Israelis wählen bei hoher Beteiligung, Rennen um Mehrheit gilt als offen
Bei der Parlamentswahl in Israel liegt die Wahlbeteiligung so hoch wie seit 1977 nicht mehr. Umfragen sehen Ministerpräsident Netanjahu und seinen Herausforderer Gadi Eisenkot in einem Kopf-an-Kopf-Rennen.
Bei der Parlamentswahl in Israel zeichnet sich eine außergewöhnlich hohe Beteiligung ab. Bis 12 Uhr Ortszeit hatten nach Angaben der zentralen Wahlkommission 31,5 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Das sind mehr als drei Prozentpunkte mehr als bei der letzten Wahl 2022 und der höchste Wert zu diesem Zeitpunkt seit 1977.
Vor zahlreichen Wahllokalen bildeten sich lange Schlangen. Augenzeugen berichteten davon aus der Küstenmetropole Tel Aviv ebenso wie aus der arabisch geprägten Stadt Taibe. Laut Medienberichten reisten zudem rund 70.000 Israelis aus dem Ausland an, um vor Ort abzustimmen. Die Wahlkommission verwies in ihren ersten Angaben darauf, dass es sich um Zwischenstände handelt, die sich im Laufe des Tages noch verändern können.
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und seine Frau Sara gaben ihre Stimme in einem Wahllokal in Jerusalem ab. Sie appellierten: »Geht wählen!« Auch sein wichtigster Herausforderer, der frühere Militärchef Gadi Eisenkot, rief zur Teilnahme auf. Er sagte: »In Israel weht ein Wind der Veränderung.« Eisenkot steht an der Spitze der Mitte-Partei Jaschar und gilt als Netanjahus wichtigster politischer Gegner.
Die Wahl wird als Schicksalswahl für die innen- und gesellschaftspolitische Ausrichtung des Landes bezeichnet. Dabei geht es vor allem um die Frage, wie sich Israel innenpolitisch und gesellschaftlich entwickeln soll. Eine Neuausrichtung der Palästinenserpolitik erwarten Experten dagegen nicht, unabhängig davon, welches Lager die Wahl gewinnt.
Die letzten Umfragen vom Freitag sahen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Netanjahu und dessen politischen Gegnern. Wer am Ende eine Mehrheit im Parlament hat, war damit noch nicht absehbar. Eine hohe Beteiligung wird in Israel häufig als Zeichen gewertet, dass viele Wählerinnen und Wähler einen Richtungswechsel für möglich halten, doch belastbare Schlüsse lassen sich daraus erst nach der Auszählung ziehen.
In Ramat Gan meldete das Nachrichtenportal ynet den Tod eines 94 Jahre alten Wählers. Seine Tochter berichtete, der Mann sei nach der Rückkehr vom Wahllokal am Eingang seines Hauses zusammengebrochen. Der Vorfall unterstreicht, wie stark viele Israelis die Stimmabgabe an diesem Tag als Pflicht empfanden. Ob die hohe Beteiligung dem Regierungslager oder der Opposition nützt, lässt sich nach Lage der Berichte noch nicht sagen. Der Ausgang gilt als völlig offen.
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