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Ukraine erhält Milliardenhilfen und kündigt weiteren Widerstand an

Zum 35. Jahrestag der Unabhängigkeit erhält die Ukraine neue westliche Militärhilfen in Milliardenhöhe. Der Kreml reagiert unterdessen mit einem Dekret auf ukrainische Angriffe auf eine Ölraffinerie. Die „Koalition der Willigen“ zeigt sich von russischen Drohungen unbeeindruckt.

Ukraine erhält Milliardenhilfen und kündigt weiteren Widerstand an
Ukraine-Krieg: Russische Raffinerie stillgelegt – Putin greift durch

Die Ukraine hat zum 35. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit weitere westliche Militärhilfe für den Kampf gegen den russischen Angriffskrieg erhalten. Die Europäische Union genehmigte neue Rüstungshilfen im Wert von 6,1 Milliarden Euro. Die Mittel seien für Flugabwehrsysteme, Raketen, Munition und Radaranlagen vorgesehen, teilte die EU-Kommission mit. Der neue britische Premierminister Andy Burnham absolvierte derweil seinen ersten Auslandsbesuch in der Ukraine und sicherte dem Land Militärhilfe zu. London genehmigte zudem den Antrag der ukrainischen Regierung für den Bau von weitreichenden Marschflugkörpern mit britischer „Storm Shadow“-Technologie.

Präsident Wolodymyr Selenskyj empfing die internationalen Gäste, darunter die Staats- und Regierungschefs aus Luxemburg, Lettland, Moldau, Litauen, Finnland und Estland sowie EU-Ratspräsident António Costa, zum Nationalfeiertag bei Sonnenschein auf dem Sophienplatz in Kiew. Dabei wurde in einer Schweigeminute auch der Opfer des seit viereinhalb Jahren dauernden russischen Angriffskriegs gedacht. Die Ukraine erlangte am 24. August 1991 ihre Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Selenskyj nutzte den Tag für eine Kampfansage an Kremlchef Wladimir Putin, der den Krieg begonnen hatte. Russland müsse durch die Einheit der internationalen Gemeinschaft in die Knie gezwungen werden, sagte Selenskyj in einer Videobotschaft. Er kündigte darin weiteren Widerstand an: „Die Ukraine wird das schaffen. Die Ukraine hat bereits Aufgaben bewältigt, die anfangs unüberwindbar schienen.“

Die westlichen Unterstützer der Ukraine zeigen sich von den anhaltenden Drohungen Russlands unbeeindruckt. Die Ukraine müsse „in ihrem Kampf zur Verteidigung ihrer Souveränität, Freiheit und territorialen Unversehrtheit“ weiter unterstützt werden, teilten Bundeskanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Andy Burnham in einer Mitteilung nach einer Videoschalte der sogenannten „Koalition der Willigen“ als Co-Gastgeber mit. Die Ukraine habe das „ureigene Recht“, sich gegen den russischen Angriffskrieg zu verteidigen, hieß es in der gemeinsamen Stellungnahme. „Unverantwortliche Drohungen seitens Russlands“ würden der Unterstützung der Ukraine durch die europäischen Länder keinen Abbruch tun. Man sei entschlossen, „die militärische Unterstützung für die Ukraine zu erhöhen, als besonders dringliche Aufgabe die Flugabwehr der Ukraine zu stärken, die Zusammenarbeit mit ihrer Rüstungsindustrie zu verbessern und einschlägige Technologien zu teilen“.

In Moskau sorgte die Ankündigung aus London bereits am Morgen für harsche Kritik: Kremlsprecher Dmitri Peskow warf Großbritannien vor, mit den Plänen „methodisch und regelmäßig Öl ins Feuer“ des Kriegs zu gießen. Russland droht demnach mit „einer Zerstörung der entsprechenden Objekte“. Großbritanniens Premier Burnham bezeichnete die russischen Drohungen hingegen als „unerhört“.

Der Kreml reagierte unterdessen mit einem weitreichenden Dekret auf ukrainische Angriffe. Die russische Ölraffinerie in Perm hat nach einem ukrainischen Drohnenangriff Insidern zufolge ihren Betrieb eingestellt. Die Attacke vom 21. August etwa 1.500 Kilometer von der Ukraine entfernt habe ein Feuer und Schäden an den technischen Anlagen verursacht. Die Raffinerie gehört zu den größten Ölverarbeitungsbetrieben Russlands und ist für die Versorgung mehrerer Regionen von Bedeutung. Die genauen Folgen des Stillstands für die russische Treibstoffproduktion waren zunächst unklar.

Trotz ständiger russischer Luftangriffe sind die ukrainischen Häfen am Schwarzen Meer nach Regierungsangaben aus Kiew nicht komplett blockiert. „Jeweils drei bis vier Schiffe fahren täglich in den Großraum Odessa hinein und wieder hinaus“, sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj auf einer Pressekonferenz am ukrainischen Unabhängigkeitstag in Kiew. Allerdings sei der Hafenumschlag vor Beginn der russischen Drohnen- und Raketenangriffe drei- bis viermal so hoch gewesen. Zuvor hatte der ukrainische Agrarminister Taras Wyssozkyj mehrfach von einer totalen Blockade der Häfen im Großraum Odessa gesprochen. Moskau hatte seine Angriffe im Juli nach dem Beginn von ukrainischen Attacken auf Schiffe mit russischem Öl und Getreide ausgeweitet.

Wenige Tage nach der Ankündigung geplanter Konzerte des umstrittenen US-Rappers Ye im russischen St. Petersburg stehen die Auftritte vor dem Scheitern. Es seien keine Verträge zur Anmietung des Stadions unterzeichnet worden, teilte die Gazprom Arena auf ihrer Webseite mit. „Dementsprechend kann das Konzert nicht auf unserem Gelände stattfinden“, hieß es. Der Moskauer Konzertveranstalter erklärte wiederum auf seinem Telegram-Kanal, dass die Frist für die Unterzeichnung der Verträge erst am Mittwoch auslaufe. „Derzeit ist das Ye-Konzert nicht abgesagt!“, schrieb die Say-agency. Man versuche, sich mit der Gazprom Arena in Verbindung zu setzen. Der auch als Kanye West bekannte US-Musiker plante Auftritte in der Heimatstadt des russischen Präsidenten für den 10. und 11. Oktober. Nach Bekanntwerden der Daten gab es einen Ansturm unter anderem auf Bahntickets in die russische Metropole an der Newa.

Helena Beckmann

Autor

Kulturkorrespondentin

Helena Beckmann berichtet für Güldendorf über Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Kultur und aktuelle Ereignisse. Der Schwerpunkt liegt auf Prüfung, Kontext und verständlicher Einordnung.