Zwei Drittel der Menschen in Deutschland erkennen in den jüngsten Rekordtemperaturen einen Zusammenhang mit der globalen Erwärmung. Das geht aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur hervor. Demnach bejahten 66 Prozent der 2.230 befragten Wahlberechtigten die Frage, ob solche Hitzephasen mit dem Klimawandel zu tun haben. 24 Prozent verneinten dies, zehn Prozent antworteten mit «weiß nicht».
Die Hitzewelle, die ab Mitte Juni in Deutschland Rekordtemperaturen brachte, hat nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) rund 5.100 Menschen das Leben gekostet. Die Umfrage wurde zwischen dem 10. und dem 13. Juli durchgeführt, also unmittelbar nach dieser extremen Hitzeperiode. Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Anhängern verschiedener politischer Parteien.
Besonders groß ist die Kluft bei den Anhängern der AfD: Nur 29 Prozent von ihnen sehen einen Zusammenhang zwischen der Rekordhitze und dem Klimawandel, während 60 Prozent dies verneinen. Die AfD-Parteispitze äußert öffentlich Zweifel an einem von Menschen verursachten Klimawandel. Ganz anders die Anhänger der Grünen: 96 Prozent von ihnen sind überzeugt, dass die Rekordtemperaturen mit der globalen Erwärmung zusammenhängen. Bei den SPD-Anhängern sind es 86 Prozent, bei der Linken 84 Prozent, bei der Union 73 Prozent, bei der FDP 64 Prozent und beim Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) 60 Prozent.
Die Wissenschaft weltweit ist sich weitgehend einig, dass ein Zusammenhang zwischen der globalen Erwärmung und extremen Wetterereignissen besteht. Dennoch zeigt die Umfrage auch eine große Skepsis gegenüber den Möglichkeiten, diesen Entwicklungen entgegenzuwirken. Nur 49 Prozent aller Befragten erwarten, dass Klimaschutz in Deutschland dazu beitragen kann, solche extremen Hitzephasen abzumildern. 41 Prozent glauben, dass Klimaschutz in Deutschland nichts bewirken kann, zehn Prozent antworteten auch hier mit «weiß nicht».
Besonders skeptisch sind auch in dieser Frage die AfD-Anhänger: Nur 16 Prozent von ihnen geben an, die deutsche Klimaschutzpolitik könne etwas bewirken. Bei den BSW-Wählern sind es 34 Prozent, bei der FDP 44 Prozent. Die Anhänger von CDU/CSU liegen mit 48 Prozent knapp unter dem Durchschnitt. Deutlich darüber liegen die Anhänger von SPD und Linken mit jeweils 67 Prozent sowie die der Grünen mit 90 Prozent.
Die Umfrageergebnisse verdeutlichen, wie stark die Wahrnehmung des Klimawandels und die Einschätzung der Wirksamkeit von Klimaschutzmaßnahmen in der deutschen Bevölkerung von der politischen Orientierung abhängen. Während eine große Mehrheit der Deutschen die Rekordhitze mit dem Klimawandel verbindet, bleibt die Frage, ob nationale Klimaschutzpolitik tatsächlich etwas gegen die zunehmenden Extremwetterereignisse ausrichten kann, tief gespalten.
Die Hitzewelle im Juni 2026 hatte in Deutschland neue Temperaturrekorde aufgestellt und zu einer erhöhten Sterblichkeit geführt. Das RKI hatte die Zahl der hitzebedingten Todesfälle auf rund 5.100 geschätzt. Solche Ereignisse treten nach Einschätzung von Klimaforschern durch die globale Erwärmung häufiger und intensiver auf. Die Umfrage zeigt, dass die Bevölkerung diese Entwicklung mehrheitlich zur Kenntnis nimmt, aber die politischen Lager in der Bewertung weit auseinanderliegen.



