Russischer Langstreckenbomber Tu-95 abgestürzt – sechs Tote
Im Fernen Osten Russlands ist ein Langstreckenbomber vom Typ Tu-95 bei einem Trainingsflug abgestürzt. Sechs Besatzungsmitglieder starben, ein weiteres wurde verletzt. Der ukrainische Verteidigungsminister sagte wegen der anhaltenden russischen Angriffe eine Deutschlandreise ab.
Im Fernen Osten Russlands ist am Dienstag ein Langstreckenbomber vom Typ Tu-95 abgestürzt. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums kamen dabei sechs Besatzungsmitglieder ums Leben, ein weiteres wurde verletzt in ein Krankenhaus gebracht. Die Maschine stürzte bei einem Trainingsflug in der Region Amur an der Grenze zu China über unbewohntem Gebiet ab. Die Nachrichtenagentur Tass zitierte eine entsprechende Mitteilung des Ministeriums.
Die Region Amur liegt im äußersten Südosten Russlands und grenzt unmittelbar an die Volksrepublik China. China ist im Krieg zwischen Russland und der Ukraine offiziell neutral, unterstützt Moskau jedoch mit wichtigen Bauteilen wie Halbleitern. Im Gegenzug erhält China Rohstoffe aus Russland. Der Absturz eines strategischen Bombers dieses Typs wirft Fragen zur technischen Zuverlässigkeit der russischen Luftstreitkräfte auf, die im Krieg gegen die Ukraine stark beansprucht werden.
Unterdessen hat der ukrainische Verteidigungsminister Jewhenij Chmara eine für Dienstag geplante Reise nach Deutschland abgesagt. Sein Ministerium erklärte, Chmara werde wegen der Lage in der Ukraine und der Intensivierung der russischen Angriffe nicht wie vorgesehen nach Deutschland und Norwegen reisen. Die Attacken erforderten ein sofortiges Handeln und schnelle Gegenmaßnahmen des Ministers.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, Nordkorea bereite eine weitere umfangreiche Unterstützung des russischen Angriffskriegs vor. Demnach plane Pjöngjang die Entsendung von weiteren 10.000 Soldaten nach Russland. Auf russischem Territorium befänden sich bereits mehr als 8.000 Soldaten aus Nordkorea, schrieb Selenskyj auf der Plattform X. Eine russische oder nordkoreanische Stellungnahme lag zunächst nicht vor.
Bei einer Serie russischer Angriffe auf die ukrainische Hauptstadt Kiew wurde nach offiziellen Angaben auch eine Klinik getroffen. Selenskyj schrieb auf Telegram, die Rettungskräfte versuchten derzeit, den Brand schnellstmöglich zu löschen. Angaben zu möglichen Opfern dieses Angriffs wurden zunächst nicht gemacht. Kurz zuvor war das Gebäude der Akademie der Wissenschaften in Kiew getroffen worden. Nach offiziellen Angaben vom Abend gab es dabei zwei Todesopfer. Bürgermeister Vitali Klitschko teilte mit, bei russischen Angriffen seien im Tagesverlauf in der Hauptstadt 24 Menschen verletzt worden.
Die private Klinikkette Dobrobut bestätigte der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine zunächst einen Einschlag in einer Einrichtung. Später nannte das Unternehmen die betroffene Niederlassung. Vor dem Einzug der Klinik beherbergte das Gebäude eine Filiale des Telekommunikationsunternehmens Ukrtelecom. Unmittelbar neben dem Gebäude der Akademie befindet sich der Hauptsitz der Ukrtelecom. Das etwa 150 Meter entfernt gelegene Gebäude der deutschen Botschaft blieb unbeschädigt. Die Vertretung der Bundesrepublik teilte mit, die Angehörigen der Botschaft seien alle unversehrt geblieben. Die Sicherheitsmaßnahmen würden jedoch insbesondere nach derartigen Treffern überprüft.
Bereits am Montag hatte Selenskyj erklärt, Russland habe mit einer zusätzlichen Mobilmachung begonnen. Er berief sich auf Erkenntnisse der ukrainischen Geheimdienste. Seit Monaten wird über eine neue Mobilmachung in Russland spekuliert, um die starken Verluste an den Frontlinien in der Ukraine auszugleichen. Kremlchef Wladimir Putin hat solche Befürchtungen bisher kategorisch zurückgewiesen.
Im Rahmen der Offensivoperation «Vivaldi» hat das ukrainische 3. Armeekorps nach eigenen Angaben mehrere Ortschaften in der Region Donezk zurückerobert. Brigadegeneral Andrij Biletskyj meldete die Befreiung von Nowe, Ridkodub und Kateryniwka sowie die Wiederherstellung der Kontrolle über Karpiwka und Nowomychajliwka – insgesamt 51 Quadratkilometer. Seit Operationsbeginn seien damit 176 Quadratkilometer zurückgewonnen worden. Die russischen Verluste bezifferte das Korps auf rund 2.000 Soldaten; mehr als 250 sollen in Gefangenschaft geraten sein, darunter Offiziere, Piloten und Artilleristen, die sich laut Biletskyj «in ganzen Einheiten» ergeben hätten.
Den Durchbruch ermöglichte demnach auch eine gezielte Täuschung: Die russischen Streitkräfte verlegten ihre Reserven in Erwartung eines Hauptangriffs auf die Achse Schandryholowe–Selenyj Dolyna und ließen sich dort in Gegenangriffen aufreiben. Der eigentliche Stoß galt jedoch der Ortschaft Nowe, die die Russen nach Angaben Biletskyjs «verschlafen» hätten. Zum Einsatz kamen dabei auch sowjetische Schützenpanzer vom Typ BTR-60 aus den 1950er und 1960er Jahren, die zu robotisierten Kamikaze-Systemen umgerüstet worden waren. Mit ihnen seien die stärksten russischen Befestigungsanlagen gesprengt worden. Nach eigenen Angaben hat das 3. Armeekorps als erste Einheit weltweit unbemannte Bodenfahrzeuge per Drohne tief in das russische Hinterland eingeflogen – ein taktisches Novum, das die Infanterie schützen und feindliche Kommandostrukturen vor dem Angriff lahmlegen soll.
In der ukrainischen Grenzregion zu Polen hat es nach Angaben der Regierung in Warschau erneut einen russischen Drohnenangriff gegeben. Weitere Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt.
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