Ukraine greift erneut Erdgas-Anlage in russischer Region Krasnodar an
Die ukrainischen Streitkräfte haben erneut Einrichtungen der russischen Energiewirtschaft aus der Luft angegriffen. Ziel war eine Erdgas-Anlage in der Region Krasnodar. Der Angriff ist Teil der anhaltenden Bemühungen Kiews, die russische Versorgungsinfrastruktur zu schwächen.
Die ukrainischen Streitkräfte haben erneut Einrichtungen der russischen Energiewirtschaft aus der Luft angegriffen. Wie aus Militärkreisen verlautete, richtete sich der Angriff gegen eine Erdgas-Anlage in der russischen Region Krasnodar. Der Vorfall reiht sich ein in eine Serie von ukrainischen Attacken auf die Energieinfrastruktur Russlands, die darauf abzielen, die Versorgung der russischen Armee und der Kriegswirtschaft zu beeinträchtigen.
Die Region Krasnodar liegt im Süden Russlands und grenzt an das Asowsche und das Schwarze Meer. Sie ist ein wichtiger Knotenpunkt für die Energieversorgung des Landes. Durch die Region verlaufen mehrere Pipelines, die Erdgas und Erdöl zu den Häfen am Schwarzen Meer und weiter in den Westen transportieren. Ein Angriff auf eine Erdgas-Anlage in diesem Gebiet könnte daher erhebliche Auswirkungen auf die russischen Exportkapazitäten haben.
Die ukrainische Führung hat in den vergangenen Monaten wiederholt erklärt, dass die Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur ein legitimes Mittel der Selbstverteidigung seien. Aus Sicht Kiews handelt es sich dabei um eine direkte Antwort auf die russischen Luftangriffe auf ukrainische Kraftwerke und Stromnetze, die seit Beginn des Krieges immer wieder zu großflächigen Stromausfällen in der Ukraine geführt haben. Die Strategie der Ukraine zielt darauf ab, die finanziellen Einnahmen Russlands aus dem Energieexport zu reduzieren und gleichzeitig die Logistik der russischen Streitkräfte zu stören.
Die Lage an der Front und im Hinterland der Ukraine bleibt unterdessen angespannt. Der deutsche Außenminister Johann Wadephul, der kürzlich die Stadt Charkiw im Nordosten der Ukraine besuchte, beschrieb die Situation als dramatisch. Bei seinem Besuch machte er sich ein Bild von den Zerstörungen durch russische Angriffe auf die zivile Infrastruktur. Er berichtete von zerstörten Tankstellen, Wohngebäuden und Lagerhallen sowie von ständigem Luftalarm in der Region. Wadephul betonte, dass die Ukraine eine bessere Luftverteidigung, mehr Abfangdrohnen und mehr Munition benötige, um sich gegen die russischen Angriffe zu verteidigen.
Besonders besorgt zeigte sich der Außenminister über die gezielten russischen Angriffe auf die Versorgungsinfrastruktur der Ukraine. Er verwies auf die Notwendigkeit dezentraler Strom-, Wasser- und Wärmeversorgung, um die Bevölkerung durch den kommenden Winter zu bringen. Die Wasserversorgung bezeichnete er als eine Achillesferse der ukrainischen Städte. Die Menschen in Charkiw hätten gelernt, mit der Gefahr zu leben, so Wadephul, und sich trotz des Krieges Zeichen der Normalität erkämpft. Der Schulunterricht werde in U-Bahn-Höfe verlagert, dort würden Lebensmittel verteilt und Elektrizität dezentral erzeugt.
Der Besuch des deutschen Außenministers in Charkiw war auch ein Zeichen der Solidarität. Wadephul erklärte, Deutschland lasse sich in seiner Unterstützung des Freiheitskampfes der Ukraine nicht einschüchtern. Er forderte, die Hilfe nicht nachlassen zu lassen, sondern eher noch zu verstärken. Die Unterstützung Deutschlands habe entscheidend dazu beigetragen, dass die Ukraine im fünften Kriegsjahr noch bestehe. Der russische Präsident Wladimir Putin habe das Land in drei Tagen erobern wollen, habe dies aber nicht geschafft und werde es auch nicht schaffen, so Wadephul.
