Kroatisches Gericht ordnet U-Haft für ukrainischen Taucher im Nord-Stream-Verfahren an
Ein Gericht in Kroatien hat Untersuchungshaft für den ukrainischen Taucher Vladimir Z. angeordnet, der im Zusammenhang mit den Anschlägen auf die Nord-Stream-Pipelines festgenommen wurde. Die Richterin begründete die Entscheidung mit Fluchtgefahr und der bevorstehenden Auslieferung an Deutschland.
Im Zusammenhang mit den Anschlägen auf die Nord-Stream-Pipelines hat ein Gericht in Kroatien Untersuchungshaft für den ukrainischen Taucher Vladimir Z. angeordnet. Das Gericht in Pula teilte am Donnerstag mit, eine Richterin habe wegen Fluchtgefahr die U-Haft mit Blick auf seine Auslieferung an Deutschland verfügt. Zuvor war der 1979 geborene Mann von einem Staatsanwalt vernommen worden.
Die kroatische Polizei hatte Z. am Mittwochmorgen in einem Hotel in Pula auf Grundlage eines Europäischen Haftbefehls festgenommen. Die Behörden machten zunächst keine näheren Angaben zu den Umständen. Nach Informationen des Onlineportals für Justiznachrichten „Legal Tribune Online“ erfolgte die Festnahme am Set des Films „Snake Island“ des US-Regisseurs Doug Lima, in dem die Hollywood-Stars Adrien Brody und Sean Penn mitspielen. Dem „Spiegel“ zufolge soll Z. das Filmteam beraten haben. Die Nachrichtenagentur AFP konnte diese Angaben zunächst nicht unabhängig überprüfen.
Die Bundesanwaltschaft verdächtigt Z., vor vier Jahren zusammen mit anderen Tauchern die Sprengsätze an den Gasleitungen in der Ostsee angebracht zu haben. Gegen ihn besteht der dringende Tatverdacht des gemeinschaftlichen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion, der verfassungsfeindlichen Sabotage sowie der Zerstörung von Bauwerken. Bereits vor einem Jahr war der Mann in Polen festgenommen worden. Ein polnisches Gericht verweigerte jedoch seine Auslieferung nach Deutschland, woraufhin er zunächst wieder auf freien Fuß kam.
Ein weiterer Tatverdächtiger der Sabotageaktion sitzt bereits in Deutschland in Untersuchungshaft. Der mutmaßliche Anführer Serhii K., ein früherer ukrainischer Offizier, wurde im August 2025 im Urlaub in Italien gefasst und später nach Deutschland ausgeliefert. Ende Juni klagte ihn die Bundesanwaltschaft als Mittäter eines Kriegsverbrechens des Angriffs gegen zivile Objekte an, außerdem wegen des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion, der Zerstörung von Bauwerken und der Störung öffentlicher Betriebe.
Anfang Juli veröffentlichte die Bundesanwaltschaft Einzelheiten aus der Anklage. Demnach gehen die deutschen Ermittler davon aus, dass die Pläne für die Anschläge im Auftrag staatlicher Stellen in der Ukraine entwickelt wurden. Die Sabotageaktion sollte Gaslieferungen über die Pipelines dauerhaft stoppen, damit Russland die Einnahmen nicht zur Finanzierung des Ukraine-Kriegs nutzen konnte.
Die Nord-Stream-Leitungen waren für den Transport von russischem Gas nach Deutschland gebaut worden. Bei den Anschlägen im September 2022 wurden sie schwer beschädigt. Zu diesem Zeitpunkt waren sie nicht in Betrieb: Russland hatte die Gaslieferungen über Nord Stream 1 kurz zuvor gestoppt, mutmaßlich als Reaktion auf die westlichen Sanktionen angesichts des russischen Einmarschs in die Ukraine. Nord Stream 2 ging nie in Betrieb.
Der Fall wirft weiterhin Fragen zu den Hintergründen der Sabotage auf und belastet die deutsch-ukrainischen Beziehungen. Die deutschen Ermittlungsbehörden verfolgen die Spur in die Ukraine mit Nachdruck, während die kroatische Justiz nun über die Auslieferung von Vladimir Z. entscheiden muss. Ein Termin für die Entscheidung über die Auslieferung stand zunächst nicht fest.
