Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow entlassen, der erst vor einem halben Jahr ins Amt berufen worden war. Die Entscheidung fiel im Rahmen einer erneuten Regierungsumbildung mitten im russischen Angriffskrieg. Das Parlament bestätigte am Vormittag die Ernennung des bisherigen Leiters des staatlichen Energiekonzerns Naftogaz, Koretskyj, zum neuen Ministerpräsidenten. Fedorow, der als junger Reformer galt und die Armee zuletzt zu bedeutenden Erfolgen geführt hatte, muss die Regierung verlassen. In Kyjiw kam es daraufhin zu Protesten, bei denen Demonstranten die Entscheidung als „Schande“ und „größten Fehler“ bezeichneten. Auch aus Berlin kam scharfe Kritik an dem Schritt.
Fedorow war in der ukrainischen Bevölkerung außergewöhnlich populär. Unter seiner Führung hatte das Verteidigungsministerium Innovationen vorangetrieben und die Korruption innerhalb der Armee konsequent bekämpft. Seine Entlassung wird von vielen Ukrainern als Gefährdung der jüngsten militärischen Erfolge an der Front angesehen. Die Proteste in der Hauptstadt richteten sich direkt gegen Selenskyj, dem vorgeworfen wird, aus machtpolitischen Gründen einen fähigen Minister zu opfern. Beobachter sehen hinter der Entlassung einen Machtkampf zwischen dem Präsidenten und der Armeeführung, der sich in den vergangenen Wochen zugespitzt hatte.
Selenskyj hatte Fedorow ursprünglich als Teil einer umfassenden Reformagenda ins Amt geholt. Der Minister stand für eine Modernisierung der Streitkräfte und eine transparente Beschaffungspolitik, die international Beachtung fand. Seine Entlassung erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem die Ukraine im Krieg gegen Russland auf stabile politische Verhältnisse angewiesen ist. Die Regierungsumbildung ist bereits die zweite innerhalb weniger Monate und wirft Fragen nach der strategischen Ausrichtung Selenskyjs auf. Kritiker befürchten, dass die häufigen Wechsel die Effektivität der Kriegsführung beeinträchtigen könnten.
Die internationale Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. In Berlin äußerten Regierungsvertreter Entrüstung über die Ablösung Fedorows, der als verlässlicher Partner im Kampf gegen die russische Aggression galt. Die deutsche Regierung betonte die Notwendigkeit stabiler Führungsstrukturen in Kyjiw, um die militärische und finanzielle Unterstützung des Westens effizient nutzen zu können. Auch aus anderen NATO-Staaten kamen Signale der Besorgnis. Die USA riefen zur Deeskalation des Machtkampfs auf und warnten vor negativen Auswirkungen auf die gemeinsame Verteidigungsstrategie.
Die genauen Gründe für die Entlassung Fedorows sind offiziell nicht vollständig geklärt. Selenskyj selbst äußerte sich bislang nicht direkt zu dem Schritt, ließ aber durch seinen Sprecher mitteilen, dass die Regierungsumbildung notwendig sei, um neue Impulse zu setzen. Insider berichten von wachsenden Spannungen zwischen Fedorow und der militärischen Führung, die sich gegen seine Reformen gesträubt habe. Der entlassene Minister selbst zeigte sich in einer ersten Stellungnahme enttäuscht, rief aber zur Einheit im Kampf gegen den gemeinsamen Feind auf. Seine Zukunft ist ungewiss, doch viele Ukrainer hoffen auf eine Rückkehr in eine führende Position.
Die Proteste in Kyjiw dauern an. Demonstranten fordern die Rücknahme der Entscheidung und warnen vor einer Destabilisierung der Regierung in einer Zeit, in der die Ukraine jeden Zusammenhalt brauche. Die politische Krise könnte sich weiter verschärfen, falls Selenskyj nicht bald klare Erklärungen für seinen Schritt liefert. Für den Moment bleibt die Lage angespannt, und die internationale Gemeinschaft beobachtet die Entwicklungen mit Sorge. Die Entlassung Fedorows markiert einen der tiefsten Einschnitte in der ukrainischen Politik seit Beginn des Krieges und könnte weitreichende Folgen für den weiteren Verlauf des Konflikts haben.



