Wähler mit Migrationshintergrund wenden sich zunehmend von Parteien ab
Laut einer Untersuchung des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung verlieren besonders Union, SPD und Linke an Zuspruch bei Wählern mit Migrationshintergrund. Die AfD kommt bei Zugewanderten aus Ex-Sowjetstaaten besser an.
Wählerinnen und Wähler mit Migrationshintergrund gehen einer neuen Untersuchung zufolge noch stärker auf Distanz zu den politischen Parteien als andere Wahlberechtigte. Das Deutsche Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (Dezim) hat die Wahlneigung verschiedener Bevölkerungsgruppen analysiert und festgestellt, dass der Anteil derjenigen, die eine bestimmte Partei für wählbar halten, im Winter 2024/2025 deutlich geringer war als ein Jahr zuvor.
Besonders betroffen sind demnach Menschen mit Wurzeln in der Türkei, in Nahost, Nordafrika, Afghanistan oder Pakistan. Von ihnen konnte sich zum Zeitpunkt der Befragung nur noch jeder Zweite vorstellen, jemals CDU oder CSU zu wählen, nach 67 Prozent im Vorjahr. Auch die SPD verlor in dieser Gruppe an Zuspruch: Sie rutschte von 71 auf 60 Prozent ab. Die Linke verlor unter Wahlberechtigten mit familiären Wurzeln in diesen Staaten ebenfalls deutlich an Zustimmung.
Die AfD kommt bei Wählern mit Migrationshintergrund insgesamt weniger gut an als bei Wählern, deren Eltern beide von Geburt an Deutsche waren. Eine Ausnahme bilden Menschen mit Wurzeln in Russland oder anderen Staaten der früheren Sowjetunion. In dieser Gruppe konnten sich überdurchschnittlich viele Befragte vorstellen, die Partei zu wählen, die vom Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall beobachtet wird und die Unterstützung der Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen Russland kritisiert.
Die Forscher hatten für ihre Untersuchung nicht gefragt, wen die Teilnehmer wählen würden, wenn schon am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, sondern wie wahrscheinlich es ist, dass sie eine bestimmte Partei jemals wählen würden. Nach dieser Methode hat die SPD bei zugewanderten Wählern und ihren Nachkommen insgesamt noch das größte Wählerpotenzial: Rund zwei Drittel der Wahlberechtigten mit Migrationsgeschichte halten die Sozialdemokraten für wählbar. CDU und CSU belegen laut Dezim mit relativ geringem Abstand den zweiten Platz.
Als Mensch mit Migrationshintergrund im Sinne der Studie gelten Menschen, die einen Elternteil haben, der ohne deutsche Staatsangehörigkeit geboren wurde. Die Ergebnisse der Untersuchung werfen ein Schlaglicht auf die wachsende Entfremdung zwischen Parteien und einem bedeutenden Teil der Wählerschaft, die für die politische Landschaft in Deutschland zunehmend relevant wird.
