Trump-Regierung droht im Streit um Kennedy-Center offen mit Abriss
Im Rechtsstreit um die Sanierung des Kennedy Centers in Washington verschärft die Trump-Regierung ihre Rhetorik: In einem Gerichtsdokument droht das Justizministerium erstmals offen mit dem Abriss des Kulturhauses, falls eine zweijährige Schließung nicht genehmigt wird.
Die Trump-Regierung hat im Streit um die Zukunft des Kennedy Centers in Washington ihre Rhetorik deutlich verschärft und erstmals offen mit dem Abriss des berühmten Kulturhauses gedroht. In einem Gerichtsdokument warnt das Justizministerium, ohne eine zweijährige vollständige Schließung für Renovierungsarbeiten werde das Zentrum weiter verfallen und letztlich zu einem „unsicheren, heruntergekommenen Bau“, der abgerissen werden müsse. Die Anwälte des Ministeriums bezeichnen das Haus zudem als „peinlich für die Hauptstadt“.
Bislang hatte die Leitung des Kennedy Centers lediglich von einer umfassenden technischen Erneuerung gesprochen: Austausch von Bühnenliften, weitreichende Elektroarbeiten und Abdichtung gegen Lecks – all das ließe sich nach ihrer Darstellung in zwei Jahren erledigen, wenn das Haus in dieser Zeit geschlossen bleibt. Von einem möglichen Abriss war bisher nie die Rede. Nun skizziert die Regierung in dem Schriftsatz sogar ein alternatives Szenario: ein großes Freiluft-Amphitheater mit Blick auf den Potomac-Fluss, das zwar einfacher und günstiger zu bauen und zu betreiben wäre, nach eigener Einschätzung aber Präsident John F. Kennedy „weniger angemessen ehren“ würde.
Seit Monaten gibt es Klagen und Kritik von Demokraten, Musikern und Mitgliedern der Kennedy-Familie. Die Regierung verweist derweil auf Donald Trumps angebliche Expertise in Immobilien und präsentiert ihn als besonders qualifiziert für das Projekt. Parallel versucht der von Trump ernannte Vorstand, den Namen des Präsidenten erneut an der Fassade anzubringen – obwohl ein Gericht eine frühere Umbenennung untersagt hatte. Die demokratische Abgeordnete Joyce Beatty will sowohl die vollständige Schließung als auch die Namenspläne vor Gericht stoppen; sie wirft dem Gremium eine überhastete Entscheidung ohne ausreichende Informationen vor. Am Donnerstag soll ein Gericht in Washington über Schließung und Namensstreit weiter verhandeln – und damit auch darüber, wie weit die Abrissdrohung als politisches Druckmittel trägt.
Die Finanzlage des Kennedy-Centers hat sich nach der Übernahme durch Trump und der Umbenennung nach ihm einem Bericht zufolge deutlich verschlechtert. Wie die „Washington Post“ unter Berufung auf interne Unterlagen berichtet, sind Ticketverkäufe und Spenden nach Trumps Machtübernahme und insbesondere nach der Namensänderung massiv eingebrochen. Demnach hatte das Haus für das laufende Haushaltsjahr Einnahmen von rund 220 Millionen Dollar eingeplant, erwartet werden nun aber nur etwa 124 Millionen Dollar. Trotz deutlicher Einsparungen rechne das Kennedy Center mit einem Defizit von rund 23 Millionen Dollar und verfehle sein Einnahmenziel damit um fast 100 Millionen Dollar, zitiert die Zeitung interne Prognosen. Experten sprechen dem Bericht zufolge von einem außergewöhnlich starken Rückgang im Vergleich zu anderen großen US-Kulturinstitutionen.
Trumps Lager macht die frühere Führung des Zentrums für die Probleme verantwortlich und verweist auf Renovierungspläne, zusätzliche Spenden und umfangreiche Bundesmittel für Bauarbeiten. Eine nicht von Trump ernannte Treuhänderin klagt hingegen gegen den Vorstand und kritisiert die beschlossene zweijährige Schließung für Umbauten als Fehlentscheidung, die die Folgen der politisch umstrittenen Umbenennung kaschieren solle.
Der Streit um das Kennedy Center ist Teil einer Reihe von Maßnahmen der Trump-Regierung, die immer wieder für Kontroversen sorgen. So drohte Trump im Handelsstreit mit Kanada zuletzt mit der Umbenennung des Ontariosees in „Lake America“. Im vergangenen Jahr hatte er bereits den Golf von Mexiko in Golf von Amerika umbenannt, was international allerdings weitgehend nicht adaptiert wurde.
