Ukrainische Drohnenangriffe haben auf der von Russland besetzten Halbinsel Krim großflächige Stromausfälle verursacht. Der von Moskau eingesetzte Gouverneur Sergej Aksjonow erklärte laut der russischen Nachrichtenagentur Tass, dass mehr als zehn Bezirke ganz oder teilweise ohne Strom seien. Der Feind greife das Stromnetz der Halbinsel täglich mit Drohnen an, die Lage sei schwierig. Angaben zur Zahl der betroffenen Menschen machte Aksjonow nicht.
Die ukrainischen Streitkräfte haben in den vergangenen Tagen ihre Angriffe auf militärische Ziele auf der Krim verstärkt. Dabei gerät zunehmend auch die Energieinfrastruktur ins Visier. Die wiederholten Attacken zielen darauf ab, die russischen Nachschubwege für die Fronten im Osten der Ukraine zu unterbrechen. Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs in Kiew wurde dabei eine Brücke im Gebiet Krasnogwardejsk im Zentrum der Krim vollständig zerstört. Damit sei die Versorgung der russischen Truppen mit Nachschub deutlich erschwert worden. Zudem seien Radaranlagen und eine Anlage zur elektronischen Aufklärung bei Sewastopol von Drohnen angegriffen worden. Eine unabhängige Bestätigung dieser Angaben liegt nicht vor.
Die russischen Streitkräfte hatten zuvor immer wieder massive Stromausfälle in der Ukraine verursacht, insbesondere im Winter, um die Zivilbevölkerung unter Druck zu setzen. Nun richten sich ukrainische Angriffe vermehrt gegen die Energieversorgung auf der Krim. Die wirtschaftlichen Folgen für Russland werden zunehmend spürbar. Wegen Treibstoffknappheit plant Moskau offenbar den Import von Kerosin aus Japan. Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters sollen mindestens 200.000 Barrel Kerosin in der ersten Julihälfte im japanischen Chiba verladen und zunächst nach Südkorea verschifft werden. An dem komplexen Geschäft sind mehrere Händler beteiligt. Die Treibstoffkrise ist eine Folge ukrainischer Drohnenangriffe auf russische Ölraffinerien und Depots. Die Regierung in Moskau hat bereits Beschränkungen für den Kauf von Treibstoff verhängt, während Landwirte warnen, die Ernte sei gefährdet. Die Schwarzmeer-Hafenstadt Noworossijsk, der größte russische Öl-Exporthafen am Schwarzen Meer, hat den Benzinverkauf an Privatpersonen ausgesetzt. Benzin wird nur noch über Tankkarten an städtische Dienste und Unternehmen ausgegeben.
Unterdessen hat die Bundesregierung auf Berichte reagiert, wonach Chinas Armee aktiv russische Soldaten ausbildet. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ bestellte das Auswärtige Amt den chinesischen Botschafter in Berlin ein. Außenminister Johann Wadephul (CDU) bezeichnete die offene Unterstützung Chinas als „sehr besorgniserregend“. Russland sei die größte Bedrohung der euro-atlantischen Sicherheit. China ist im Ukraine-Krieg offiziell neutral, unterstützt Russland jedoch durch die Lieferung sensibler Güter für die Rüstungsindustrie. Die Bundesregierung mache in allen Gesprächen mit der chinesischen Seite deutlich, wie stark die Sorge über Chinas Unterstützung für Russland sei, sagte Wadephul. Auch Bundeskanzler Merz habe das Thema bei seinem Besuch in China im Februar gegenüber Staats- und Parteichef Xi Jinping angesprochen. Die Bitte um ein dringliches Gespräch ist ein Mittel des deutlichen diplomatischen Protests, aber noch keine formelle Einbestellung.
Bei einem russischen Gleitbombenangriff auf die frontnahe südostukrainische Großstadt Saporischschja ist mindestens ein Zivilist getötet worden. Fünf weitere Menschen wurden verletzt, teilte der Militärgouverneur des Gebiets, Iwan Fedorow, auf Telegram mit. Durch die Bombe wurde das Gebäude eines Industrieunternehmens beschädigt. Die Frontlinie zwischen russischen und ukrainischen Truppen verläuft etwa 20 Kilometer südlich der Industriestadt.
Die Nato-Staaten haben sich unterdessen auf neue milliardenschwere Militärhilfen für die Ukraine geeinigt. Das Versprechen soll beim Nato-Gipfel in Ankara offiziell verkündet werden. Vertreter der 32 Bündnisstaaten verständigten sich in den abschließenden Beratungen über die geplante Gipfelerklärung. Die Ukraine fordert angesichts der anhaltenden russischen Angriffe weiterhin verstärkte Unterstützung durch westliche Partner.



