Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) wird beim Finale der Fußball-Weltmeisterschaft am Sonntag in East Rutherford nicht durch ein Mitglied seines Führungszirkels vertreten sein. Wie der Verband auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mitteilte, verzichten sowohl Präsident Bernd Neuendorf als auch sein Stellvertreter Hans-Joachim Watzke auf eine Reise zur Partie zwischen Argentinien und Spanien. Das Spiel wird um 21.00 Uhr im ZDF und bei MagentaTV übertragen.
Neuendorf hätte als Mitglied des FIFA-Councils um Weltverbandschef Gianni Infantino einen reservierten Platz auf der Ehrentribüne. Auch Watzke, der als deutsches Mitglied der UEFA-Exekutive ebenfalls zum Führungszirkel der internationalen Fußballfunktionäre zählt, wäre berechtigt gewesen, an dem prestigeträchtigen Event teilzunehmen. Das Finale in der riesigen Arena in East Rutherford gilt als Höhepunkt der umstrittenen XXL-Weltmeisterschaft und wird auch US-Präsident Donald Trump als Ehrengast anziehen.
Bereits nach dem frühen Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft in der Zwischenrunde durch ein 3:4 im Elfmeterschießen gegen Paraguay hatte der DFB erklärt, dass Neuendorf keine weiteren WM-Spiele mehr besuchen werde. Diese Ankündigung gilt nun auch für das Endspiel. Üblicherweise sind mehrere Council-Mitglieder bei den Partien auf den VIP-Tribünen präsent, doch der deutsche Verband zieht sich bewusst aus der ersten Reihe zurück.
Die Entscheidung fällt in eine Phase angespannter Beziehungen zwischen dem DFB und der FIFA. In dieser Woche hatte der Verband bestätigt, dass er im Gegensatz zur überragenden Mehrheit der nationalen Fußballverbände bisher kein Unterstützungsschreiben für die angestrebte Wiederwahl von FIFA-Präsident Gianni Infantino im März 2027 unterzeichnet hat. Dies unterstreicht die kritische Haltung der deutschen Fußballführung gegenüber der aktuellen Weltverbandsspitze.
Neuendorf und Watzke waren in der Vorwoche dennoch nach New York gereist – allerdings nicht, um Fußballspiele zu besuchen. In einem Flughafenhotel führten sie Gespräche mit Top-Kandidat Jürgen Klopp über ein mögliches Engagement als Bundestrainer. Klopp selbst wird beim WM-Finale live vor Ort sein, jedoch nicht als Funktionär, sondern als Experte für MagentaTV. Er trifft dort auf Per Mertesacker, der als ZDF-Experte ebenfalls im Stadion sein wird. Mertesacker gilt als möglicher Kandidat für einen Posten rund um die Nationalmannschaft, etwa als DFB-Geschäftsführer. Bislang hatte er die WM aus dem ZDF-Studio in Deutschland analysiert, reist nun aber gemeinsam mit seinem Kollegen Christoph Kramer zu den USA-Spielen.
Das Fehlen deutscher Fußballfunktionäre beim Finale ist bemerkenswert, da es sich um das wichtigste Spiel des Turniers handelt und die internationale Fußballgemeinschaft dort zusammenkommt. Während Vertreter anderer Nationen die Gelegenheit nutzen, um Netzwerke zu pflegen und politische Gespräche zu führen, signalisiert der DFB mit seiner Abwesenheit eine bewusste Distanzierung. Die Kritik an der FIFA und der Austragung der WM in den USA war in Deutschland besonders laut gewesen, unter anderem wegen der umstrittenen Vergabepraxis und der politischen Dimension des Turniers.
Die deutsche Nationalmannschaft war bereits früh aus dem Turnier ausgeschieden, was die Stimmung im Verband zusätzlich gedrückt hatte. Die Rückkehr nach Deutschland erfolgte umgehend nach dem Aus in der Zwischenrunde. Seitdem konzentriert sich der DFB auf die Suche nach einem neuen Bundestrainer, wobei Jürgen Klopp als Wunschkandidat gilt. Die Gespräche in New York waren ein wichtiger Schritt in diesem Prozess, auch wenn eine endgültige Entscheidung noch aussteht.
Das WM-Finale in East Rutherford wird somit ohne deutsche Beteiligung auf höchster Funktionärsebene stattfinden. Während die Partie zwischen Argentinien und Spanien im Mittelpunkt des globalen Fußballinteresses steht, bleibt der DFB bewusst fern. Die Entwicklung zeigt, dass der deutsche Verband zunehmend eigene Akzente in der internationalen Fußballpolitik setzt und sich nicht vor den Karren der FIFA spannen lassen will.



