Sonntag, 13. September 2026 Nachrichten im Zusammenhang Über die Zeitung
Güldendorf Suche

Politik

Asylanträge sinken, Schutzquote steigt auf 47,4 Prozent

Die bereinigte Schutzquote des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge ist im ersten Halbjahr 2026 auf 47,4 Prozent gestiegen. Die Zahl der Erstanträge ging deutlich zurück. Ein EuGH-Urteil zum Schutz von Afghaninnen spielt eine zentrale Rolle.

Asylanträge sinken, Schutzquote steigt auf 47,4 Prozent
Flüchtlingsstatistik: Weniger Asylanträge - Höhere Schutzquote

Die bereinigte Schutzquote für Asylbewerber in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2026 deutlich gestiegen. Sie lag nach Angaben der Bundesregierung bei 47,4 Prozent, nach 37,5 Prozent im Gesamtjahr 2025. Das geht aus einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Die bereinigte Quote berücksichtigt nur inhaltliche Entscheidungen und lässt formelle Ablehnungen, etwa wegen der Zuständigkeit eines anderen EU-Landes, außer Betracht.

Gleichzeitig ist die Zahl der Menschen, die erstmals in Deutschland einen Asylantrag stellen, stark zurückgegangen. Im ersten Halbjahr 2026 wurden 39.646 Erstanträge registriert, im Vorjahreszeitraum waren es 72.818. Afghanistan war das wichtigste Herkunftsland der Antragsteller. Für Menschen aus Afghanistan lag die bereinigte Schutzquote bei 89,3 Prozent, für Menschen aus dem Iran bei 42,2 Prozent. Die Zahl der Geflüchteten aus Syrien ist infolge des Machtwechsels in Damaskus gesunken. Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine müssen in der Europäischen Union keinen Asylantrag stellen, sondern werden auf Basis der Massenzustrom-Richtlinie aufgenommen.

Ein wesentlicher Faktor für den Anstieg der Schutzquote ist ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom Oktober 2024. Darin wurde festgestellt, dass Frauen aus Afghanistan grundsätzlich einen Schutzanspruch haben, weil sie unter der Herrschaft der Taliban seit 2021 entrechtet und verfolgt werden. In der Folge wurde im ersten Halbjahr 2026 bei knapp 95 Prozent der Entscheidungen über Afghaninnen ein Schutzstatus erteilt. Eine wichtige Rolle spielte zudem der Familienschutz: In 21.195 Fällen wurde auf dieser Basis ein Schutzstatus vergeben, das entsprach 45,6 Prozent der positiven Entscheidungen, einschließlich der Abschiebungsverbote.

Kaum praktische Bedeutung hat bislang die im Februar 2024 in Kraft getretene Strafvorschrift gegen unrichtige oder unvollständige Angaben im Asylverfahren. Seitdem gab es laut Bundesregierung insgesamt nur drei Strafanzeigen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge. Eine davon wurde wegen Geringfügigkeit beziehungsweise fehlenden öffentlichen Interesses eingestellt. Die fluchtpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Clara Bünger, kritisierte: «Viele dieser Maßnahmen erweisen sich in der Praxis als wenig hilfreich.»

Ein weiterer Befund der Regierungsantwort betrifft die Identitätsfeststellung. Der Anteil der Antragsteller, die weder einen Pass noch einen Personalausweis oder Passersatzpapiere vorlegten, lag im ersten Halbjahr bei 61,3 Prozent. Besonders hoch war er bei Antragstellern aus Somalia, Algerien, Guinea und Eritrea. Nur selten entscheiden sich die Mitarbeiter des Bamf, das Handy eines Antragstellers ohne Ausweis auszulesen, um Herkunft und Identität zu überprüfen. In den ersten sechs Monaten wurden mobile Datenträger von 3,5 Prozent der Erstantragsteller ohne Pass oder Passersatz ausgelesen. Insgesamt wurden 853 Handys ausgelesen, aber nur 263 Berichte freigegeben und ausgewertet.

Die Linksfraktion wirft der Bundesregierung vor, sich zu stark auf unerlaubte Einreisen und Binnengrenzkontrollen zu konzentrieren. Viele Asylantragsteller seien legal mit einem Visum eingereist oder als Touristen aus Ländern gekommen, für die keine Visumpflicht besteht. In den ersten drei Monaten des Jahres 2026 betraf das mehr als 5.500 Asylantragsteller, die meisten aus Afghanistan, Syrien, der Türkei und dem Iran. Insgesamt 3.290 Asylsuchende kamen im ersten Halbjahr aus Ländern, deren Staatsbürger als Touristen visumfrei einreisen können, etwa Georgien, Moldau oder Venezuela. Weitere 6.962 Asylerstanträge wurden für Kinder gestellt, die in Deutschland geboren wurden. Das waren rund 17,6 Prozent aller Erstanträge.

Helena Beckmann

Autor

Kulturkorrespondentin

Helena Beckmann berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.