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Merz bei erstem Ost-Wahlkampfauftritt ausgepfiffen und beschimpft

Bei seinem ersten Wahlkampfauftritt in Ostdeutschland ist Bundeskanzler Friedrich Merz in Kühlungsborn teils ausgepfiffen und beschimpft worden. Ein geplantes Pressestatement entfiel kurzfristig.

Merz bei erstem Ost-Wahlkampfauftritt ausgepfiffen und beschimpft
Kühlungsborn: Friedrich Merz von Demonstranten beschimpft und ausgepfiffen

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist bei seinem ersten Wahlkampfauftritt in Ostdeutschland teils ausgepfiffen und beschimpft worden. Auf der Strandpromenade des Ostseebads Kühlungsborn in Mecklenburg-Vorpommern bezeichneten einige Menschen den CDU-Vorsitzenden als „Kriegstreiber“ und „Pinocchio“ oder skandierten „Rücktritt“. Die lautstarken Proteste stießen jedoch auch auf Widerspruch aus dem Publikum: Andere Anwesende appellierten an den Anstand der Merz-Gegner.

Ein eigentlich angekündigtes Pressestatement des Kanzlers fand nicht statt. Eine Begründung dafür gab es auf Anfrage aus dem CDU-Team zunächst nicht. Stattdessen unterhielt sich Merz an einem CDU-Wahlkampfstand über Absperrgitter hinweg mit Menschen aus dem Publikum. Zuvor hatte er in einem Kühlungsborner Fischrestaurant ein Fischbrötchen gegessen und es mit „exzellent gut“ kommentiert.

Auch dort blieb es nicht durchweg harmonisch: Der Sohn des Gaststätten-Inhabers, der selbst Fischer ist, schilderte Merz die aus seiner Sicht bestehenden Probleme für die Küstenfischerei in Mecklenburg-Vorpommern. Er verwies auf Fangbeschränkungen und die Konkurrenz durch Kegelrobben, die die Bestände auffressen. Man sei auf dem Weg, „die Küstenfischerei in MV abzuschaffen“, sagte der Fischer. Merz entgegnete, man müsse auch verstehen, woher die Probleme kämen, und betonte die Notwendigkeit, Bestände zu schützen.

Der Besuch hatte zunächst bei Sonnenschein begonnen. Als Merz auf die Strandpromenade ging, zogen dunkle Wolken über der Ostsee auf; teils regnete es, blitzte und donnerte. Begleitet wurde der Kanzler in Kühlungsborn von CDU-Spitzenkandidat Daniel Peters und seinem Staatsminister im Kanzleramt, Philipp Amthor.

Von Kühlungsborn wollte Merz nach Sachsen-Anhalt weiterreisen, wo am kommenden Sonntag ein neuer Landtag gewählt wird. Die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern findet zwei Wochen später statt. In Sachsen-Anhalt verzichtet Merz auf einen größeren Wahlkampfauftritt: In Quedlinburg im Harz nimmt er am Abend an einer Gesprächsrunde mit Landtagskandidaten teil, lässt sich von Ministerpräsident Sven Schulze durch den Schlossgarten führen und will sich anschließend gemeinsam mit dem CDU-Spitzenkandidaten vor Kameras äußern.

Schulze, der 47-jährige Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, grenzt sich im Wahlkampf deutlich von der Bundespartei ab. Im Sommer stellte er sich gemeinsam mit den anderen beiden ostdeutschen CDU-Ministerpräsidenten gegen ein Kernelement des schwarz-roten Rentenreformkonzepts – die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren. Schulze betont wiederholt, es sei nicht seine Aufgabe, der Agenda der Bundesregierung beizupflichten; er vertrete die Interessen seines Landes.

Helena Beckmann

Autor

Kulturkorrespondentin

Helena Beckmann berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.