Alexander Zverev hat bei den Wimbledon Championships die dritte Runde erreicht und dabei eindrucksvoll seine Form unter Beweis gestellt. Der an Position zwei gesetzte Deutsche besiegte den Franzosen Valentin Royer mit 6:1, 6:3, 7:6 (7:3) und zeigte sich nach dem Match zufrieden mit seiner Leistung. „Zweieinhalb Sätze habe ich beinahe ein perfektes Match gespielt“, sagte der 29-Jährige nach dem Spiel. Der French-Open-Champion von Paris dominierte die Partie über weite Strecken und ließ dem Weltranglisten-75. nur wenig Raum für eigene Akzente.
Besonders beeindruckend war die Serie von neun gewonnenen Spielen in Folge, die Zverev nach einem frühen 0:1-Rückstand startete. Gleich dreimal nahm er Royer im ersten Satz den Aufschlag ab und setzte sich schnell mit 6:1 durch. Auch im zweiten Durchgang machte der Olympiasieger von 2021 mit einem Break zum 2:0 weiter und gewann diesen Satz klar mit 6:3. Erst im dritten Satz erlaubte sich der Weltranglistendritte eine kurze Konzentrationsschwäche, als er aus einer 4:2-Führung ein 4:5 werden ließ. Doch Zverev fing sich rechtzeitig wieder und entschied den Tiebreak souverän für sich.
„Ich bin froh, dass ich nicht noch einen Satz spielen musste“, sagte Zverev mit Blick auf die Kräfteersparnis. „Ich bin noch nicht alt, aber ich bin in einem Alter, wo man Energie sparen muss.“ Das sei auch wichtig für das Selbstvertrauen. Der Australian-Open-Finalist von 2025 betonte, dass er Wimbledon liebe, aber noch auf die ganz großen Ergebnisse warte. „Wenn ich so weiterspiele, denke ich definitiv, dass es dieses Jahr passieren kann“, zeigte er sich optimistisch. Allerdings warnte er auch vor überhöhten Erwartungen: „In Paris weiß ich, dass ich einer der Favoriten bin. Ich kann hier nicht dasselbe sagen. Aber wenn ich gut spiele und wenn ich so performe wie heute, dann kann ich meine Matches gewinnen. Dann kann ich auch gegen jeden gewinnen, das weiß ich.“
Zverevs Weg in Wimbledon war in der Vergangenheit oft von frühen Niederlagen gegen vermeintlich schwächere Gegner geprägt. Der Hamburger kam beim Rasenklassiker im Südwesten Londons noch nie über das Achtelfinale hinaus, während er bei den anderen drei Grand-Slam-Turnieren bereits im Endspiel stand. Die Situation auf Rasen sei daher eine ganz andere als auf Sand, erklärte der Deutsche. Mit dem Selbstverständnis eines Grand-Slam-Champions hatte der Spitzenspieler die Partie gegen Royer bis auf den kurzen Wackler im dritten Satz klar beherrscht. Der Franzose war kein Gradmesser dafür, ob sich Zverev auch in der entscheidenden Turnierphase behaupten kann. Tempo und Präzision in den Schlägen des Deutschen waren für Royer zu stark.
Das Achtelfinale kann Zverev am Samstag mit einem Sieg gegen den US-Amerikaner Marcos Giron perfekt machen. Schon am Freitag möchte Jan-Lennard Struff gegen den russischen Topspieler Daniil Medwedew überraschen und erstmals in Wimbledon in die Runde der besten 16 einziehen. Struff hatte zuvor in einem Tiebreak-Krimi den favorisierten US-Profi Brandon Nakashima in fünf Sätzen besiegt: 4:6, 7:6 (8:6), 7:6 (7:5), 6:7 (6:8), 7:6 (10:7). 45 Asse halfen dem Warsteiner zum Sieg in diesem außergewöhnlichen Aufschlag-Duell. Von 41 Assen seines Kontrahenten ließ sich der Davis-Cup-Spieler nicht beirren und stellte sein bestes Wimbledon-Resultat ein. „Es ist ein Grand Slam, es ist Wimbledon, es ist schön, ja klar, da ist man top motiviert“, sagte Struff.
Nach dem Zweitrunden-Aus von Yannick Hanfmann gegen den Russen Karen Chatschanow sind Zverev und Struff die einzigen beiden deutschen Teilnehmer, die in der dritten Runde im Einzel noch dabei sind. Zverev zeigte sich trotz des Fehlens des spanischen Topstars Carlos Alcaraz, der verletzungsbedingt nicht antritt, zurückhaltend. Er wolle nicht zu weit nach vorn schauen, da er in Wimbledon in der Vergangenheit selten gegen Top-Ten-Spieler, sondern oft gegen deutlich weiter hinten platzierte Gegner verloren habe. Mit dem Sieg gegen Royer hat Zverev nun aber einen wichtigen Schritt gemacht und sich für die kommenden Aufgaben in Stellung gebracht.



