Trump spricht sich für ein vereintes Irland aus – London reagiert zurückhaltend
Bei seinem Besuch in Dublin hat US-Präsident Donald Trump überraschend Sympathie für ein vereintes Irland bekundet. Die britische Regierung reagierte verhalten, während die Äußerung in Irland und Nordirland unterschiedliche Reaktionen auslöst.
US-Präsident Donald Trump hat sich bei seinem Besuch in Dublin für ein vereintes Irland ausgesprochen und damit eine Debatte über die Zukunft Nordirlands ausgelöst. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem irischen Ministerpräsidenten Micheál Martin sagte Trump, er würde ein wiedervereinigtes Irland «sehr gerne sehen». Die Äußerung fiel am Rande seines offiziellen Besuchs in der irischen Hauptstadt und sorgte umgehend für internationale Aufmerksamkeit.
Die britische Regierung reagierte zurückhaltend auf die Äußerungen aus Dublin. Aus der Downing Street hieß es, die Zukunft Nordirlands liege allein in den Händen der Menschen in Nordirland. London verwies darauf, dass die verfassungsrechtliche Stellung der Region nicht durch ausländische Regierungschefs bestimmt werde. Eine offizielle Bewertung der Äußerungen Trumps wurde zunächst nicht abgegeben.
Trumps Kommentar markiert eine Abkehr von der jahrzehntelangen Linie der Vereinigten Staaten im Nordirlandkonflikt. Washington hatte traditionell die Rolle eines neutralen Vermittlers zwischen den Konfliktparteien eingenommen und sich nicht öffentlich für eine Wiedervereinigung ausgesprochen. Beobachter werten die Äußerung daher als bemerkenswerten Bruch mit der bisherigen diplomatischen Praxis.
In Irland stießen die Worte auf ein geteiltes Echo. Während einige Politiker die Unterstützung für ein vereintes Irland begrüßten, warnten andere vor einer Einmischung in innenpolitische Angelegenheiten. In Nordirland reagierten unionistische Vertreter ablehnend. Sie betonten, dass die Zugehörigkeit zum Vereinigten Königreich durch das Karfreitagsabkommen von 1998 geregelt sei und nur durch eine Volksabstimmung geändert werden könne.
Das Karfreitagsabkommen beendete jahrzehntelange gewaltsame Auseinandersetzungen in Nordirland. Es sieht vor, dass eine Wiedervereinigung nur dann zustande kommt, wenn sich die Mehrheit der Bevölkerung in Nordirland und in der Republik Irland in getrennten Referenden dafür ausspricht. Seit dem Brexit ist die Frage der irischen Einheit erneut in den Mittelpunkt politischer Debatten gerückt, da Nordirland nun außerhalb der Europäischen Union steht, während die Republik Irland Mitglied bleibt.
Der Besuch Trumps in Dublin stand ursprünglich im Zeichen wirtschaftlicher und sicherheitspolitischer Themen. Neben Handelsfragen und der Zusammenarbeit in der NATO wurden auch die Beziehungen zwischen den USA und der Europäischen Union erörtert. Die unerwartete Äußerung zur irischen Einheit überschattete jedoch die geplanten Gesprächsinhalte und dominierte die Berichterstattung.
Micheál Martin äußerte sich zurückhaltend zu den Worten des US-Präsidenten. Er verwies auf die bestehenden verfassungsrechtlichen Verfahren und betonte, dass die Entscheidung über die Zukunft Irlands allein bei den Menschen auf der Insel liege. Eine direkte Bewertung der Trump-Äußerung vermied der irische Regierungschef.
Die Äußerungen Trumps dürften auch in den kommenden Tagen für Diskussionen sorgen. Politische Beobachter in London, Dublin und Belfast rechnen mit weiteren Reaktionen aus den Parteien und der Zivilgesellschaft. Ob die Worte langfristige Auswirkungen auf die politische Debatte über die irische Einheit haben, ist derzeit offen.
