf dem Fifa-Chef Unterwürfigkeit vor.
In einem Interview mit t-online erklärte Boykoff, der Vorgang zeige in aller Deutlichkeit, dass Sport nichts anderes als Politik mit anderen Mitteln sei. Der Fußball sei durch und durch politisch, und Trumps Eingreifen mache dies nun für alle sichtbar. Boykoff, der heute als Professor für Politikwissenschaften an der Pacific University in Oregon lehrt, betonte, dass er als Wissenschaftler zwar nicht überrascht sei, die Öffentlichkeit aber dennoch erschüttert reagiere.
Der ehemalige Profi verwies darauf, dass Trump den Sport stärker zu seinem politischen Vorteil genutzt habe als jeder andere US-Präsident der jüngeren Geschichte. Die Weltmeisterschaft sowie die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles seien für Trumps politisches Vermächtnis von entscheidender Bedeutung. Daher überrasche es nicht, dass er sich nun selbst ins Zentrum der Aufmerksamkeit rücke.
Boykoff äußerte Mitgefühl für die US-Nationalmannschaft und insbesondere für Balogun, der die Rote Karte zunächst mit großer Gelassenheit und Professionalität akzeptiert hatte. Balogun habe eindrucksvoll erklärt, dass er sich nicht über die Entscheidung beschweren werde, weil er jungen Menschen zeigen wolle, wie man mit Enttäuschungen umgeht. Trump hingegen sei wie ein Elefant in den Raum getrampelt, habe Infantino angerufen und einfach seinen Willen durchsetzen wollen.
Damit habe der Präsident jedem möglichen Erfolg der US-Mannschaft eine Fußnote verpasst, so Boykoff. Die Spieler hätten sich ihren Platz im Achtelfinale verdient, doch nun werde der Geist Trumps über allem schweben, was diese Mannschaft erreiche. Der Politikwissenschaftler sprach von einer «Pseudo-Rettung» und einem reinen Spektakel, das die Mannschaft zusätzlich belaste und schlechtes Karma mit sich bringe.
Besonders ironisch sei der Vorgang angesichts der politischen Haltung Trumps zur Einwanderung. Balogun spiele nur deshalb für die US-Nationalmannschaft, weil er als Sohn nigerianischer Eltern in den USA geboren wurde – ein Fall des sogenannten Geburtsortsprinzips. Ausgerechnet in derselben Woche habe sich der Supreme Court mit Trumps Forderung beschäftigt, dieses Prinzip abzuschaffen. Balogun, der Tore für die USA erziele, sei genau der Typ Mensch, den Trump und seine Regierung am liebsten aus dem Land werfen würden.
Boykoff zog einen Vergleich zu Trumps Telefonat nach der Präsidentschaftswahl 2020 in Georgia, als der Präsident Stimmen «finden» lassen wollte. Nun erlebe man eine ähnliche «Telefon-Diplomatie» im Fußball. Die Fußballwelt sei schockiert, obwohl niemand wirklich überrascht sein könne. Trump liebe das politische Rampenlicht und habe sich während dieser Weltmeisterschaft bislang sogar vergleichsweise zurückgehalten.
Der frühere Profi betonte, dass Balogun ein selbstständiger und kompetenter Mensch sei, der keine Rettung brauche. Trumps Eingreifen sei daher nicht nur unnötig, sondern schade dem Ansehen der Mannschaft und des gesamten Turniers. Die Fifa und ihr Präsident Infantino hätten sich durch die Einmischung in ein schlechtes Licht gerückt. Boykoff forderte Konsequenzen und machte deutlich, dass Infantino als Fifa-Chef zurücktreten müsse.
Die Kontroverse um Baloguns Rote Karte und Trumps Anruf hat international für Aufsehen gesorgt. Während die US-Nationalmannschaft sich auf das Achtelfinale vorbereitet, bleibt die Frage offen, wie sehr die politische Einmischung den sportlichen Wettbewerb beeinträchtigt. Boykoff sieht darin ein Lehrstück darüber, wie eng Sport und Politik miteinander verwoben sind – und wie ein Präsident den Fußball gezielt für seine politische Inszenierung nutzt.



